Helga und Jörg Beyer sind Gasteltern für den Jenaer Tschernobylverein - Nachahmer gesucht

Seit Jahren engagiert sich der Verein „Hilfe für die Kinder von Tschernobyl in Jena“ für Kinder aus Weißrussland, unter anderem mit Erholungsferien in der Saalestadt. Dafür werden derzeit noch Gasteltern gesucht.

Gemütlich sitzt es sich im Garten von Familien Beyer in Bollberg. Hier kann man gut ausruhen und entspannen. Das will das Ehepaar nicht allein genießen. Seit 2009 lädt es regelmäßig weißrussische Kinder zu sich nach Hause ein. Die Beyers sind Gasteltern für den Verein „Hilfe für die Kinder von Tschernobyl in Jena“.

Acht Kinder und zwei Lehrerinnen in sechs Jahren


Nach Ende ihres Erwerbslebens hatte Helga Beyer wieder mehr Zeit. Platz gab es im Haus ohnehin. So hat sie sich beim Verein gemeldet. Dieser organisiert regelmäßig Erholungsaufenthalte für Kinder aus der Tschernobylregion. Acht Kinder und zwei Lehrerinnen haben seitdem bei den Beyers gewohnt. Ihr Mann ist sogar Vereinsmitglied geworden und betreut regelmäßig die Weihnachtstransporte nach Weißrussland.

„Gastmutter sein, das geht auch ohne Russischkenntnisse “, erklärt Helga Beyer. „Schließlich bekommt man vom Verein ein kleines Wörterbuch, das im Alltag hilft.“ Man könne sich zudem mit Händen und Füßen verständigen. Probleme habe sie noch nie mit ihren Gästen gehabt. Während der ersten Ferienwoche werden die Kinder vom Verein auf das Leben bei den Gasteltern vorbereitet. In der zweiten und dritten Woche wohnen sie dann bei den Familien in Jena und im Saale-Holzland-Kreis. Sie schlafen dort und verbringen die Wochenenden bei ihnen. Wochentags werden sie vom Verein betreut.

Obst, Cola und viel Ruhe


„Man muss für die Kinder kein großes Programm organisieren“, nimmt Jörg Beyer Interessierten eventuelle Bedenken. „Sie wollen keine großen Ausflüge machen. Das kennen sie von zu Hause gar nicht.“ Die Jungen und Mädchen brauchen vor allem eine liebevolle Betreuung und Ruhe. Denn sie sind durch Schilddrüsenerkrankungen nicht belastbar. „Das ist die Folge der Reaktorkatastrophe in ihrer Heimat“, so Beyer. Ein bisschen Fußball spielen oder auf den Spielplatz gehen – damit sind sie zufrieden.

Freude kann man ihnen mit Obst machen. „Nach Bananen sind sie ganz verrückt“, weiß Helga Beyer. „Ich mache ihnen immer einen Obstteller. Auch Cola und Süßigkeiten mögen sie sehr.“ Beim den regelmäßigen Mahlzeiten seien die Kinder nicht anspruchsvoll. Käse und Salami stehen hoch im Kurs. „Ich hatte aber auch mal einen Jungen, der hat fast nur Kartoffeln gegessen.“

Anna freut sich über Ohrringe


Gern geht die Gastmutter mit den Kindern einkaufen. „Wenn ich sehe, wie die sich über neue Schuhe freuen, geht mir das Herz auf.“ Gasttochter Anna hat sie den Wunsch nach Ohrringen erfüllen können. „Aber das wird nicht erwartet“, so Helga Beyer. „Jeder kann es halten, wie er will und kann.“

Lisa besonders ins Herz geschlossen

Zumeist betreut Familie Beyer zwei Kinder. „Da ist niemand für sich allein“, so die Überlegung der Beyers. Manchmal kommen die kleinen Besucher auch mehrmals nach Bollberg. „Warum nicht, wenn die Chemie stimmt“, meint der Gastvater. Zu einem Mädchen halten sie noch heute regen Kontakt, hatte sie sogar zu privaten Besuchen eingeladen. Lisa ist den Beyers sehr ans Herz gewachsen. Mittlerweile ist die 21-Jährige selbst Mutter geworden. Vielleicht wächst da schon der nächste Feriengast der Beyers heran.

Aktivitäten des Vereins


Der Verein „Hilfe für die Kinder von Tschernobyl in Jena“ betreut weißrussische Kinder aus 14 Dörfern der Kreises Krasnopolje. Das Gebiet liegt im Südosten Weißrusslands und wurde 1986 nach der Explosion des Atomkraftwerkes von Tschernobyl radioaktiv kontaminiert. Die Kinder und ihre Familien werden auf vielfältige Weise unterstützt. Dazu gehören auch Erholungs- und Genesungsaufenthalt in Jena. Der nächste Aufenthalt findet vom 8. bis 27. Juni statt.

In diesem Jahr sind die Kinder während der 1. Ferienwoche erstmals im Internationale Jugendgästehaus in Jena-Lichtenhain untergebracht. Damit haben sich die Kosten des Aufenthaltes stark erhöht. Der Verein kann nur noch einen statt zwei Reisen organisiert.

Zur Refinanzierung organisiert der Otto-Schott-Chor für den Jenaer Tschernobylverein ein Benefizkonzert am 5. Juni, um 18 Uhr in der Peterskirche in Lobeda.

Eine wichtige Einnahmequelle des Vereins sind zudem Alttextilien und Schuhe sowie Bettwäsche/Handtücher. Damit werden die Ferienkinder ausgestattet. Nicht verwendete Spenden verkauft der Verein. Der Erlös dient der Finanzierung der Kinderreisen. Gesammelt wird samtags, 10 bis 11 Uhr in Jena, August-Bebel-Straße 4. Am 30. Mai brennt der Rost an der Annahmestelle für alle Spender.

Für den diesjährigen Kinderaufenthalt werden noch Gasteltern gesucht. Die Kinder sind zwischen 8 und 9 Jahren. Sie übernachten in der 2. und 3. Ferienwoche bei denn Gasteltern und werden dort auch an zwei Wochenenden betreut. Anmeldung unter: 0157/73974860, 03641 /394994 oder per Email an buero@tschernobyl-verein-jena.de
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1 Kommentar
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Gabriele Wetzel aus Zeulenroda-Triebes | 21.05.2015 | 22:13  
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