Kinder an der Macht

Ullas Kinderortschaftsbürgermeisterin Laura Rauch vor dem neu gestalteten Buswartehäuschen: Die Idee für den Anstrich kam von den Kindern selbst.
Ulla: Dorfstraße | Es gehört zu unseren gesellschaftlichen Spiel­regeln, dass sich Erwachsene um das Gemeinwohl kümmern. Gar nicht selbstverständlich ist es, wenn Kinder sich aktiv ein­mischen. In Ulla, einem Ortsteil der Gemeinde Nohra, ist das aber gerade seit ein paar Jahren Realität. AA-Redak­teurin ­Simone ­Schulter sprach darüber mit Lara Rauch. Sie ist hier Kinderortsbürgermeisterin im Dorf.

Wie kam es dazu, einen Kinderortsbürgermeister zu wählen?
Vor vier Jahren wurde bei uns im Dorf der Ortsteilbürgermeister gewählt. Wir Kinder wussten nicht, warum man wählt. Unsere Eltern fragten sich damals: Warum gründen wir nicht einen Rat, der sich um die Probleme der Kinder kümmert?

Seit wann bist Du im Amt?
Ich bin seit Mai 2011 Kinder­ortsteilbürgermeisterin. Un­sere Amtszeit dauert zwei Jahre. Ich bin bereits die ­zweite im Amt.

Bist Du eine Einzelkämpferin?
Nein, es gibt einen Kinderortschaftsrat und einen Vorstand. Im Ortschaftsrat sind zwölf Kinder, im Vorstand arbeiten fünf Kinder mit. Alle sind zwischen acht und zwölf Jahre alt.

Musstest Du Dich gegen andere Kandidaten durchsetzen?
Ja, es sind fünf Kinder angetreten. Es war ein richtiger Wahlkampf. Wir haben Plakate gebastelt, haben sie ausgehangen und Werbung gemacht.

Wie oft trefft Ihr Euch?
Einmal im Monat trifft sich der Kinderortschaftsrat. Der Vorstand trifft sich öfter. Wir organisieren ja auch zum Teil Feste im Dorf mit wie Halloween oder das Maifeuer. Da muss man sich öfter treffen.

Wie erfahrt Ihr von den Problemen im Ort?
Einmal im Halbjahr stellen wir eine Wunschbox im Bürgerhaus auf. Alle Kinder können ihre Probleme und Wünsche dann auf Zettel schreiben und reinwerfen. Manches kann man nicht wirklich umsetzen. Zum Beispiel, wenn sich jemand einen Kletterpark für Ulla wünscht.
Was konnte denn in diesem Jahr realisiert werden?
Wir haben unseren Sportplatz eröffnet. Das hat uns viel Mühe gekostet. Gesorgt haben wir auch für eine Schaukel und eine Wippe auf dem Spielplatz. Auch das Bushäuschen gehörte zu unseren Projekten.

Kannst Du das erklären?
Unser Bushäuschen im Dorf war total verdreckt und vollgeschmiert und hat immer gestunken. Wir haben aufgeräumt. Es wurde gemalert. Und durch ein Kind im Ort haben wir einen Graffitimaler gefunden, der das Häuschen mit Naturmotiven besprüht hat. Seit einem halben Jahr sind keine neuen Schmierereien dazugekommen.

Wie können Kinder solch teure Projekte realisieren?Wir bekommen Spenden­gelder, haben auch schon 500 Euro bei einem Wettbewerb gewonnen. Den Rest zahlt der Ortsverein.

Gibt es Meinungsverschiedenheiten zwischen Euch darüber, was gemacht ­werden soll?
Nein, es ist nicht so, dass wir uns streiten. Es wird abgestimmt. Die Mehrzahl entscheidet.

Was habt Ihr Euch für die nächste Zeit vorgenommen?
Wir haben mit einem Rodel­berg im Ort angefangen. Er liegt drei Kilometer von Ulla entfernt. Das ist ziemlich weit. Für den neuen Rodelberg brauchen wir kein Geld. Wer Erde übrig hatte, hat sie zur Verfügung gestellt.

Mischt Ihr Euch auch in Projekte der Erwachsenen ein?
Wir mischen uns in viele Sachen ein. Wir haben gemerkt, dass Erwachsene oft nicht an Kinder denken. Das hat sich durch den Kinderortschaftsrat in Ulla geändert.

Bleibt Dir noch Zeit für ­andere Freizeitaktivitäten?
Ja, das muss sein. Ich lerne an der Musikschule Gitarre. Und in der Schule tanze in Line-Dance.

Willst Du nach der Amtszeit wieder kandidieren?
Ich bin dann zwölf Jahre und zu alt. Von mir aus kann ich dann gern helfen als Betreuerin. Aber zur Wahl stelle ich mich nicht noch einmal.
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige
Anzeige