O du fröhliche - vor 200 Jahren von Johann Daniel Falk in Weimar gedichtet

Willi Wild, Chefredakteur, Mitteldeutsche Kirchenzeitung "Glaube + Heimat". (Foto: Maik Schuck)
Weimar: Lutherhof |

Weimar kann in diesem Jahr nicht nur den öffentlichen Weihnachtsbaum feiern. Auch eines der beliebtesten Weihnachtslieder, gedichtet vom Weimarer Johannes Daniel Falk, wird ebenso 200 Jahre alt.Herr Wild, in meinem Ideenbüchlein für 2016 steht 200 Jahre „O du fröhliche“. Das kann ich wohl jetzt streichen?
Nein, das müssen sie nicht. 1816 wurde das Lied von Johannes Falk bekannt, aber getextet hat er es bereits früher.

Wie haben Sie herausgefunden, dass das Lied 1815 und nicht erst ein Jahr später entstanden ist?
Der Kirchenhistoriker und frühere Chefredakteur der Mitteldeutschen Kirchenzeitung "Glaube+Heimat", Herbert von Hintzenstern, hat sich intensiv mit Falk und "O du fröhliche" beschäftigt. Seine zweite Heimat war wohl das Goethe-Schiller-Archiv. Dort fand er auch den Hinweis auf die Entstehung des Liedes 1815. Das Entstehungsjahr wurde bereits 1995 in einem Artikel veröffentlicht. Dieser Beitrag ist dem Vorsitzenden des Falk-Vereins, Paul Andreas Freyer, kurz vor Weihnachten wieder in die Hände gefallen. Dann mußte alles ganz schnell gehen, weil das Jubiläums-Jahr nur noch wenige Tage hat.

Warum hat sich 2016 trotzdem als Jubiläumsjahr in so vielen Publikationen eingeschlichen?
Bei den Recherchen habe ich ganz unterschiedliche Jahreszahlen gefunden. Von 1806 bis 1817 war alles dabei. 1816 ist als Entstehungsjahr im Kirchengesangbuch vermerkt. Vermutlich hat Falk den Text kurz vor dem Weihnachtsfest 1815 geschrieben. Zum Weihnachtsschlager konnte demnach "O du fröhliche" erst ein Jahr später werden.

Singen Sie selbst das Lied zum Fest?
Gern. Allerdings komme ich meistens nicht dazu, weil ich den Gemeindegesang bei der Christvesper im Posaunenchor mit dem Waldhorn begleite.

Warum hat sich „O du fröhliche“ zu einem Weihnachtsklassiker entwickelt? Können Sie sich das erklären?
Ich versuche es: eine eingängige Melodie und ein schlichter, leicht zu merkender Text. Aber, wenn ich erklären könnte, wie aus einem Lied ein Hit wird, dann hätte ich höchstwahrscheinlich selbst schon einen komponiert.

Zur Sache

"O du fröhliche" zählt zu den bekanntesten deutschsprachigen Weihnachtsliedern. Die ersten von drei Strophen wurden von Johannes Daniel Falk (1768–1826) in Weimar gedichtet. Er galt als "Waisenvater" und gründete hier die "Gesellschaft der Freunde in der Not". Sie kümmerte sich um entwurzelte Kinder nach den napoleoinschen Kriegen.
In ihrer heute gebräuchlichen Form wurden die 2. und 3. Strophe von Heinrich Holzschuher umgeschrieben.
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