Pfarrer sein - auch im Ruhestand

Berd-Ullrich Stock in der St.-Michaelis-Kirche in Kranichfeld. Nach 22 Jahren geht der Pfarrer in den Ruhestand.
Kranichfeld: Kirchplatz | Blumensträuße zieren den Flur des Pfarrhauses am Kirchplatz in Kranichfeld. In der Kirche stehen noch liebvoll verpackte Geschenke. Zeichen des Abschieds: Pfarrer Bernd-Ullrich Stock geht in den Ruhestand. Vor 22 Jahren kam er in die Zwei-Burgen-Stadt. Es herrschte Aufbruchstimmung – damals kurz nach der Wiedervereinigung.

Das merkte auch der Pfarrer. Noch heute blickt er gern zurück auf die intensive Jugendarbeit jener Nachwendezeit. Zehn bis zwölf Jahre habe diese gedauert. Mit Schülergruppen reiste er damals nach Montana in die USA und nach Südfrankreich. Einmal im Monat hätten die Jugendlichen gar einen Gottesdienst selbst gestaltet.

Heute kommen weniger junge Leute in die Kirche. Woran das liegt? „Ein großer Teil der Jugend wanderte ab“, erklärt Pfarrer Stock. Gerade die Zweitwohnsitzsteuer in den Universitätsstädten habe dazu geführt, dass die jungen Leute seltener Zuhause sind. „Vielleicht hängt es auch damit zusammen, dass ich ein bisschen älter geworden bin und nicht mehr so den direkten Draht zur Jugend habe“, zeigt sich Bernd-Ullrich Stock auch selbstkritisch. Geblieben ist eine liebgewordene Tradition: Jedes Jahr am Heiligabend zeigen junge Leute um 22 Uhr ein Weihnachtsspiel in der Kranichfelder Kirche. „Manche, die mitmachen, sind inzwischen selbst schon Eltern.“
Seine Berufswahl bereut Pfarrer Stock im Rückblick nicht. Jedoch die Wandlungen, die das Pfarramt durchlaufen musste, sieht er zwiespältig. „Wir haben uns nach der Wende innerhalb der Kirche fast durchgehend mit Strukturen beschäftigt“, bedauert er. Auch die Bürokratie sei größer geworden. Das koste viel Zeit, die oft zu Lasten der Seelsorge geht.

Vergrößert hat sich auch sein Wirkungskreis. Ist er in den ersten Jahren allein für Kranichfeld und Stetten zuständig gewesen, war er ab 2005 auch Pfarrer für Tonndorf, Hohenfelden und Nauendorf, weil die dortige Pfarrstelle gestrichen wurde. „Wir müssen uns einfach der Tatsache stellen, dass nur noch 20 Prozent der Bevölkerung der Kirche angehören“, zeigt er Verständnis für diese Sparzwänge.

Am vergangenen Sonntag, zum 1. Advent, wurde Pfarrer Stock feierlich aus seinem Amt verabschiedet. Seine reguläre Dienstzeit endet am 31. Dezember. Danach will er einiges aufarbeiten, dass über die Jahre privat unerledigt blieb. Seiner Gemeinde und seinem Amt möchte er weiterhin die Treue halten. Er kann sich vorstellen, einige Dienste zu übernehmen, wenn Kollegen Unterstützung benötigen. „Ich bleibe Pfarrer, auch wenn ich im Ruhestand bin“, so Stock. Aus dem Pfarrhaus ist er bereits aufgezogen, aber in Kranichfeld will er bleiben. Wehmut zum Abschied ist ihm nicht anzumerken. Er gesteht: „Es war eine schöne Zeit. Aber nach 22 Jahren ist irgendwann genug.“ Ein neuer Pfarrer bringe sicher neue Ideen mit, spreche vielleicht auch andere Menschen an, äußert er seine Hoffnungen für die Zukunft.

In den kommenden Monaten wird das Pfarrhaus in Kranichfeld renoviert. Erst dann wird die Stelle wieder besetzt – voraussichtlich zum Schulstart im August. Pfarrer Stock, dann in Rente, will sich zurücknehmen, damit der oder die Neue „einen Fuß in die Tür bekommt“.

Bis zur Neubesetzung der Stelle von Pfarrer Stock teilen sich ab dem 1. Januar Oberpfarrer Günther Widiger aus Blankenhain und Pfarrer Hans-Christoph Schilling aus Tannroda die Vertretung für Kranichfeld, Stetten, Tonndorf, Hohenfelden und Nauendorf.
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