Rentner aus Kahla sucht Schätze im Reimahg-Stollen

Klaus Fritzsche geht auf Schatzsuche. Er glaubt, dass kurz vor Kriegsende Kunstgüter in den unterirdischen Stollen nahe Kala versteckt worden sind.

Dort, wo Wunderwaffen produziert werden sollten, könnten die Nazis auch Kunstschätze versteckt haben. Ein Rentner aus Kahla forscht sein einigen Jahren nicht nur nach Rommels Schätzen. Dass er mit seinen Freunden auch das Bernsteinzimmer finden könnte, hält er nicht für ausgeschlossen.


Es gibt Menschen, die brennen für eine Idee. Ihnen ist egal, was andere darüber denken. Klaus Fritzsche ist von diesem Schlage. „Manche sagen, ich spinne“, gibt der Rentner zu. „Ich werde verspottet und ausgelacht.“ Doch er lässt sich nicht beirren, investiert weiter Zeit und Geld. Denn wenn er Recht hätte, könnte er wahre Kostbarkeiten heben.

Ein bisschen viel Konjunktiv, mag man meinen. Doch der gehört zu solchen Geschichten, wie sie Klaus Fritzsche schreiben möchte. Der Kahlaer ist auf Schatzsuche: im Stollensystem, das die Nazis ab 1944 im Kahlaer Umland geschaffen haben.

In einem unterirdischen Rüstungswerk, der REIMAHG, sollte damals die als Wunderwaffe titulierte Messerschmitt Me 262 gebaut werden. Mit diesem Flugzeug hofften die Nazis, die drohende Kriegsniederlage doch noch abwenden zu können. Über 10000 Zwangsarbeiter mussten dafür unter unmenschlichen Bedingungen untertage schuften.

Bernsteinzimmer im Kahler Stollen?


Doch nicht nur dafür soll der Stollen genutzt worden sein. Ein Buch über die Reimahg brachte Fritzsche 1997 auf den Gedanken: Hier könnten auch Kunstschätze ausgelagert sein. „Wie auf dem Serviertablett haben die Nazis das Flugzeugwerk für die Amerikaner hinterlassen. Mir war klar, dass da etwas nicht stimmen kann“, erinnert sich der Rentner an den Ausgangspunkt seiner Schatzsuche. Man habe wohl ablenken wollen von anderen Dingen, die der Berg verbarg, lautet seine These.

„Milliarden an hoffentlich gut erhaltenen Werten“, vermutet der Senior im Berg. Kunstwerke, die einst Rommel und Hitler gehortet hatten. Selbst das Bernsteinzimmerkönnte dort versteckt sein. Als Beweis dienen Fritzsche Luftbildaufnahmen, die von englischen Aufklärungsflugzeugen heraus entstanden sind. Man erkenne darauf große Kisten vor Stolleneingängen, die auf späteren Aufnahmen nicht mehr zu sehen sind. In den Kisten könnten die Schätze verpackt gewesen sein. Nun wähnt Fritsche die Schätze hinter den zahlreichen Stollenausgängen. „7 Grad und trocken, besser kann man nichts aufbewahren“, ist er sich sicher. Doch die Zugänge seien wie ein Tresor verschlossen.

Die Erinnerungen eines Bekannten, dessen Vater in der Reimahg gearbeitet hatte, sollen Fritzsches These stützen. Der Mann sei der einzige Überlebende gewesen. Alle anderen Mitglieder des Wachkommandos habe man erschossen. „Damit sie nichts verraten“, schlussfolgert Fritzsche. Der Überlebende habe wohl nach dem Krieg die Schätze behüten sollen.

Ganz allein steht Fritzsch mit seinen Thesen nicht. Ein selbst gedrehter Film zeigt ihn mit seinen Mitstreitern bei Grabungsarbeiten. 54 Freunde und Bekannte würden ihm regelmäßig helfen. 1 bis 2 Mal pro Woche sucht er gemeinsam mit Helfern nach den Schätzen. Bei einem Stollenausgang sei man schon ziemlich tief in den Berg hineingekommen. 14 Meter habe man sich durchgegraben. Eingestürzte Decken hätten aber dann den Weg nicht weiter frei gegeben.

Merkel und Bild-Chef wollen nicht helfen


Fritzsche ist sich sicher: Allein schafft er die Schatzsuche nicht. Deshalb versucht er, viele von seiner Idee zu überzeugen. Selbst Angela Merkel und Bild-Chef Kai Dieckmann hat er in Briefen um Hilfe gebeten. Wenn es Antworten gab, dann aber nur unzureichend. Trotzdem will er nicht aufgeben und hofft nun auf private Unterstützer. „Ich will etwas anschieben“, erklärt er. „Schließlich ist es unsere Pflicht, diese Schätze zu bewahren.“

Klaus Fritzsche lebt für seine Idee - ganz ohne Konjunktiv. Andere müssen sich selbst eine Meinung bilden.

TERMIN

Am 3. Juli, 19.30 Uhr berichtet Klaus Fritzsche im Café Frozen-Dreams in Kahla von seiner Schatzgräberarbeit.

Zur Person

Klaus Fritzsche wurde vor 79 Jahren in Kahla geboren. Heute lebt er wieder in seiner Heimatstadt. Er hat den Beruf des Maurers gelernt, war später bei Jenapharm beschäftigt und zudem zwei Jahre als Kulturhausleiter tätig. Fritzsche hat in zwei Ensembles gesungen, ist als Mundartsprecher aufgetreten und hat Bühnenprogramme moderiert.
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