Richter im Talar

Dr. Udo Pfeifer tauscht die Richter­robe mit dem Talar: Er arbeitet als ­Prädikant.
Ein Schlüsselerlebnis? Da muss Dr. Udo Pfeifer passen. „Ich werde oft danach gefragt“, erklärt er. „Doch bis heute weiß ich keine Antwort.“ Vielmehr sei es ein schleichender Prozess gewesen, der ihn letztendlich auf die Kanzel führte; nicht von außen angestoßen. Im April dieses Jahres wurde der promovierte Richter am Saalfelder Amtsgericht ordiniert. Damit arbeitet er ehrenamtlich als Prädikant auf Augenhöhe mit dem Pfarrer. „Ich darf das Abendmahl erteilen und taufen, aber auch Trauungen und Beerdigungen durchführen.“

Dieser Weg war ihm wahrlich nicht vorbestimmt. Eine typische DDR-Kindheit habe er gehabt, ohne kirchlichen Bezug. Als junger Erwachsener stellte er sich zunehmend die Frage nach dem Sinn des Lebens. Es sei „ein stückweises Umkrempeln von Gewissheiten gewesen“.

Im Alter von 30 Jahren hat sich Pfeifer taufen lassen. Später schloss sich ein zweieinhalbjähriges theologisches Fernstudium an. „Ich wollte in Glaubensfragen einfach mehr wissen“, erklärt er seine Motivation. Heute unterstützt Pfeifer maßgeblich den Pfarrer in seiner Kirchgemeinde Altengönna, zu der sieben Dörfer gehören. Einmal im Monat übernimmt er die Gottesdienste. Dafür schreibt er die Predigten, wählt die passenden Lieder aus. Auch zum Heiligen Abend ist er im Einsatz. Drei Mal verkündet er die Weihnachtsbotschaft.

Er weiß, dass an diesem Tag die Kirchen wieder voll sein werden. „Für viele gehört es einfach dazu, am 24. Dezember in den Gottesdienst zu kommen.“ Mit seiner Predigt wolle er alle erreichen – auch jene, die Gott fern seien. Nicht mit billigen Sprüchen. Prädikant Pfeifer will Denkanstöße geben.

Es sei ein anstrengender Tag, gibt er zu. Die Besinnlichkeit komme bei ihm deshalb erst spät auf. Er findet sie in seiner Heimatkirche in Jena-Cospeda, wenn dort am späteren Abend eine Christvesper für Erwachsene abgehalten wird.

ZUR SACHE
Den Pfarrerinnen und ­Pfarrern der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) ­stehen etwa 100 Prädikanten zur Seite. Prädikanten sind Absolventen einer berufsbegleitenden theologischen Unterrichtung. Sie erhalten einen Dienstauftrag in einem Kirchenkreis zur freien Wortverkündigung.
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