Von der Stadt aufs Land

Familie Wahls-Block aus Ottstedt fühlt sich wohl auf dem Dorf.
Magdala: Ottstedt | Anke Wahls-Block und ihr Mann Stefan Block wohnen auf dem ehemals größten Hof in Ottstedt bei Magdala. Dass sie 1995 hier gestrandet sind, hatte aber weniger mit der Schönheit des Dorfes als vielmehr mit den Immobilienpreisen in und um Jena zu tun. In der Saalestadt waren die beiden damals zu Hause und zugleich auf der Suche nach größerem Wohnraum – und bitte mit Garten.

„Wir mussten feststellen, dass es immer billiger wurde, je größer wir den Radius um Jena gezogen haben“, erinnert sich Anke Wahls-Block. Irgendwann fanden sie den Hof, der nun schon seit über eineinhalb Jahrzehnten zu ihrem Zuhause geworden ist. Damals war das Dach kaputt, die Elektrik nicht mehr funktionstüchtig. Fast ein Ruine. „Wie kommen wir hier wieder raus?“ Diese Frage hätten sie sich in der Zwischenzeit oft gestellt, gibt die Hausherrin unumwunden zu. Auch der Außenstehende sieht, dass sich das Paar hier eine Lebensaufgabe gestellt hat.

Mit dieser aber kommen sie ganz gut voran. Gerade wird eine große Garage im Innenhof gebaut. Sie wird eine Lücke schließen. So wird das Gehöft wieder zu einem Vier-Seiten-Hof.

In den Jahren zuvor hat das Paar ein Nebengebäude und das ehemalige Herrenhaus bewohnbar gemacht. Die Idee, einen weiteren Bereich der ehemaligen Stallungen als Wohnraum auszubauen, ist schon weit vorgeschritten. Über die Jahre sei ihr Mann zu einem wahren Experten für Altbausanierung geworden, erzählt Anke Wahls-Block nicht ohne Stolz. Ein einfacher Neubau wäre wohl auch nicht nach ihrem Geschmack gewesen, könnte man meinen. Denn die Geschichte ihres Gehöfts lässt sie nicht unberührt. „So etwas kann man heute gar nicht mehr bauen!“

Das große Anwesen bewohnen die beiden nicht allein. Mit ihren Kindern und zwei Mietparteien teilen sie sich den Hof. „Es gefällt mir, in der Gemeinschaft zu wohnen“, berichtet Anke Wahls-Block. Dafür wurden Sitzgruppen und Bänke im Hof geschaffen. Die können von allen genutzt werden. Der Zwang zum gemeinsamen Miteinander aber besteht nicht.

Auf dem Hof der Blocks haben Städter ein neues Zuhause gefunden. Ihre Beziehung zum Dorf und zu den Alteingesessenen differenziert. Während die einen ihre Wohnung als Rückzugsort definieren, sucht Anke Wahls-Block mehr den Kontakt. Das große Dorfjubiläum im vergangenen Jahr hat sie aktiv mitgestaltet. Im Dezember will sie einen Weihnachtsmarkt für ihre Nachbarn organisieren. Doch bei Skatabenden oder Kirmesfeiern bis tief in die Nacht passt auch sie. ­Dafür ist sie voll des Lobes über den Zusammenhalt in Ottstedt. Es sei eine Selbstverständlichkeit, sich umein­ander zu kümmern. „Von dieser Herzlichkeit bekommen auch wir ein Stück ab.“

Dass sie auf Ewig die Zugezogenen bleiben, darüber ist sie sich im Klaren. Und doch hat sie gespürt, wie viel ­Interesse man ihrer Familie beim Wiederaufbau des für Ottstedt besonderen Hofes entgegenbringt.
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