Weimars scharfes Püppchen: Zwiebelinchen ist auch mit 50 noch frisch und saftig

Wann? 09.10.2015 bis 11.10.2015

Wo? Theaterplatz, Weimar DE
  Weimar: Theaterplatz |

Es gehört zum Weimarer Zwiebelmarkt wie der Zwiebelkuchen und die Zwiebelprinzessin: das Zwiebelinchen. In diesem Jahr wird das Maskottchen 50.

Ab Freitag stehen sie wieder in Reih und Glied auf der Schillerstraße in Weimar – die Zwieblinchens. Groß und klein, mit Kopftuch oder Hütchen, auf jeden Fall mit bunten Strohblumen verziert. Von Heldrunger Bauern wurden sie zuvor fein gemacht für ihren großen Auftrittauf dem Zwiebelmarkt. Ihr Aussehen ist kindlich-naiv, prall und scharf die inneren Werte. Doch der Eindruck täuscht. Das Mädchen feiert in diesen Tagen seinen 50. Geburtstag.

Stadtführerin hat Geschichte des Zwiebelinchens aufgeschrieben


Beate Hermann hat sich auf Spurensuche gemacht und die Geschichte des beliebten Maskottchens aufgeschrieben. Denn beide verbindet eine enge Beziehung. „Ich schlüpfe seit acht Jahren in die Rolle des Zwiebelinchens und führe Gäste durch Weimar, auch zum Zwiebelmarkt“, erzählt sie. Dadurch habe sie sich intensiv mit dieser Symbolfigur beschäftig. „Was lag da näher, als zum 50. Geburtstag ein Buch zu verfassen über das Zwiebelinchen?“

Vielleicht war Neid im Spiel? Damals im Jahr 1965. Die Bezirksstadt Erfurt bekam gerade ein Iga-Püppchen. Leipzig konnte schon länger mit seinem Messe-Männchen punkten. Doch in Weimar stand man mit leeren Händen da. Kein Souvenir dieser Art würde die Touristen an den Besucher der Kulturstadt erinnern. Das sollte sich ändern.

Weimarer hatten viele Ideen für ein Souvenier


Die Neue Weimarer Zeitung (NWZ) rief deshalb einen Ideenwettbewerb ins Leben. Ein „geschmackvolles Andenken“ wurde gesucht. 176 Vorschläge erreichte die Redaktion. Weimar sollte ein Christel-Püppchen bekommen, benannt nach Goethes Ehefrau, oder ein Ginkgoblatt. Ein Musiker mit Liszt-Noten war ebenso im Gespräch wie eine Postkutsche.

Durchgesetzt hat sich am Ende ein Vorschlag der Schülerin Anita Schleicher, heute Kreidel. Die Neuntklässlerin schickte die Zeichnung einer Zwiebelfigur an die Zeitung. Kurze Zeit später zierte sie schon eine Kolumne in der NWZ. Doch so richtig lebendig wurde sie erst durch Agnes Löbnitz. Die Hortnerin gab ihr mit einem Drahtgestell Figur, mit Bastbändern einen frischen Teint und stickte ihr mit bunten Wollbändern ein Gesicht. „Im September 1965 wurde die ersten 60 Zwiebelinchen verkauft“, hat Beate Hermann recherchiert. Je sechs Mark haben sie gekostet und der Tiefurter Schule, in der die Zwillinge des ersten Zwiebelichens entstanden, ein neues Schulfunkgerät eingebracht.

250 DDR-Mark gab es als Siegprämie


Und die Schülerin Agnes Löbnitz? „Sie bekam eine Prämie von 250 Mark“, weiß die Stadtführerin. Doch den ersten Platz des Ideenwettbewerbes hatte sie nicht gewonnen. „Das war schon etwas mysteriös“, meint Hermann. Die Jury, so ist in alten Zeitungen nachzulesen, fand keinen Beitrag für würdig, die Siegerprämie von 1000 Mark zu gewinnen. Für die Zwiebelinchen-Schöpferin gab es trotzdem einen Zuschlag. Sie bekam die begehrte Lehrstelle als Dekorateurin. Der eigentliche Hauptgewinn in der damaligen Zeit.

1995 wurden zum letzten Mal Zwiebelinchen-Puppen verkauft. Heute gibt es sie nur noch ganz frisch und ganz natürlich. Groß und kleine, mit Kopftuch oder Hut. Auf jedenfalls aber ab Freitag auf dem Weimarer Zwiebelmarkt.

TERMIN

+ Vom 9. bis 11. Oktober wird in Weimar zum 362. Zwiebelmarkt eingeladen. Erwartet werden wieder rund 300.000 Besucher zum größten Volksfest Thüringens.
+ Die traditionelle Eröffnung findet am 9. Oktober, 12 Uhr auf dem Marktplatz mit dem Anschnitt des großen Zwiebelkuchens statt.
+ Das ganze Festprogramm ab 5. Oktober unter www.meinAnzeiger.de
+ Das ganze Festprogramm unter: www.weimar.de/zwiebelmarkt
+ Eine Zwiebelmarkt-App ist für den diesjährigen Zwiebelmarkt in allen drei Betriebssystemen (Android, IOS und Windows) überarbeitet worden. Da es sich nicht nur um eine Aktualisierung handelt, ist es notwendig, sich die App in den einzelnen Stores kostenfrei neu herunterzuladen.

Lesetipp

Beate Hermann „50 Jahre „Zwiebelinchen - Zwiebelmarkt im Wandel der Zeit“, Weimarer Verlagsgesellschaft
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