Zivildienst hat ausgedient: Neuer Bundesfreiwilligendienst soll ab 1. Juli die Lücke schließen

Eckart Behr Foto: Simone Schulter
Jahres wurden die letzten Wehrdienstleistenden eingezogen. Damit ist auch das Ende des Zivildienstes besiegelt. An seine Stelle tritt ab 1. Juli der Bundesfreiwilligendienst. Über die neue Situation sprach der Allgemeine Anzeiger mit Eckart Behr. Er ist Geschäftsführer der Sophienklinik Bad Sulza.

Herr Behr, zeigt der Wegfall des Zivildienstes bereits Auswirkungen in Ihrer Klink?
Ich kann hier für die Sophienklinik und das Carolinenheim sprechen. Beides sind Einrichtungen der Diakonie hier in der Region. Wir haben am 31. Mai unsere letzten Zivildienstleistenden verabschiedet. Man merkt schon jetzt, dass ihre Arbeitskraft und auch das erfrischende Element der jüngeren Generation in unseren Einrichtungen fehlt.

Sehen Sie den neuen Bundesfreiwilligendienst als Chance, die Lücke auszufüllen?
Ich bin schon überrascht, wie optimistisch die Politik das sieht. Die Nachfrage nach dem Dienst ist sehr gering.

Waran kann das liegen?
Die Lage auf dem Arbeitsmarkt hat sich entspannt. Es sind genügend Lehrstellen vorhanden. Damit ist die Nachfrage nach Überbrückungsmöglichkeiten nach der Schule oder zwischen Lehre und Berufstätigkeit sehr viel geringer als früher.

Wie wollen Sie neue Mitarbeiter gewinnen?
Wir informieren über die Medien, haben Faltblätter herausgegeben und weisen mit Aushängen auf den neuen Bundesfreiwilligendienst hin. Der neue Begriff muss ins Ohr kommen, damit eine neue Bewegung in dieser Sache entsteht. Leider sind auch noch nicht alle Rahmenbedingungen geklärt. Das macht es für uns noch etwas Schwieriger.

Steht denn schon fest, wie der Dienst honoriert wird?
Es wird ein Taschengeld zwischen 350 und 500 Euro gezahlt. Nach neuester Variante soll für Teilnehmer am Freiwilligendienst das Kindergeld nicht wegfallen. Das ist eine gute finanzielle Ausstattung. Damit wäre der Freiwilligendienst auch besser gestellt als das Freiwillige Soziale Jahr oder das Freiwillige Ökologische Jahr.

Wie hoch ist der Bedarf an Freiwilligen in Ihren beiden Einrichtungen?
Die Diakonie in Apolda und in Bad Sulza kann sechs Stellen besetzen. In der ambulanten sozialen Arbeit, aber auch in der stationären Pflege.

Welche Voraussetzungen werden verlangt?
Bewerben kann man sich ab dem vollendeten 16. Lebensjahr. Nach oben hin ist das Alter nicht begrenzt. Man sollte aber nicht älter als 70 sein. Es können demnach auch Arbeitssuchende oder Rentner eingesetzt werden. Eine abgeschlossene Berufsausbildung ist nicht Bedingung. Die persönliche Eignung und der Einsatzbereich werden in einem Bewerbungsgespräch ganz individuell geklärt.

Es können sich also auch ältere Menschen bewerben?
Ja. Ich möchte aber betonen, dass wir vor allem junge Menschen für den Freiwilligendienst ansprechen wollen. Das ist keine Abwertung der Älteren. Aber junge Menschen mit ihrem Lebensgefühl bringen unseren Einrichtungen immer wieder positive Impulse. Zudem bietet der Dienst eine gute Chance, erste Erfahrungen in sozialen und medizinischen Berufen zu sammeln.
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