Zum Fest ins Theater

Hendrikje Lüttich (rechts) hat als Chefmaskenbildnerin am DNT Weimar über die Feiertage alle Hände voll zu tun.
Weimar: Theaterplatz | Während andere Omas an den Weihnachtsfeiertagen in der Küche stehen, um Mann, Kindern und Enkelkindern den beliebten Gänsebraten zu servieren, geht Hendrikje Lüttich zur Arbeit. „Das war schon immer so“, gibt sie zu. Kein Wort des Bedauerns. „Ich habe nie gedacht: Oh schade, dass ich nicht zu Hause bin.“ Wen wundert’s? Schließlich hat sie nach eigenen Aussagen den schönsten Beruf der Welt. Hendrikje Lüttich ist Chefmaskenbildnerin am Deutschen Nationaltheater in Weimar.

Seit 1990 ist sie hier beschäftigt. Als Theaterfriseurin hat sie angefangen, später berufsbegleitend eine Ausbildung zur Maskenbildnerin absolviert, bis sie 2005 zur Chefmaskenbildnerin ernannt wurde. Ihre Theaterkarriere währt allerdings schon viel länger. „Meinen ersten Auftritt hatte ich mit zwölf als Küchenjunge im Rosenkavalier“, erinnert sie sich. Auf die große Bühne hat sie dann doch nicht gewollt. Sie sei eher ein Mensch, der gern im Hintergrund agiert. Doch das Theater selbst hat sie nie wieder losgelassen. Ihre Friseurausbildung war ein erster bewusster Schritt, um sich später den Traum erfüllen zu können, als Maskenbildnerin zu arbeiten.

Die Vielseitigkeit ihrer Aufgaben fasziniert sie bis heute. Es ist nicht nur das Schminken der Darsteller. Viel Fantasie und Kreativität sind gefragt, wenn „Mephisto“ beispielsweise ein stark behaartes Bein braucht oder dem „Holländermichel“ eine große Wunde aufs Herz gesetzt werden muss. Diese Requisiten werden in der Werkstatt der Maskenbilder angefertigt. Eine besondere Herausforderung scheint es auch für sie zu sein, alle Darsteller und Mitarbeiter so zu koordinieren, dass pünktlich zu Vorstellungsbeginn der passende Lippenstift und das richtige Brusttoupet aufge­tragen sind.

Gut zwei Stunden vor Vorstellungsbeginn beginnt ihre Arbeit. In die Maske müssen schließlich nicht nur die Darsteller. Bei Opernaufführungen ist ein ganzer Chor zu schminken. So standen bei einer „Tosca“-Aufführung 150 Mitwirkende auf der Bühne.

Etwas kleiner ist der Rahmen bei den Weihnachtsaufführungen in diesem Jahr dann doch gehalten. Trotzdem waren bei Shakespeares „Wintermärchen“ am ersten Feiertag vier Maskenbilder im Einsatz. Bei der Verdi-Oper „Falstaffs“ am zweiten Feiertag sind es gar acht.

Die Weihnachtsstimmung soll trotzdem nicht zur kurz kommen. „Wir werden schon die Zeit finden, uns als Team zusammenzusetzen, um Kaffee zu trinken und Plätzchen zu essen“, sagt Hendrikje Lüttich. Währenddessen muss sie nicht befürchten, dass zu Hause Groll gehegt wird. „In meiner Familie gab es immer die Akzeptanz für meinen Beruf“, blickt sie zurück. Auch, als ihre längst erwachsenen Kinder noch klein waren. „Niemand hat darunter leiden müssen.“ Sie habe es immer so regeln können, dass davor oder danach gefeiert werden konnte. Ohnehin beschränke sich für sie Familiensinn und Gemeinsamkeiten nicht auf die drei Weihnachtstage, sondern gelten „über das ganze Jahr“.
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