Doppelt entspannt

„Bis hier stand das Wasser.“ Frank Luge zeigt den Pegelhöchststand vor seinem Haus in Ehringsdorf.
Weimar: Kippergasse | Das ist kein Katastrophenbericht: In Gummistiefeln, blauer Feuerwehrhose und gleichfarbigem Pullover steht Frank Luge vor seinem Haus in der Kippergasse in Ehringsdorf. Die Sandsäcke stapeln sich noch neben dem Tor. Ein Schlauch schlängelt sich aus einem Kellerfenster hinaus auf die Straße und spuckt immer wieder Wasser­lawinen auf den Asphalt. Die Aufräumarbeiten haben begonnen. Bis zu 70 Zentimeter stand das Wasser an Luges Haus.
 „Wir sind mit der Hoch­wassergefahr groß geworden“, erzählt er ganz unaufgeregt. Die Häuser in seiner Straße seien so gebaut, dass sie der Gefahr, die von der nahen Ilm kommt, standhalten können. Der Wohnbereich beginnt erst im Hochparterre. Das letzte Mal war es 1994 so schlimm. Seine Frau war damals hochschwanger. Der Zugezogenen setzte die Situation ziemlich zu. „Doch mittlerweile kann auch sie damit leben“, so Luge.
 Immer mal wieder schauen Nachbarn vorbei. Nasssauger werden ausgetauscht. Es wird gefragt, ob denn nun überhaupt die Müllabfuhr kommt. Die Lage ist zu Wochenbeginn so entspannt wie die Be­wohner in der Kippergasse.
 Eine Kühltruhe muss ­Familie Luge nach dem Hochwasser abschreiben. Alles andere wurde rechtzeitig in Sicherheit gebracht oder ist so aufgestellt, dass eindringendes Wasser nichts ausrichten kann. Nur wie es im Garten aussieht, ist noch nicht abzuschätzen. In ihm staut sich noch das Wasser. Zumindest aber sei fürs nächste Jahr der Boden gut gedünkt, gibt sich Luge gelassen.
 Weniger gelassen sieht er als freiwilliger Feuerwehrmann das Verhalten seiner Mitmenschen. Viele Gaffer kamen am Wochenende nach Ehringsdorf. Sie blockierten mit ihren Fahrzeugen nicht nur wichtige Zufahrtsstraßen. Viele Eltern hätten zudem eine schlechte Vorbildwirkung, wenn sie Absperrungen missachteten. Ein Foto geht Luge gar nicht mehr aus dem Kopf. Es zeigt einen Vater, der mit seinem Kleinkind auf dem Arm in den Fluten steht. „Wasser ist wie ein Über­raschungsei“, hat er in all den Jahren an der Ilm gelernt. Hundertmal, tausendmal gehe es gut, bis ein Unglück passiert. In Ehringsdorf ist
alles gutgegangen – zum Glück.

NACHSATZ
Trotz sinkender Pegel: Die Freiwilligen Feuerwehren sind ständig auf Nachwuchssuche – auch in Ehringsdorf. „Wir haben noch Uniformen zu vergeben“, so Luge. Mit ihnen dürfe man in der ersten Reihe am Wasser stehen.
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3 Kommentare
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Petra Seidel aus Weimar | 05.06.2013 | 22:07  
Simone Schulter aus Weimar | 06.06.2013 | 16:06  
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Petra Seidel aus Weimar | 06.06.2013 | 20:56  
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