Habicht hat nach seiner Genesung neues Zuhause in Kranichfeld

Falkner Herbert Schütz mit dem Habicht, den er gesund gepflegt hat.

Auch ein kleiner Greifvogel muss durch die Schule des Lebens. Doch Sitzenbleiben kann ein Wildtier nicht. Macht es Fehler, endet das oft tödlich.

Ein Habicht hingegen hatte Glück. Schon bei seinen ersten Versuchen, sich selbst zu versorgen, muss er eine Karambolage mit einem Fahrzeug gehabt haben. Das vermutet zumindest Herbert Schütz, der Falkner auf der Niederburg in Kranichfeld.

„Anfang August des vergangenen Jahres bekam ich einen Anruf aus Stedten “, erinnert er sich. Der Vogel lag in einem Gebüsch. An seinem für Jungtiere typischen rotbrauen Gefieder habe er schnell erkannt, dass es ein Habicht ist. „Er konnte weder stehen noch fliegen“, so der Falkner. Wirbelsäule und Flügel waren verletzt. Das Tier muss längere Zeit dort verletzt gelegen haben. Denn es war sehr stark abgemagert. Keine 600 Gramm habe es noch gewogen.

Dass man gerade Herbert Schütz zu Hilfe rief, ist nichts Ungewöhliches. Auf seinem Areal auf der Niederburg betreibt er nicht nur die Falknerei, in der er regelmäßig Flugvorführungen anbietet, sondern auch eine Auffang- und Pflegestation für Greifvögel. Viele Tiere hat er hier schon aufgepäppelt und danach wieder in die Freiheit entlassen. Der junge Habicht allerdings wird bleiben.

Etwas Kaffee für den Kreislauf


Anfangs hat Schütz den Jung-Habicht stündlich gefüttert – mit einem Brei aus Fleischbröckchen, Eigelb und Kaffee. Letzteres, damit der Kreislauf angeregt wird. „Man konnte zusehen, wie es ihm zunehmend besser ging“, freut sich der Falkner noch heute darüber, dass sich all seine Mühe gelohnt hat. Schon kurze Zeit später standen kleine Küken auf dem Speiseplan, die der Habicht selbstständig fressen und auch verdauen konnte. Lebensnotwendig für einen Greifvogel. Nach 14 Tagen konnte er bereits wieder auf einem Bein stehen. „Auch wenn er immer wieder umgefallen ist“, so Schütz. Nach zwei Monaten konnte er beide Beine nutzen und machte erste Flugversuche. „Doch da war bereits Herbst“, berichtet Schütz. „Zu der Zeit konnte ich einen Greifvogel, der es noch nicht gelernt hatte, selbstständig zu jagen, in die Freiheit entlassen.“ So verbrachte der Habicht den Herbst und Winter auf der Niederburg. Sie wird auch künftig sein Zuhause bleiben.

Mitglied einer großen Vogelfamilie


„Der Vogel“, so Schütz, „hat sich an mich gewöhnt und auch mit anderen Menschen keine schlechten Erfahrungen gemacht.“ In Freiheit würde er wohl eher um Fressen betteln, als selbst zu jagen, vermutet der Falkner. In Gesellschaft von Kondor, Milan, Uhu und Bussard gehört er deshalb nun zur großen Vogelfamilie, die die Besucher der Falknerei ab diesen Monat wieder erleben. „So kann ich meinen Gästen den Vogel des Jahres persönlich vorstellen“, weiß Schütz durchaus auch einen positiven Aspekt aus dem Schicksal des Habichts zu ziehen. Dieser dankt es mit gutem Gedeihen. Mittlerweile bringt er ein gutes Kilogramm auf die Wage.
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Renate Jung aus Erfurt | 08.04.2015 | 22:09  
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