Immer dieser „Michel“ - Problemhund in Weimar könnte ein Südimport sein - Er erhält eine kleine Chance in der MDR-Sendung Tierisch, tierisch!

Bei „Michel“ muss Tierheimleiter Matthais Zauche besonders gut zuhören und hinschauen. Der Pinscher-Mischling ist ein liebenswürdiger Hund und doch problematisch.
 
Uta Bresan mit dem Tierheimleiter Matthias Zauche während der Aufzeichnung in Weimar. (Foto: Copyright: MDR/ariane-film GmbH)
Weimar: Tierheim |


900. Sendung Tierisch, tierisch! kommt aus dem Weimarer Tierheim und wird heute Abend ausgestrahlt


Auf die große Fernsehbühne darf "Michel" heute Abend nicht, wenn der MDR die 900. Folge von Tierisch, tierisch! sendet. Somit wird er auch nicht - so wie seine zwölf Leidensgenossen aus dem Tierheim Weimar - der breiten Fangemeinde des Tiermagazins präsentiert.

"Michel" ist auch nicht für die breite Masse bestimmt. Er ist besonders und doch kompliziert. Eigentlich ist der sechsjährige Pinscher- Mischling "ein Traumhund", wie Tierheimleiter Matthias Zauche sagt. "Der läuft wie ein Uhrwerk an der Leine, ist stubenrein und weiß sich in der Wohnung zu benehmen", sagt der 58-Jährige. Auch mit anderen Hunden kommt "Michel" klar, auch wenn nicht mit allen.

Der"Michel" kann sich ins rechte Licht rücken, regelrecht "verkaufen". Da können Tierliebhaber schon schwach werden. In den süßen, 45 Zentimeter großen Charmeur auf vier Pfoten, kann man sich leicht verlieben. Und doch ist "Michel" ein Problemhund.

Der Vierbeiner kam im April vergangenen Jahres als Abgabehund ins Weimarer Tierheim. Ein rühriges Ehepaar hielt den aus Dessau zugereisten Mischlingsrüden über ein Jahr. Dann gaben die Tierhalter schweren Herzens, aber mit Vernunft, auf. "Michel" zeigte sich plötzlich zu Hause bei runtergefallenen Sachen auffällig. Frauchen konnte diese nicht an sich nehmen, ohne dass, es angeknurrt, gezwickt wurde. Bei Herrchen traute sich das der Hund nicht. Doch beide hatten Angst um ihre Enkel.

Matthias Zauche hat eine Hypothese: ein Südimport, vielleicht ein ehemaliger Straßenhund. Bestätigt fühlt sich der Tierheimleiter auch dadurch, dass der Hund nur wenig trinkt - typisch für Mensch und Tier aus den südlichen Ländern. Ab sofort stand "Michel" unter Beobachtung. Doch Auffälligkeiten zeigte er im Tierheim nicht.

So kam es, dass "der treue Blick: nimm mich doch mit", wie es Matthias Zauche beschreibt, wieder siegte. "Michel" wählte sich diesmal als Halter ein junges Pärchen. Da sie Kontakt zu einem Tiertrainer hatten, wollten sie mit dem Hund arbeiten. Die Liaison hielt gerade mal 14 Tage. Diesmal verteidigte "Michel" sein Futter, knurrte und wollte nicht allein sein. Das ist ein Jahr her. Das war für Matthias Zauche neu. Solch ein Verhalten beobachtete er im städtischen Tier- Verwahrungs-Domizil nicht.

Auch wenn sich "Michel" auf Kommando hinsetzt, sich streicheln lässt, neugierig seinen Betreuer in Augenschein nimmt, liebevoll wirkt, geht der Tierheimchef kein Experiment mehr mit dem Hund ein. Anscheinend können diese Augen doch lügen. "Michel kommt nur in erfahrene Hände", steht für Matthias Zauche fest.

Die Chance, dass Problem-"Michel" in der Sendung Tierisch, tierich! vermittelt wird ist nicht sehr groß, aber nicht aussichtslos. Er wird nicht im Mittelpunkt der 14. Ausstrahlung aus dem Weimarer Tierheim stehen, aber erhält seinen Platz im Vorspann, im Internet und im Videotext. Gesucht werden für ihn als Halter: Hundeprofis, Tiertrainer, Tierpfleger. Vielleicht gehört "Michel" am Ende doch zu den über 6500 Tieren, die durch die MDR-Sendung seit 1994 ein neues Zuhause gefunden haben. Er hätte es (auch) verdient.


TERMIN + KONTAKT


° 900. Sendung Tierisch,tierisch! mit Uta Bresan,
21. Oktober, 19.50 Uhr, MDR;
Wiederholung der Sendung:
22. Oktober, 9.45 Uhr
» www.mdr.de


° Tierheim Weimar, Öffnungszeiten: Mo - Fr: 13 bis 16 Uhr, Sa /So / Feiertag: 11 bis 13 Uhr, Telefon: 0 36 43 - 85 07 05, » tierheim.weimar.de


HINTERGRUND


° Momentan leben im Tierheim Weimar:
17 Hunde, 40 Katzen, 4 Nager und 4 Vögel.
° Im Tierheim arbeiten:
vier Angestellte, eine Praktikantin im Freiwilligen Ökologischen Jahr und ein Praktikant im Bundesfreiwilligendienst. Darüber hinaus unterstützen Ehrenamtler
im dreistelligen Bereich das städtische Tierheim.


Zitate



Ich möchte mit ‚Michel‘ keine Experimente eingehen.'
Matthias Zauche, Tierheimleiter


HUNDEVERSTAND


Weimarer Tierheimleiter Matthias Zauche
über Mensch und Tier

• Man hat nicht zu jedem Hund den gleichen Zugang. Manchmal bewirkt eine Belohnung Wunder, manchmal nicht.

• Bei Tieren ist es ähnlich wie bei Menschen. Jeder lebt anders, nimmt sein Umfeld anders wahr.

• Sozialverhalten kann man mit Hunden üben. Welpen spielen den Ernst des Lebens, geben sich gegenseitig Signale.

• Die Hündin gibt ihren Welpen auch Signale, rüffelt, schupst, bringt ihre Kinder zur Räson. Das prägt, das merkt sich der Hund fürs Leben.

Ein Verbleiben der Welpen für 8 bis 10 Wochen im Wurfverband ist für die Erziehung äußerst wichtig.

• Alle, die professionell mit Tieren zu tun haben, wissen, dass bei positiven Erlebnissen das Tier dankbar ist.

• Nach einer Stresssituation braucht der Hund zwei Tage, um seinen Adrenalinschub wieder herunterzufahren.

• Erleidet der Hund im Stress auch noch Schmerz durch falsche Handlung (Bestrafung) des Menschen, potenziert sich der Adrenalinschub. Es kann zur Eskalation kommen.

• Halter müssen sich über die Rasse informieren. Bei Unterforderung kann der Hund verhaltensauffällig werden.

• Fazit: Tiere sind eine Bereicherung für unser Leben.
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