Keine Osteridylle: Fressfeinde und Menschen machen dem Feldhasen das Leben schwer

Der Feldhase gilt als Vorbild für den Osterhasen. Doch fürs Eierfärben hat er eigentlich gar keine Zeit. Er muss ums eigene Überlegen zu kämpfen. (Foto: NABU/Gabi Kremer)
 
Charakteristisch für den Feldhasen sind seine Ohren, auch Löffel genannt. Sie sind zehn bis 15 Zentimeter lang. (Foto: NABU/Krzysztof Wesolowski)

Der Feldhase gilt als Vorbild für den Osterhasen. Dabei kann er gar keine Eier legen. Auch beim Eierfärben hat ihn noch niemand beobachtet. Bekannt hingegen ist, dass sich das heimische Wildtier gegen allerlei Gefahren zu Wehr setzen muss. Es steht auf der roten Liste der gefährdeten Tierarten.

Familie Hase sitzt gemütlich in ihrem kleinen Häuschen. Die Mutter schenkt dem Vater eine Tasse Kaffee ein, die Kinder hoppeln um den Familientisch und spielen miteinander. Später werden alle gemeinsam die Eier bunt färben, damit Menschenkinder ein wunderschönes Osterfest feiern können.

Alles nicht wahr! Der Feldhase, der dem Osterhasen Pate steht, lebt in keiner idyllischen Bilderbuchwelt. Sein Alltag ist hart, der Familiensinn sehr eingeschränkt.

Muttermilch gibt es nur einmal am Tag


„Eine Feldhäsin kümmert sich höchstens fünf Minuten am Tag um ihre Jungen“, so René Schwachheim, der sich im NABU engagiert und eine Jägerausbildung abgeschlossen hat. Wenn die Hasenmutter ihre Jungen dann aber säugt, bekommen die Kleinen eine nahrhafte, extrem fettreiche Milch zu trinken. Doch danach geht sie wieder und die kleinen Hasen sind den ganzen Tag über Fressfeinden sowie der Natur ausgesetzt.

In einer Bodenmulde, der so genannten Sasse, wird der Hasennachwuchs geboren. „Wenn es dort kalt oder nass wird, bekommen sie leicht gleich eine ganze Reihe von verschiedenen Erkrankungen. Viele Tiere sterben dann“, so Schwachheim. Vor allem in feuchten Frühjahren könne man das beobachten. Zudem sei der Hasennachwuchs in den wenig geschützten Sassen durch Füchse und Greifvögel leicht auszumachen. Auch der Waschbär frisst bei entsprechender Chance gerne Junghasen. Traurige Bilanz: Weit rund 80 Prozent des Nachwuchses erlebt den ersten Geburtstag nicht.

Die schlechten Überlebenschancen der Feldhasen sind aber nicht allein natürlichen Faktoren geschuldet. Der Mensch greift massiv in ihren Lebensraum ein. „Der Feldhase braucht Rückzugsräume“, erklärt Schwachheim. Blühstreifen an Feldrändern und Heckensäume eignen sich dazu. Doch die werden immer weniger, die Felder hingegen größer. „Das hilft vor allem dem Fuchs als natürlichem Hasenfeind. Er findet so sehr leicht seine Beute“, erklärt der Naturschützer. „Der Feldhase hingegen kommt mit unserer Monokultur nicht klar.“ Ihm fehlen nicht nur die Rückzugsorte, sondern auch die Wildkräuter und Wildgräser, die am Feldrain wachsen. Auch stark befahrende Straßen sind eine große Gefahr für den Feldhasen. Schwachheim selbst musste beobachten, wie auf seiner täglichen Arbeitsstrecke nach und nach eine ganze Hasenfamilie überfahren wurde.

Fressfeinde auch durch die Jagd dezimieren


Für den Naturschützer ist es legitim, dem Feldhasen beim Überleben zu helfen. Zum Beispiel durch die Jagd auf Füchse. Ein wichtiger Fressfeind kann so dezimiert werden. „Der Jäger sorgt mit dem Gewehr aber auch mit der umstrittenen Fallenjagd effektiv dafür, dass das Biotop für den Hasen zumindest für den Bereich der Fressfeinde wieder stimmt.“ Ihm werde der Überlebenskampf erleichtert. Naturschutz und Jägerdasein widersprechen sich deshalb für Schwachheim nicht. „Schließlich überlegt sich ein Jäger genau, was er tue“, erklärt er. Im einem hasenarmen Gebiet verbietet es sich, diese Tiere zu jagen. Im Nordwesten Deutschlands, wo sehr viele dieser Tiere leben, sehe es wieder anders aus. Er selbst hat bis jetzt weder Hase noch Fuchs erlegt, da in seinem Jagdrevier die Bedingung hierfür nicht gegeben sind. Trotzdem ist die Jagd ist für ihn eine Form der praktischen Wildtierhege.

Doch nicht nur so könne man dem Osterhasenvorbild auf die Sprünge helfen. Man müsse verstärkt darauf einwirken, dass wieder Rückzugsorte entstehen; zum Beispiel durch eine gezielte Förderung von Blüh- und Heckenstreifen. Dadurch reduziere man den Druck auf die Landwirte, die gezwungen sind, ihre Flächen bestmöglich auszunutzen.

Zahlen und Fakten

+ Der Feldhase gilt als Vorbild für den Osterhasen. Lampe, Löffelmann, Mümmelmann und Meister Lampe sind weitere Synonyme. Vermutlich beförderte seine hohe Reproduktionsrate das Tier zum Symbol für Fruchtbarkeit
+ In Deutschland leben durchschnittlich elf Feldhasen pro Quadratkilometer auf Feldern und Wiesen. In Thüringen sind es sechs, im Nordwestdeutschland hingegen 18. Das geht aus einer Zählung des Deutschen Jagdverbandes hervor. Insgesamt schätzt man das Feldhasenvorkommen auf rund 3 bis 3,5 Millionen Tiere.
+ Die Rote Liste gefährdeter Arten stuft den Feldhasen bundesweit als „gefährdet“ ein.
+ Feldhasen werden in freier Wildbahn im Durchschnitt etwa 4 Jahre alt, in Gefangenschaft bis zu 12 Jahre. Mit 6 bis 8 Monaten sind sie geschlechtsreif.
+ Ein ausgewachsener Feldhase kann zwischen 3 und 5 Kilogramm wiegen.
+ Feldhasen leben in einer losen Paarbeziehung.
+ Die Tragzeit beträgt 42 bis 43 Tage.
+ Im Thüringen bekommen Feldhasen im Durchschnitt drei Mal pro Jahr Junge mit bis zu 4 Tieren pro Wurf.
+ Feldhasen säugen ihren Nachwuchs meist einmal pro Nacht etwa 30 bis 35 Tage lang.
+ Die Häsin hält sich nicht direkt bei den Jungen auf, häufig aber in der Nähe
+ Über 60 Prozent des Hasennachwuchses stirbt im ersten Lebensjahr.
+ Auf der Flucht vor Feinden schlägt der Hase Haken und kann eine Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 70 Stundenkilometern erreichen.
+ Der Feldhase ernährt sich vornehmlich durch Wildkräuter und Wildgräser.
+ Er frisst aber auch Getreide und Feldfrüchte, Knospen, Triebe und Rinde.
+ Gut ausgebildet sind Gehör und Geruchssinn. Die Stimme ist kaum entwickelt.
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3 Kommentare
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Irina Baumann aus Hermsdorf | 28.03.2016 | 08:41  
Thomas Gräser aus Erfurt | 15.04.2016 | 11:24  
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Irina Baumann aus Hermsdorf | 16.04.2016 | 09:11  
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