Lebendige Krippenfiguren

Der Schäfer mit einem etwa 4 Monate alten Lämmchen. Zwei bis drei dieser Tiere stehen auf dem Weihnachtsmarkt.
Weimar: Markt | Es sind die kleinen Details, die einen Weihnachtsmarkt unvergleichlich machen. In Weimar verzaubern kleine Lämmer inmitten des Budenzaubers seit vielen Jahren die Besucher – als lebendige Krippenfiguren.

Die Tiere gehören zur großen Schafherde von Ekkehard Matthey. 480 Muttertiere versorgt er rund ums Jahr. Und jährlich kommen rund 300 Lämmer hinzu – diese sind für den Verkauf bestimmt.

Matthey selbst geht nicht allzu gern über den Weihnachtsmarkt, das ist ihm zu viel Trubel. Und trotzdem wird er ab dem 1. Dezember täglich zwei Mal zwischen seinem Lindenhof oberhalb von Belvedere und dem Weimarer Marktplatz pendeln. Seine Schafe sorgen für tierischen Spaß auf dem Weihnachtsmarkt. Da die Tiere nicht über Nacht im Gehege auf dem Markt bleiben können, werden sie früh gebracht und abends wieder abgeholt. 35 Euro erhält der Schäfer nach Auskunft von Marktmeister David Schreyl für diesen besonderen Service. Abgedeckt werden die Kosten allein durch Spenden. Schreyl verweist auf den „Schäfchenkasten“. Das Geld, das die Marktbesucher hier einwerfen, komme allein dem Schäfer und seinen Tieren zugute. Zwei Transportfahrten pro Tag, Futter und Stroh für die Lämmer: Wer auf diesen Handel eingeht, muss ein großer Idealist sein.

Matthey ist täglich mit seinen Tieren im Weimarer Umland unterwegs. Auf Brachflächen, Wiesen und abgeernteten Feldern grasen seine Schafe. Er steht quasi unter Beobachtung. Was er zu hören bekommt, missfällt ihm oft. So beispielsweise, wenn seine zur Herde gehörenden Ziegen als Rehe bezeichnet werden. Er ist sehr verwundert über das mangelhafte Wissen von Kindern über Tiere. Sein Engagement auf dem Weihnachtsmarkt begreift er deshalb auch als ein Stück Lobbyarbeit. Die ist auch nötig, folgt man seinen Erzählungen über die Landwirtschaft und die Schafzucht. 26 000 Schafe hat es zur Wendezeit im Altkreis Weimarer Land gegeben. Heute sind es noch 2000. Nicht nur die niedrigen Abnahmepreise für Wolle machen ihm und seinen Kollegen zu schaffen. Auch die Weideflächen, zumeist gepachtet, werden immer weniger. „Schäfer konkurrieren mit den Betreibern von Biogasanlagen“, erklärt er. „Die können viel mehr Pacht bezahlen als wir.“ Die verbleibenden Flächen bieten nicht mehr so viel Futter wie früher. „Wir müssen deshalb zufüttern“. Aber auch beim Stroh und Getreide sind die Preise angezogen. Viele Schäfer haben schon aufgegeben. Doch Matthey will weitermachen. Täglich an der frischen Luft, sein eigener Chef sein: Derzeit überwiegen für ihn noch die positiven Seiten seines Berufes.
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1 Kommentar
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Eberhard :Dürselen aus Weimar | 03.12.2012 | 08:45  
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