Thüringen ist Trüffelland!

Anja Kolbe-Nelde
 
(Foto: Anja Kolbe-Nelde)
Bad Berka: Stiefelburg |

Thüringen ist Trüffelland: Anja Kolbe-Nelde hat erstaunliche Entdeckungen gemacht und sogar den Trüffelpapst Dieter Honstraß überrascht. Beim Mai-Seminar können Mensch-Hunde-Teams lernen, wie sie Trüffel finden.




Es ist nicht lange her, da behaupteten Experten, in Deutschland gäbe es lange schon keine Trüffel mehr. Vielleicht hätten sie sich besser davon überzeugen sollen, ob diese besonderen Pilze wirklich ausgestorben sind. Das sind sie nämlich nicht. Und Thüringen ist sogar eine der trüffelreichsten Regionen im Land. Anja Kolbe-Nelde weiß das wie kaum jemand anderes. Die aus Schöneweida im Kyffhäuserkreis stammende Bankkauffrau zog es schon von kleinauf in den Wald, zum Pilzesammeln. Heute betreibt sie ihr Hobby derart intensiv, dass sie sich gerade zur Pilzberaterin ausbilden lässt und eine Pilzzuchtanlage aufbaut.

Im Trüffelfieber



Doch es sind eben nicht mehr nur die einfachen Pilze, die sie faszinieren. Anja Kolbe-Nelde ist im Trüffelfieber. „Wenn du einmal mit Dieter Honstraß zu tun hast und er von Trüffeln redet und ins Schwärmen gerät, kannst du dich nicht entziehen“, erinnert sie sich an einen Kurs mit dem Pilzberater. Längst gilt er in vielen Ländern als Trüffelspezialist, viele nennen ihn sogar Trüffelpapst. „Zur weltweit höchsten Klasse, quasi der Champions Leaque, gehören die Experten für das Finden unterirdisch wachsender Pilze: Trüffelfinder. Der unglaubliche Reiz, diese Pilze gezielt zu finden, bedeutet den höchsten Schwierigkeitsgrad des Könnens“, zollt er denTrüffelsuchern unter den Pilzfreunden Tribut.


Auch Anja Kolbe-Nelde gehört zu ihnen. Ihr gelingt sogar das, was nur ganz wenige unter den Trüffelfreunden können: Sie findet ab und zu Trüffel, ohne einen Hund dabei zu haben. Sofort fallen ihr die guten Bedingungen für das Wachsen der unterirdisch gedeihenden Pilze ins Auge: kalkreicher Boden, Bäume wie Haselnuss, Eiche, Linde, Buche, bei den Pflanzen vor allem Veilchen, Schlüsselblumen, Waldmeister. So wie vor ein paar Monaten im Wald rund um die Stiefelburg bei Nauendorf, zwischen Erfurt und Hohenfelden. Und wirklich: Sie wird fündig und möchte das anderen mitteilen. „Es war gar nicht so einfach, den Trüffelpapst zu überzeugen hierherzukommen“, erinnert sich die künftige Pilzberaterin. Doch Dieter Honstraß und ein paar Mitglieder seiner Forschungsgruppe Hypogäen sollten den Thüringen-Besuch nicht bereuen: Allein rund um die Stiefelburg stießen die Suchenden auf 15 Fundstellen mit Trüffelarten. Auch andere Regionen erweisen sich als ergiebig. „Es gibt nach meiner Einschätzung mehrere Anzeichen dafür, dass Thüringen mit zu den an Trüffeln reichsten Regionen in Deutschland gehört“, adelt der Trüffelpapst das kleine Bundesland.


“Es ist wirklich schwierig, Trüffel zu finden“, weiß Anja Kolbe-Nelde. Eigentlich sei das nur mit einem extra dafür ausgebildeten Hund möglich. Geeignet dafür ist jede Rasse. Auch sie wird sich schnellstens wieder einen Hund anschaffen, so sucht es sich besser. Die junge Frau genießt es jedes Mal aufs Neue, die wild wachsenden Trüffel auzuspüren. Dabei, so sagt sie, gehe es ihr überhaupt nicht darum, später dann die wohlriechenden und schmackhaften Früchte zu verspeisen. „Es ist einfach ein riesiges Abenteuer, auf die Suche zu gehen und dann wirklich fündig zu werden, ein einzigartiges Erlebnis“, schwärmt sie. Ihr Trüffelfieber wirkt ansteckend.



Termin für das Trüffelsuche-Seminar:



Seminar: Trüffelsuche mit Hund, 23. und 24. Mai auf der Stiefelburg bei Nauendorf. Vermittelt werden Grundkenntnisse zur deutschen Trüffelgeschichte, Systematik und Ökologie dieser besonderen Pilzgruppe. Dazu wird den Hunden sowie den Hundeführern beigebracht, wie und wo man in ThüringenTrüffel findet. Infos: www.pilzschule.de, Anmeldung: info@pilzschule.de.

“Trüffel“ oder „Trüffeln“?



Das Wort „Trüffel“ geht zurück auf französisch „truffle“ (seltenere Form von „truffe“; diese wiederum vielleicht auf lateinisch tuber: Beule, Schwellung). Vom Deutschen aus hat sich das Wort ins Dänische („trøffel“) und Schwedische („tryffel“) ausgebreitet. Das grammatische Geschlecht des Wortes variiert zwischen maskulin und feminin und damit auch dessen Pluralbildung (falls maskulin: Trüffel wie im Singular, falls feminin: Trüffeln). Es ist also beides richtig.

Der „Trüffelpapst“ im Interview



Vor über zehn Jahren hat Dieter Honstraß entschieden, nur noch das zu tun, was ihm Spaß macht. Seitdem befasst er sich mit Pilzen, vom 1. Januar bis 31. Dezember. Nicht nur überall in Deutschland, sondern weltweit. Vor allem ist er in der Trüffelforschung und -aufklärung tätig. Das hat ihm in eigeweihten Kreisen den Beinamen „Trüffelpapst“ eingebracht. Im ausführlichen Interview spricht er über die Faszination Trüffel, über falsches 'Experten'wissen, das Trüffelland Thüringen, über das besondere Näschen und anderes mehr.

Und hier ist Dieter Honstraß im Interview.
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