Wie ist das Leben als Schäfer, Herr Fritsche

Gerd Frische mit Schaftdrillingen. So etwas kommt nur selten vor.
 
Wenn auf dem Weiden keine Gras wächst, werden die Schafe im Stall versorgt.
Daasdorf am Berge: Angerstraße |

Auf seinem Hütestab gelehnt den Schafen beim Grasen zuschauen und dabei über Gott und die Welt nachdenken, gar ein Schäferstündchen genießen: So könnte sich Gerd Fritsche sein Leben vorstellen. Doch die Realität sieht anders aus.

Schäfer zu sein bedeutet heute harte Arbeit, vor allem wenn man selbstständig ist“, erklärt der 55-Jährige aus Daasdorf am Berge nahe Weimar. Seit Jahren hat er mit seiner Familie keinen Urlaub mehr gemacht. Freie Wochenenden gibt es nicht. Die Tiere bestimmen den Lebensrhythmus. Und dennoch liebt Gerd Fritsche seine Tiere, fühlt sich ihnen verbunden. Er kennt es auch nicht anders. Mit seinem Broterwerb folgt er einer langen Tradition. Schon Fritsches Vater, Großvater und Urgroßvater waren Schäfer.

Landschaftspflege bringt mehr ein als Fleisch und Wolle


Doch die Arbeitsbedingungen haben sich in den zurückliegenden Jahren stark verändert. Heute ist vor allem der Naturschutz eine wichtige Einnahmequelle. „Doch vorher müssen wir die Weideflächen pachten, erst später bekommen wir Pauschalen für deren Pflege ausgezahlt“, erklärt er den bürokratischen Kreislauf. Zudem werden die Weidemöglichkeiten immer weiter begrenzt. „Unser Lebensraum verengt sich“, so Fritsche.

Vom Verkauf der Schafe und deren Wolle kann der Schäfer längst nicht mehr leben. Nur etwas ein Drittel seiner Einnahmen generiert er aus diesem Bereich. Dem gegenüber steht ein Vollzeitjob, der weit über die übliche 40-Stunden-Woche hinausreicht und übers Jahr gesehen kaum Ruhephasen schafft.

Herde, Futter, Weideflächen: Ein Schäfer muss ständig rechnen und zählen.
Gerd Fritsche, Schäfermeister


Besonders arbeitsintensiv ist es zu Jahresbeginn, wenn die rund 800 Mutterschafe lammen. „Wir beobachten die Geburten, sorgen dafür, dass Mutter und Kind eine Verbindung zueinander aufbauen. Gegebenenfalls muss auch nachgefüttert werden.“ Wenn seine rund 1000 Lämmchen zu Ostern auf den Weiden grasen, liegen harte Wochen hinter Schäfer Fritsche.

Im Sommer fürs Winterfutter arbeiten


Langes Ausruhen ist ihm nicht vergönnt. Nach der Lammzeit müssen alle Klauen für die Weide zurechtgestutzt werden. Im Mai steht schon die Schafschur an. In den Sommermonaten müssen die Weiden eingezäunt und oftmals bis zu 10000 Liter Wasser pro Tag für die Tiere auf die Flächen rund um den Ettersberg transportiert werden. Zeitgleich sorgt Gerd Fritsche schon wieder für das Winterfutter. Nur ab und an nimmt er seinen Hütestab und geht mit der Herde raus in die Natur. Gehütet wird heute nur noch dort, wo man den Schafen keine Weidenzäune aufstellen kann.

Trotz der vielen Arbeit: Der Schäfer gibt dem Nachwuchs gern eine Chance. Er würde sogar selbst ausbilden. „Die junge Leuten müssen aber viel Energie mitbringen, sonst wird das nichts“, weiß Fritsche aus eigener Erfahrung. Schon zwei Mal haben Lehrlinge auf einem Hof vorzeitig aufgegeben.

Vita von Gerd Fritsche (55)

1978 – 1980 Lehre zum Schäfer
1993 – 1995 Ausbildung zum Landwirtschaftsmeister
viele Jahre in einer LPG beschäftigt,
seit Januar 1991 selbstständiger Schäfermeister

Hintergrund

Wo?
Tierwirt der Fachrichtung Schäferei ist ein anerkannter Ausbildungsberuf in der Landwirtschaft. Die duale Lehrzeit dauert drei Jahre in einem Ausbildungsbetrieb und in der Berufsschule. Thüringer Lehrlinge besuchen die Berufsbildende Schule des Saalekreises „Carl Wentzel" in Halle.

Was?
Tierwirte und Tierwirtinnen der Fachrichtung Schäferei züchten und halten Schafe, um die Tiere oder deren Fleisch und Wolle zu verkaufen. Außerdem leisten sie einen wichtigen Beitrag zur Landschaftspflege. Arbeit finden sie vor allem als selbstständige Schäfer und Schäferinnen, in Agrargenossenschaften sowie in Guts- oder Wanderschäfereien.

Voraussetzung
Rechtlich ist keine bestimmte Schulbildung vorgeschrieben. In der Praxis stellen Betriebe überwiegend Auszubildende mit Hauptschulabschluss ein. Gute Noten in den Fächern Biologie und Mathematik sind von Vorteil.
Bewerber sollen über Beobachtungsgenauigkeit, Geschick und technisches Verständnis verfügen.
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