Armes-Reiches Deutschland

Auf dem Kreuzfahrtschiff MS Deutschland betreut eine Besatzung von 297 Männern und Frauen aus 27 Nationen und von vier Weltregionen, zirka 520 Urlauber. Nach TLZ vom 28. Juli ist diese Multikulti-Besatzung ein tolles Team, welches die Wünsche der Urlauber aus der ganzen Welt nach bestem Wissen und Gewissen erfüllt.

Aber in der Vergangenheit las ich schon in der TLZ viele andere Leserbriefe, welche keine so guten Erfahrungen wie auf der MS Deutschland gemacht haben.

Warum? Ein Großteil kann immer noch nicht richtig von seiner Hände oder Kopf Arbeit leben und befürchten, dass Zugezogene weiter die Löhne drücken, da sie dem deutschen Arbeitgeber mehr Profit bringen.

Wie schaffen wir in Zukunft vollwertige Arbeitsplätze?

Schon jetzt ist der Niedriglohnsektor die Ursache für Erwerbs- sowie spätere Altersarmut. Nach vorsichtigen Schätzungen umfasst dies fast jeden vierten Beschäftigten. Durch einen deregulierten Arbeitsmarkt und die Demontage des Sozialstaates hat die Armut zugenommen. Wer von Hartz IV lebt, ist sozial nicht abgesichert. Unter einer miserablen Sozial- und Bildungsinfrastruktur leiden besonders Familien und Kinder. Aber die Industrie 4.0 benötigt hoch qualifizierte Mitarbeiter, die Wirtschaft ruft, wir brauchen Fachkräfte!

Deutschland ist ein traditionelles Industrieland und ist besonders stark vom technischen Wandel betroffen. Ob Fabrikarbeiter, Taxifahrer, Buchhalter, Immobilienmakler, Aktienanalyst oder auch Journalisten müssen damit rechnen, von einem Roboter oder einer schlauen Software in Zukunft ersetzt zu werden. 490.000 verlorene Jobs, vor allem im Metall, Maschinen- und Anlagenbau und Reparaturbereich werden prognostiziert.

Das Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) aus Nürnberg hat die Auswirkungen der Digitalisierung im verarbeitenden Gewerbe und der Landwirtschaft untersucht. Selbst unter den Annahmen, dass Deutschland als Vorreiter in der Industrie 4.0 Wettbewerbsvorteile gegenüber der Konkurrenz vor allem in den USA und China erzielt, entstehen 430.000 neue Jobs, vor allem in den Bereichen IT, Naturwissenschaft, Unternehmensberatung, Lehre und Design. Also bleiben somit mindestens 60.000 Arbeitnehmer ohne Jobs?

Wie kann die Gesellschaft neue Jobs schaffen?
Der öffentlich geförderte Beschäftigungssektor (ÖBS) z.B. muss Realität werden. Es müssen existenzsichernde und sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze für Erwerbslose geschaffen werden. Fast jeder Dritte Deutsche engagiert sich neben dem Job ehrenamtlich und wenn er Glück hat, erhält er dafür eine kleine Abfindung.
Es muss aber verboten werden, dass Fachkräfte durch die Ehrenamtlichen, hauptsächlich in Sozialbereichen, ersetzt werden.

Natürlich ist dafür genügend Geld vorhanden!
Im Focus las ich (24. 09. 2015), rund 400 Milliarden Euro deutsches Schwarzgeld liegen weltweit in Steueroasen, so die Schätzungen. Steuerhinterziehung ist in Deutschland ein massives Problem. Dem Fiskus gehen dadurch Jahr für Jahr geschätzt 100 Milliarden Euro verloren. Die öffentlichen Finanzen müssen durch eine gerechte Steuerpolitik gestärkt werden, die zu höheren Einnahmen führt.

Lassen wir in dieser Forderung nicht nach, denn die Politik wird unsere Demokratie und unseren Sozialstaat nur dann verteidigen, wenn Sie dazu von uns Wählerinnen und Wählern gezwungen wird. Nur Reiche können sich einen armen Staat leisten!
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