Bistumswallfahrt in Erfurt mit der Forderung: Mehr Barmherzigkeit

  Trotz widriger Wetterprognosen hatten sich viele Katholiken auf dem Domplatz zur traditionellen Bistumswallfahrt eingefunden. Die Wallfahrt begann mit einem gemeinsamen Gottesdienst, der unter dem Motto stand: „Wo kommen wir denn da hin?“
Dieser Fragesatz spielt im Heiligen Jahr der Barmherzigkeit, das Papst Franziskus ausgerufen hat, mit dem Gedanken, wie die Welt aussehen könnte, wenn Barmherzigkeit, Gerechtigkeit und Fairness den Alltag bestimmen würden.
In seiner Predigt ging Bischof Ulrich Neymeyr auf das Thema ein:
„Die Werke der Barmherzigkeit, die Jesus am Ende des Matthäus-Evangeliums aufzählt, sind nicht nur Ausdruck einer Nächstenliebe, für die man als guter Mensch eben hin und wieder bereit ist. Die Werke der Barmherzigkeit können richtig wehtun. Ich möchte Ihnen dies anhand von zwei Beispielen erläutern:
Ein Werk der Barmherzigkeit ist es, Gefangene zu besuchen. Jesus identifiziert sich mit ihnen: „Ich war im Gefängnis und ihr seid zu mir gekommen.“ (Mt 25,36). Sicher ist es unangenehm, in ein Gefängnis zu gehen. Gefängnisse sind keine gemütlichen Orte. Außerdem begegnet man dort Menschen, die wegen erheblicher Straftaten zu einer Gefängnisstrafe verurteilt wurden. Trotzdem gibt es auch ein gutes Gefühl, den Gefangenen zu zeigen, dass sie nicht vergessen sind. Es gibt aber auch Besuche von Gefangenen, die richtig wehtun können. Ich denke an den Besuch von Papst Johannes Paul II. bei Ali Agca, dem Mann, der den Papst am 13. Mai 1981 mit drei Schüssen lebensgefährlich verletzte. Dieser Besuch war eine unglaublich große Geste des Heiligen Papstes Johannes Paul II. "

Weiterhin betonte Bischof Ulrich Neymeyr :“ Jesus Christus hat die Seinen immer wieder aufgefordert, den Menschen zu vergeben. Er war sich sicher bewusst, welch große Herausforderung dies für uns Menschen ist. Deswegen ist er nicht müde geworden, davon zu erzählen, dass und wie Gott den Menschen vergibt. Denken Sie an das zentrale Gleichnis vom barmherzigen Vater oder auch an das Gleichnis vom unbarmherzigen Gläubiger, das wir heute gehört haben. Weil Gott uns vergibt, sind auch wir zur Vergebung herausgefordert.“

Mit einem Kreuz, das aus dem Holz eines Flüchtlingsbootes gebaut ist, wurde, während des Gottesdienstes, symbolisch auf einen gewollt solidarischen Umgang mit Flüchtlingen verwiesen.

Zum Schluss seiner Wallfahrtspredigt legte Bischof Neymeyr allen Gläubigen noch einmal die Paulusworte aus dem Epheser-Brief nahe: „Seid gütig zu einander, seid barmherzig, vergebt einander, weil auch Gott euch durch Christus vergeben hat.“

Am Ende des Gottesdienstes hat Bischof Neymeyr alle Teilnehmer zum „Markt der guten Möglichkeiten“ eingeladen. Gemeinsam mit der Stadt Erfurt präsentierte das Bistum auf dem Domplatz Vereine und Hilfsorganisationen von „A“ wie Aids-Hilfe bis „Z“ wie Zukunftsfähiges Thüringen, die sich auf unterschiedliche Weisen für Mensch und Umwelt engagieren, darunter Bahnhofsmission und Gefängnisseelsorge, Oxfam Deutschland, der Landesverband Niere, die Kinderhilfe Nepal und viele andere. Bei der Caritas-Aktion „Einmal essen macht zweimal satt“ konnten Besucher nicht nur ihren Hunger stillen, sondern zugleich die Suppenküche der Caritas unterstützen, für die der Erlös der Aktion bestimmt war.

Für einen kleinen Obulus gab es Erbsensuppe mit Würstchen oder Reissuppe und Kuchen und Kaffee im schon aufgebauten Oktoberfestzelt. Die Caritas-Aktion „Einmal essen macht zweimal satt“ erfreut sich seit vielen Jahren großer Beliebtheit und zieht viele Gäste an. Ein weiterer Höhepunkt war ein Hornkonzert in der Predigerkirche. Mit einer gemeinsamen Andacht auf dem Domberg endete die traditionelle Herbstwallfahrt.
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