Dienen mit ethischer und interkultureller Kompetenz

Auslandseinsatz (Foto: Österreichisches Bundesheer)
 
Militärsuperintendent Karl-Reinhart Trauner (Foto: Evangel. Mil.seelsorge Österreich)
 
Leiter des "Institutes für Religion und Frieden" MilSuperior MMag. Stefan Gugerel (Foto: Österreichisches Militärordinariat)
Die österreichische Militärseelsorge zwischen Auslands- und Assistenzeinsatz

"Die Armee in der Donau-Monarchie war immer ein Schmelztigel für Soldaten verschiedenster Herkunft und unterschiedlichen Glaubens", meint der Leiter des "Institutes für Religion und Frieden" MilSuperior MMag. Stefan Gugerel. Das "Institut für Religion und Frieden" ist eine Einrichtung des Militärordinariats der Republik Österreich. Es wurde 1997 gegründet, um eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit sicherheitspolitischen Veränderungen im Hinblick auf die katholische Soziallehre zu fördern. Ganz ökumenisch im selben Gebäude der Wiener Stiftskaserne in der Mariahilferstrasse arbeitet die evangelische Militärseelsorge, geleitet wird sie von Militärsuperintendent DDr. Karl-Reinhart Trauner. Das Pendant zum katholischen Institut ist das evangelische "Institut für militärethische Studien", kurz IMS.

Dieses Institut forscht interkonfessionell und in Zusammenarbeit mit anderen militärischen, universitären, kirchlichen und ökumenischen Forschungseinrichtungen. Das Institut berät auch in der militärethischen Fortbildung, dafür erarbeitet man auch thematische Publikationen. Mit angewandter Militärethik wollen beide Einrichtungen das Bildungsangebot für das Österreichische Bundesheer bereichern. In Blickpunkt stehen die Grundwehrdiener und die Berufssoldaten und Offiziere.

Seelsorgliche Praxis bedeutet hier, dass die Militärseelsorger zu den Angelobungen eine kurze Ansprache halten und ein Gebet sprechen. Seit einiger Zeit finden die Angelobungen auch interkonfessionell und interreligiös statt, d. h. es gibt auch einen orthodoxen und einen muslimischen Geistlichen. Karl-Reinhart Trauner resümiert in österreichischer Mundart: "Es woar a bisserl in den vergangenen Jahren verlorengegangen, dass mer so verschiedene Herkünfte erlebt hat, oaber jetzt koan mer alle Facetten beim Bundesheer erleben." Für die Grundwehrdienst-Leistenden wird ein konfessioneller lebenskundlicher Unterricht angeboten, wer keiner Glaubensgemeinschaft angehört, der kann sich für einen Unterricht entscheiden, für den er sich interessiert. Die Aufgaben des Österreichischen Bundesheeres bewegen sich zwischen Auslands- und Assistenzeinsatz. Assistenzeinsätze bedeuten Hilfeleistung bei Elementarereignissen und Unglücksfällen sowie Unterstützung zur Aufrechterhaltung der Ordnung und Sicherheit im Inneren. Hinzu kommt humanitäre Hilfe und Katastrophenhilfe. Momentan sind also auch Soldaten an den Grenzen eingesetzt, um Flüchtlinge zu betreuen. Die Kernaufgabe beider Militärseelsorgen ist es dort zu sein, wo Soldaten sind. Es geht um eine begleitende seelsorgliche Betreuung, natürlich auch im Auslandseinsatz. Ziel ist es, die Menschen dort abzuholen, wo sie sind und den Zugang zum Menschen zu suchen. Militärsuperintendent Trauner sieht im Moment viel Gesprächsbedarf in der Flüchtlingsfrage: "Da mües mer nachbereiten, woas der Einzelne so erlebt hat." Die Grundwehrdiener erleben manchmal viel Aggressivität und dass das Essen oder die Kleidung wieder weggeworfen wird. Die Militärseelsorger bemühen sich in Gesprächen um eine entspannte Situation. Grundsätzlich dauert der Grundwehrdienst in Österreich sechs Monate. Stefan Gugerel meint schmunzelnd: “Alle Rekruten haben einen gemeinsamen Gegner, das sind ihre militärischen Vorgesetzten, deren Drill sie sich nicht entziehen können, auch das schafft Gemeinschaft, weil die Grundwehrdiener schon zusammenhalten müssen. Ob Handwerker oder Student, alle müssen sich irgendwie vertragen, sonst kommen sie nicht durch. Das schafft auch einen Zuwachs an Lebenserfahrung.“

Seitens der Vorgesetzten wird auch darauf geachtet, welche Fähigkeiten einzelne Grundwehrdiener mitbringen. Stefan Gugerel schätzt ein: „Oft wird darauf geschaut, welcher Herkunft jemand ist, also z. B. welche Sprachen jemand kann, auf diese positiven Sprach- oder Mentalitäts-Fähigkeiten wird bei Einsätzen gern zurückgegriffen“.

Einer der längsten Auslandseinsätze war das österreichische Kontingent der UN-Friedenstruppe (Blauhelme) im Nahen Osten. Die Blauhelme waren als eine Abteilung der United Nations Disengagement Observer Force(UNDOF) von 1974 bis 2013 am Golan.

1974 begann diese Mission mit einem österreichischen UN-Bataillon, damals verlegte man es nach Syrien auf die Golanhöhen als Teil von United Nations Disengagement Observer Force.

Eingesetzt war diese Truppe im nördlichen Abschnitt der Truppenentflechtungszone auf den Golanhöhen zwischen Syrien und Israel und ihr Auftrag war das Überwachen des Truppentrennungsabkommens zwischen Israel und Syrien.

Im Juni 2013 entschied sich dann die österreichische Regierung wegen des Bürgerkrieges in Syrien die Blauhelmsoldaten von den Golanhöhen abzuziehen. Übrigens gab es während dieser Zeit auch ein Slowakisches Kontingent bis 2008. Auch bei diesem Einsatz waren immer Militärseelsorger beider Konfessionen dabei und gern gesehene Ansprechpartner für die diensttuenden Soldaten. Stefan Gugerel schätzt ein: „Menschen in so extremen Situationen brauchen Unterstützung durch seelsorgliche Gespräche, damit sie besser umgehen können.“ Insgesamt haben 29.000 österreichische Blauhelme auf den Golanhöhen in Syrien ihren Dienst absolviert, 27 sind dabei ums Leben gekommen. Auch dies war und ist natürlich ein wichtiger Bestandteil der Arbeit der Militärseelsorger, die Trauergottesdienste zu halten und die trauenden Kammeraden zu trösten.

In der österreichischen Geschichte spielte die Integration anderer Religionen schon früh eine Rolle. Bereits 1874 wurde der Rabbiner Dr. Alexander Kisch zum ersten Feldrabbiner ernannt. Die Betreuung jüdischer Soldaten in Friedenszeiten erfolgte durch örtliche zivile Rabbiner. Derzeit erfolgt die religiöse Betreuung der jüdischen Soldaten im Auftrag des Oberrabbiners. 1881 wurden in der k.u.k. Armee spezielle Vorschriften für die Wahrung der religiösen Bedürfnisse und Gebräuche der bosnischen Wehrpflichtigen erlassen. 1882 kam es zur Einrichtung einer islamischen Militärseelsorge und sogar zur Errichtung einer eigenen Militärmoschee. Heute gibt es auch einen alevitischen Geistlichen.

Die Grundlage der katholischen Militärseelsorge bildet die apostolische Konstitution Spirituali militum curae für die Ordnung der katholischen Militärseelsorge und der katholischen Militärordinariate bzw. Militärdiözesen, sie wurde von Papst Johannes Paul II. am 21. April 1986 veröffentlicht. Danach entstand eine eigene Militärdiözese, sie wird derzeit von Militärbischof Dr. Werner Freistetter geleitet. Sein Bischofs-Wahlspruch lautet: „Religio et Pax - Religion und Frieden“.

Ihm unterstehen der Militärgeneralvikar, beratende Gremien, Militärpfarrer, Militärdiakone und Pastoralassistenten. Schon seit 1969 existiert die Arbeitsgemeinschaft Katholischer Soldaten kurz AKS, deren Mitglieder bisher als einzelne oder in kleineren Gruppen die Militärseelsorger unterstützt hatten.

Die evangelische Militärseelsorge untersteht in geistlichen Belangen dem Oberkirchenrat Augsburger und Helvetischen Bekenntnisses. Seit 2015 sind im Bundesheer 6 evangelische Militärgeistliche unter Leitung von Militärsuperintendent Karl-Reinhart Trauner im Einsatz, darüber hinaus gibt auch in allen Bundesländern Pfarrer im Nebenamt. Oft ruft das bei den früheren Konfirmanden freudiges Erstaunen hervor. Daneben gibt es auch die Arbeitsgemeinschaft Evangelischer Soldaten (AGES).

Militärsuperintendent Karl-Reinhart Trauner resümiert: „Grundsätzlich bleiben viele evangelische und katholische Christen ihrer Heimatgemeinde treu und können am Wochenende ganz normal den Gottesdienst ihrer Heimatgemeinde besuchen. Dös is a ganz normal bei einer Friedenszeit-Armee“.
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