Elisabethempfang des Bistums Erfurt für Thüringer Politiker in der Erfurter Brunnenkirche 17.11.16

Die Erfurter Bischöfe im Wortgottesdienst
 
Fürbitten im Wortgottesdienst
 
Weihbischof Dr. Reinhard Hauke
Einmal im Jahr lädt der Erfurter Bischof Ulrich Neymeyr im Namen des Bistums Politiker verschiedener Parteien und anderer gesellschaftlicher Institutionen zum Elisabethempfang ein. In diesem Jahr war neben der heiligen Elisabeth natürlich auch der Beginn des Lutherjahres ein Thema.

Im ökumenischen Wortgottesdienst, der dem Elisabethempfang vorausging, stellte Weihbischof Dr. Reinhard Hauke die Frage:“ Wozu ist die Kirche gut? – fragen unsere Mitmenschen, wenn wir sie in unsere Glaubensgemeinschaft einladen. Hier ist die Antwort zu finden: Himmel und Erde, Gott und seine Schöpfung verbinden. Der Schrifttext aus dem zweiten Korintherbrief, den wir gehört haben, wird auch für den Gottesdienst vorgeschlagen, den die christlichen Kirchen im Jahr 2017 miteinander feiern sollen, um ein Zeichen zu setzen, dass wir nicht mehr gegeneinander stehen wollen, sondern das Gemeinsame betonen, um das Unterschiedliche bearbeiten zu können. "Lösungsorientierte Diskussion" gegen "konfliktorientierte Diskussion". Versöhnte Verschiedenheit ist ein Auftrag an die christlichen Kirchen aufgrund der Tatsache, dass Gott seine Welt mit einer Ordnung geschaffen hat, die auf das Basis von Versöhnung beruhen soll. Krieg und Hass, Mauern und Stacheldraht sind deshalb nicht erlaubt. Es ist deshalb ein gutes Zeichen, wenn der Bischof von Eisenstadt, Ägidius Zsifkovics, einer Grenzziehung mit Stacheldraht auf dem Grund und Boden seiner Diözese zwischen Österreich und Ungarn nicht zustimmt und damit diese Abschottung gegenüber Flüchtlingen hier ein Schlupfloch hat.“

Im weiteren Verlauf seiner Predigt ging Hauke auf die Wallfahrt für Obdachlose in Rom ein, zu der Papst Franziskus eingeladen hatte.
Wörtlich sagte der Weihbischof: „Zerrissenheit der Gesellschaft zeigt sich, wenn Arm und Reich nebeneinander wohnen und voneinander keine Notiz nehmen. Die Einladung von Papst Franziskus an 3600 Obdachlose am letzten Freitag war ein Zeichen für den Willen zur Versöhnung und Gemeinschaft von Arm und Reich. Auch aus Deutschland waren 600 Obdachlose nach Rom gekommen, deren Reise gesponsert wurde von Menschen, die zwar die Armen nicht reich machen können, aber ihnen doch helfen, sich wertgeschätzt zu fühlen. Die Kommentare der Gäste im Vatikan waren einheitlich: Sie haben den Papst als Mensch erlebt, der uns nahe sein will und viele Hände schütteln wollte. Christiane Tiede aus Leipzig sagte konkret: "Er hat Kinder in den Arm genommen und auch Leute, die auf der Straße leben. Er hat sie in den Arm genommen und gestreichelt. Das gibt mir viel Kraft."

Weiter formulierte der Weihbischof: „Die heilige Elisabeth von Thüringen kannte die Spaltung der Bevölkerung zwischen arm und reich. Was sie tun konnte, um daraus wieder eine Einheit zu machen, hat sie getan. Dabei arbeitete sie selbstvergessen und selbstlos. Als Obdachhabende wandte sie sich den Obdachlosen zu und gab ihnen in ihrem Herzen und auch in der Realität ein neues Zuhause. Ich wünsche mir von Herzen, dass wir alle intensiv darüber nachdenken, wie Obdachlosigkeit zu verhindern ist. (…)Von Herzen wünsche ich mir, dass die Zahl der Obdachlosen mal auf "0" steht.“

Nach einer kurzen Begrüßung durch Ordinariatsrat Winfried Weinrich ging Ministerpräsident Bodo Ramelow auch auf die Predigt des Weihbischofs ein und formulierte Denkanstöße für einen qualifizierteren Umgang von Behörden mit sozialen Problemen wie Obdachlosigkeit. Insgesamt lobte der Ministerpräsident rückblickend die große Hilfe der katholischen Kirche in Thüringen bei der Lösung der Flüchtlingsunterbringung und Betreuung. Hier hätte vor allem die Caritas vor Ort schnell und flexibel gehandelt. Auch den Austausch und die Zusammenarbeit beider Kirchen für das Lutherjahr würdigte Ramelow als äußerst positiv. Die Kirchen bezeichnete Ministerpräsident Ramelow als unverzichtbaren Bestandteil bei der gesellschaftlichen Werteentwicklung.

Landtagspräsident Christian Carius wünschte sich als evangelischer Christ mehr Eigenprofilierung seiner Kirche und bezeichnete das Lutherjahr als eine gute Möglichkeit dafür, aber auch um den ökumenischen Dialog voranzutreiben.

In seiner Ansprache zum Elisabethempfang bezeichnete Bischof Ulrich Neymeyr die Reformation als einen Teil der katholischen Kirchengeschichte. Wörtlich formulierte der Bischof: „Hier in Erfurt suchte und fand Martin Luther seine Berufung zum Augustinermönch und zum katholischen Priester. Hier studierte er Theologie und lernte die Via Moderna kennen. Der frühere Präsident des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen, Walter Kardinal Kasper, schreibt in einem kleinen Büchlein mit dem Titel "Martin Luther. Eine ökumenische Perspektive", das in diesem Jahr im Patmos Verlag erschien: "Luther entdeckte, dass die Gerechtigkeit Gottes nicht die aktive ausgleichende, strafende, rächende Gerechtigkeit ist, sondern die passive, den Menschen gerecht machende […] vergebende und tröstende Gerechtigkeit ist, die uns nicht aufgrund unserer menschlichen Werke, sondern allein aus Gottes Gnade und Barmherzigkeit, nicht durch äußerliche Frömmigkeitsformen wie den Ablass, sondern durch den Glauben zuteilwird. Damit setzte er gegen die damalige Veräußerlichung auf Verinnerlichung des Christseins, ein zutiefst mystisches Anliegen. […] So stand hinter den 95 Ablassthesen von 1517 – gleichgültig ob er sie an der Wittenberger Schlosskirche wirklich angeschlagen oder ob er sie verschickt hat – ein durchaus katholisches Anliegen. Auf jeden Fall waren die Ablassthesen kein revolutionäres Dokument, sondern als Einladung zu einer akademischen Diskussion gedacht, die freilich nie stattfand. […] Sie sind ein Dokument der Reform, aber nicht der Reformation. Diese Reform galt der Erneuerung der katholischen Kirche, das heißt der ganzen Christenheit; sie hatte keine eigene Reform-Kirche zum Ziel. Zum Ursprung einer reformatorischen Bewegung wurden die Thesen erst durch das Luther selbst zunächst überraschende überwältigende Echo und durch die geschichtliche Dynamik, die sie auslösten und in der Luther dann am Ende immer mehr vom Akteur zum Zuschauer und Getriebenen wurde. […] Er dachte nicht daran, Gründer einer separaten Reform-Kirche zu werden. Sein Ziel war die Erneuerung der katholischen Kirche, das heißt der gesamten Christenheit, vom Evangelium her.

Mit Blick auf die derzeitige Situation in Thüringen formulierte Bischof Ulrich Neymeyr:“ Nicht ohne Grund ist der Thüringen-Monitor 2016 überschrieben mit den Worten: "Gemischte Gefühle".
Die Menschen in den Kommunen, in unserem Land, in Europa, ja weltweit, bewegen neue Leidenschaften, Ungleichheiten, Ängste und Aggressionen. Ich stelle mir immer wieder die Frage: Gehen wir mit den Sorgen und Ängsten der Menschen verantwortlich um? Es beunruhigt mich, dass nicht Respekt vor dem Anderen, Freiheit und Menschenwürde sondern Abwertung des Anderen, Abgrenzung und Spiel mit der Angst in den Vordergrund geschoben werden. Es ist die Stunde der Populisten, wenn Veränderungsprozesse in der Gesellschaft nicht mehr ausreichend als selbsterklärend erfahrbar sind.
Umso mehr haben wir in je eigener Verantwortung eine gemeinsame Aufgabe, nämlich dem Verlust von Gewissheiten nachzugehen. Wir brauchen Räume des Dialogs und des streitbaren Diskurses.“

Das Bistum Erfurt will diese Möglichkeiten auch gern anbieten. Musikalisch wurde der Elisabethempfang von Gundula und Eugen Mantu, im Duett Geige und Cello, gestaltet mit Stücken von Bréval, Bach und Schulhoff.
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