Faust, ein Frühkapitalist? Goethe trifft Marx!

Ein lehrreicher Abend war es. Viele lauschten dem Gespräch mit Sahra Wagenknecht und Manfred Ost im überfüllten Saal des Stadtschlosses Weimar.
Was erfuhr ich von der „Goethe Kennerin“ Sahra? Goethe hat bereits das Betriebsgeheimnis des Kapitalismus erkannt - die bis heute andauerte Unterwerfung des Menschen unter die Diktatur des Geldes. Er hat 1783 den Staatsbankrott des Herzogtums Sachsen-Weimar abgewendet. Er erkannte als Finanzminister die hoch aktuellen Versuchungen der Geldschöpfung ohne Wertschöpfung.
Und es war Goethes Mephisto, der Karl Marx zur Einsicht verhalf, dass Geld »der Geist aller Dinge« sei. Und es ist Mephisto, der Faust am Ende zu »Herrschaft und Eigentum« verhilft.
Praktiziert Faust auf dieser Basis im Schlussakt der Tragödie bereits das, was Marx dann in seiner Kritik der politischen Ökonomie der bürgerlichen Gesellschaft zum Vorwurf machen wird? Die Sicht von Sahra Wagenknecht dazu war spannend und überzeugend zugleich.
In Ihrem Buch ,,Freiheit statt Kapitalismus: Über vergessene Ideale, die Eurokrise und unsere Zukunft.“ ist ihre Auffassung nachzulesen, so zum Grundgesetz Artikel 14 (2):
Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen. Muss mit allen Mittel verteidigt werden. Und dazu gehört auch Artikel 15 (Sozialisierung). Die Bürger sollen nicht nur für den Verlust haften, sondern auch aus dem Gewinn, den sie erarbeitet haben profitieren. Sie nimmt Ludwig Erhard beim Wort: Wohlstand für alle! In ihrer Analyse unseres Wirtschaftssystems entwirft sie ein Zukunftsmodell, das dort weiterdenkt, wo die meisten Marktwirtschaftler auf halbem Wege stehen bleiben. Ein Plädoyer für politische Handlungsfähigkeit – Grundvoraussetzung für echten Wettbewerb, echtes Unternehmertum und echte Leistung.
Für ihren Vorschlag bekommt sie Applaus: statt sich weiter in die Geiselhaft der Finanzmärkte zu begeben, sollte der Staat gemeinsam mit der Notenbank dafür
sorgen, dass die wichtigsten Aufgaben eines Finanzsystems (Kreditversorgung, reibungsloser Zahlungsverkehr, Sicherung der Spareinlagen) erfüllt werden. Die Schwierigkeit besteht darin, dass dies gegen den Widerstand einer mächtigen Finanzmafia durchzusetzen ist.
Doch einen anderen Weg gibt es nicht, wenn Deutschland und Europa als demokratische, soziale und solidarische Gemeinschaft eine Zukunft haben soll.

Heidrun Sedlacik, 99427 Weimar
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2 Kommentare
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Antje Hellmann aus Jena | 13.09.2012 | 10:47  
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Hannelore Grünler aus Artern | 23.09.2012 | 09:57  
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