Geschenke aus dem Knast

Sabine Vent und Anne Katrin Rode sind beim Boje-Verein angestellt. Dieser arbeitet mit straffällig geworden Jugendlichen zusammen. Die Bauhaus-Meisenmensa mit den bunten Meisterknödeln sind ein Produkt der Marke Knastmade.
Weimar: Nordstraße | Ein flacher Pappkarton beherbergt eine ganze Mensa. Schnell ist sie aufgebaut. Drei Holzplatten müssen dafür zusammengesteckt werden. Kein schrauben, kein kleben. Schon ist sie fertig. Allerdings sollten die Besucher sehr klein sein, um sich in ihr laben zu können. Die Mensa dient Meisen als Futterquelle.
­
In ihrer Form erinnert sie an das Bauhaus. Gerade Linienführung, flexibel zu nutzen. Die Bauhaus-Meisenmensa ist das jüngste Produkt der Marke Knastmade. Produziert wird sie im Boje-Verein, der in der Weimarer Nordstraße eine Werkstatt betreibt. Die Meisenmensa komplettiert ein Produkt, das im vergangenen Jahr in der Adventszeit für Aufmerksamkeit sorgte: die Meisterknödel; Meisenfutter in den typischen Bauhausformen und -farben – Dreieck, Kreis und Quadrat in Gelb, Blau, Rot.

„Bei uns arbeiten Jugendliche zwischen 14 und 22 Jahren, die zu Arreststrafen verurteilt wurden“, erklärt Vereinsleiterin Anne Katrin Rode. „Sie kommen aus ganz Thüringen und müssen in der Arrestanstalt in der Thälmannstraße ihre maximal vierwöchige Strafe absitzen. Wer zu uns kommt, tut das freiwillig. Es ist eine Abwechslung im Arrestalltag und damit auch eine Belobigung für gutes Verhalten.“

Viele der Arrestanten seien mit einer Geiz-ist-geil-Mentalität aufgewachsen. Dem will man im Boje-Verein entgegenwirken und mit dem Produzierten auch Wertvorstellungen vermitteln. Designer aus dem Umfeld der Bauhaus-Uni haben Mensa, Knödel und viele weitere Produkte gestaltet. „Denn mit reinen Bastelarbeiten kann man kein Selbstwertgefühl stärken“, ist sich Sabine Vent sicher. Die Erziehungswissenschaftlerin ist im Verein angestellt. „Wichtig ist, dass die jungen Leute einen Wert schaffen.“

Die Jugendlichen seien immer wieder erstaunt, dass ihre Arbeiten auch wirklich gekauft werden, so Anne Katrin Rode. Mit Freude unterschrieben sie auf den beigefügten Etiketten mit ihrem Vor- oder Spitznamen. Der Markenname „ Knastmade habe für sie nichts Stigmatisierendes, im Gegenteil. „Für sie ist er cool.“

ZUR SACHE

Der Verein „Die Boje“ arbeitet gemeinnützig. Er bietet Jugendlichen nicht nur eine sinnvolle Tätigkeit während der Arrestzeit, sondern ist auch in der Nachsorge aktiv. Nach einer Haftstrafe hilft er bei der Wohnungs- und Arbeitsuche, unterstützt bei Behördengängen. Der Verein finanziert sich aus Bußgeldern und Spenden. Knastmade-Produkte gibt es in Weimar unter anderem in der Tourist-Info und im Kirchenladen am Herderplatz.
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige
Anzeige