Gulag. Spuren und Zeugnisse!

Der Diskussionsabend am Freitag den 17. August im Schillermuseum Weimar als Rahmenprogramm zur GULAG - Ausstellung, hat für mich viele Fragen offen gelassen.

Die Vertreter der Memorial Moskau hatte mir nicht überzeugend erklären können, warum die Ausstellung nicht vorher in Russland gezeigt wurde, sondern bisher nur in Schloss Neuhardenberg und jetzt im Schillermuseum Weimar. Memorial Moskau wurde 1988 von Sacharov gegründet und widmet sich der historischen Aufarbeitung politischer Gewaltherrschaft in der Sowjetunion und wird von der Soros - Stiftung aus der USA, Heinrich – Böll- Stiftung aus der BRD, UNHCR und des Europarates finanziert, aber nicht aus dem Haushalt der Russischen Föderation, wie es in der BRD der Fall ist.

Das aktuelle Urteil im Verfahren gegen die drei Musikerinnen der russischen Band "Pussy Riot" hat auch eine Rolle gespielt. Ein Verfahren wie das gegen "Pussy Riot" wird in der Bundesrepublik Deutschland von vielen Anwesenden für unmöglich gehalten. Dabei droht der Paragraph 166 des deutschen Strafgesetzbuches mit bis zu drei Jahren Haft oder hohe Geldstrafe für die Beschimpfung von religiösen oder weltanschaulichen Bekenntnissen.

Mit dem harten Urteil würde Putin seine Macht demonstrieren und die Unterdrückung der Opposition in Russland immer mehr verschärfen. Von Demokratie könne keine Rede mehr sein. Meinen die Herren von Memorial, allerdings haben sie auch zugegeben, dass Putin nicht auf Bajonetten zu seinem Amt gelangt ist, sondern durch Wahlen. Russland ist eine Mehrparteidemokratie und wenn sich die oppositionellen Parteien nicht einigen können, hat eben die Partei Einiges Russland das Sagen und Putin ist der Sieger.

Auch die ständige Gleichsetzung von GULAG mit dem Konzentrationslager Buchenwald kann ich nicht gelten lassen. Selbst die Mehrheit der Wissenschaftler aus dem Westen ist zu dem Ergebnis gekommen, dass die sowjetischen Arbeitslager – im Unterschied zu den deutschen Vernichtungslagern – nicht mit dem Ziel der planmäßigen Ermordung errichtet wurden. Die hohen Todeszahlen sind nur eingeschätzt und nicht amtlich bestätigt, sie sind auf die unmenschlichen Lebens - und Arbeitsbedingungen zurückzuführen.

Vom Verlauf dieses ersten Podiums war ich enttäuscht, es fehlte mir die sachliche Aufarbeitung. Ich werde allerdings dazu weitere Veranstaltungen besuchen und mich vom wissenschaftlichen Gehalt überzeugen.

Stanislav Sedlacik, 99427 Weimar
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