Pflegekompetenz im historischen Ambiente der Neanderklinik Harzwald GmbH – Seniorenpflegebereich -

Mariia Klymak und Frau Böhme
 
Liliana Hrytsyshyn, Mariia Klymak, Martina Röder
 
Historische Kapelle in der Neander-Klinik
Rings um die Neander-Klinik erheben sich die Ausläufer des Harzwaldes. Das idyllische Ilfeld war der Ort dieser Klosterschule, welche eine bespielhafte Entwicklung und einen hervorragenden Ruf als Erziehungeinrichtung hatte. Dank Michael Neander wurde die Klosterschule durch ihn, als größten Pädagogen und Humanisten der nachreformatorischen Zeit, entwickelt.

Michael Neander wurde 1525 in Sorau geboren. Von 1544 bis 1547 studiert er an der Universität in Wittenberg. Nach der Tätigkeit als Lehrer am Gymnasium in Nordhausen übernahm er am 30. Juni 1550 die zuvor gegründete Klosterschule in Ilfeld, jetzt Neanderklinik Harzwald GmbH – Seniorenpflege -. In dem historischen Gebäudekomplex der Neanderklinik Harzwald GmbH Seniorenpflegebereich sind heute 126 Pflegeplätze mit vollstationärer Pflege, Kurzzeitpflege und einen Tagespflegebereich mit 15 Plätzen etabliert. In der Einrichtung werden Seniorinnen und Senioren nach unterschiedlichen pflegefachlichen Schwerpunkten gepflegt und betreut.

Martina Röder, Geschäftsführerin der Neanderklinik Harzwald GmbH, berichtet, dass in der restaurierten Kapelle der ehemaligen Klosterschule einmal im Monat ein evangelischer Gottesdienst, an dem viele Heimbewohner teilnehmen, stattfindet. Auch wenn es kein konfessionelles Haus ist, meint sie: Die Würde der alten Menschen bewahren und in Würde pflegen das ist der Grundsatz, dem sich alle Mitarbeiter verpflichtet fühlen“.

Der Träger der Einrichtung ist zertifiziert nach DIN ISO 9001:2008 und Pflege Plus und hat den Anspruch eine qualitätsorientierte pflegerische Versorgung langfristig zu sichern. Dennoch ist die Situation in den vergangenen Jahren schwieriger geworden und die Sicherung der Fachkräfte musste langfristig gelöst werden. Wobei momentan viele Senioren-Einrichtungen vor solchen Schwierigkeiten stehen. Noch war kein Notstand eingetreten und dies sollte auch niemals passieren.

Durch den demographischen Wandel und eine Veränderung in der Fachkräftesituation herausgefordert, suchte Martina Röder, die auch Vorsitzende des Deutschen Pflegeverbandes e.V. ist, nach neuen Konzepten für eine Veränderung. Unterstützt wird sie selbstverständlich durch den Deutschen Pflegeverband e.V. und auch die angedachte Reform des Pflegeberufegesetzes.
In der jedoch aktuellen Situation Pflegefachkräfte aus der Ukraine zu etablieren, wurde die Einrichtung durch Thüringer Agentur für Europäische Programme unterstützt. Durch die EU-Beraterin und Vorstandsmitglied der Thüringer Agentur für Europäische Programme: Frau Liliana Hrytsyshyn wurden zwei Projekte vorbereitet und praktisch umgesetzt (Pilot -und Modellprojekt), im Rahmen des ESF -Programm Thüringen zur Integrierung ukrainischer Pflegefachkräfte im Gesundheitswirtschaftsmarkt (am Beispiel der Neanderklinik. ) Frau Hrytsyshyn ist auch ehrenamtlich die Gebietsrepräsentantin der Region Lemberg in Thüringen und Beraterin des Ausschusses des Parlaments der Ukraine für die EU- Assoziierung.

Während der erster Reise in die Ukraine erhielt Frau Röder die Möglichkeit mit der Direktorin des dortigen Medizinischen Colleges zu sprechen.
Nach dem positiven Eindruck des ersten Kontaktes wurden weitere Reisen nach Lviv/ Lemberg vorbereitet und durchgeführt, um sich das College anzusehen. Studierende kennenzulernen und das Niveau zu prüfen war das Ziel. Martina Röder zeigte sich schnell positiv überrascht: „Die Schwesternschülerinnen werden dort exzellent ausgebildet und es gibt eine sehr perfekte Krankenschwesternausbildung“. Weiter sagt sie: „Ich habe dann viele Gespräche geführt, ob Interesse bestünde in unsere Einrichtung zu kommen und das Interesse war groß“, so erinnert sich die Heimleiterin.

Zurück in Ilfeld

wurden die Pflegeteams und der Heimbeirat durch Martina Röder in die Entscheidungsfindung eingebunden. Vieles sollte diskutiert werden. Neben dem großem Interesse ukrainische Mitarbeiter in der Einrichtung zu etablieren, zeigten sich auch manche Vorbehalte beim Stammpersonal. Die Sorge betraf die sprachlichen Voraussetzungen und die damit eventuell vorhandenen Kommunikationsschwierigkeiten. Martina Röder überzeugte mit Argumenten und schließlich sahen alle ein, dass der Fachkräftemangel auf Dauer auch ihren eigenen Arbeitsplatz gefährden könnte. Immerhin muss jede Pflegeeinrichtung einen bestimmten Personalschlüssel nachweisen. In Lviv/ Lemberg wurde Deutschunterricht angeboten und alle Interessierten legten schon in Lviv eine B2-Prüfung ab.
Die Herausforderungen, Mitarbeiter aus einem Nicht-EU-Land am deutschen Arbeitsmarkt zu etablieren, wurden ebenfalls gelöst. Die Unterstützung und Begleitung wurde während des gesamten Ablaufes durch Frau Liliana Hrytsyshyn gewährleistet. Nach einer erfolgreichen Planung konnten ukrainische Pflegefachkräfte in der deutschen Gesundheitswirtschaft (am Beispiel der Neanderklinik) tätig werden.

Eine dieser ukrainischen Krankenschwestern der ersten Stunde ist Mariia Klymak. Wir treffen sie beim freundlichen Plausch mit der Heimbewohnerin Frau Martha Böhme. Die Neunzigjährige ist im Heimbeirat und unterhält sich gern mit Mariia. Mariia plaudert gern mit Frau Böhme und sie sagt scherzhaft: „Sie hört sich gern meine Geschichten aus der Ukraine an und manchmal sagt Frau Böhme auch scherzhaft, dass ich „unmöglich sei. Aus ihrem Mund ist das sozusagen das größte Kompliment“. Frau Böhme stupst sie während des Erzählens freundlich an und beide lachen herzlich. Die Bewohner fühlen sich verstanden und sehr umsorgt. Als wir das Zimmer verlassen, sagt Martina Röder: „Dieses liebe- und vertrauensvolle Verhältnis wünsche ich mir für unser Haus und bin dankbar für die fachlich und soziale Kompetenz der ukrainischen Krankeschwestern. Bei uns geht es nicht ständig um Hochleistungsmedizin, außer natürlich bei Akutfällen. Für uns ist wichtig, dass alle Bewohner sich wohl und geborgen fühlen in ihrem Lebensabschnitt. Sie sollen, jeder einzelne, optimal gepflegt und menschlich bestens behandelt werden, daran arbeiten wir gemeinsam jeden Tag!“ Später berichtet auch Mariia Klymak noch, wie alle Beschäftigten des Hauses gleichberechtigt sind und in den Dienstbesprechungen mitreden können.
Die anfängliche Sorge, Schwierigkeiten bei der Integration der ukrainischen Krankenschwestern in der Arbeit im Pflegeteam, erweist sich als völlig unbegründet. Gemeinsam setzen jetzt deutsche und ukrainische Fachkräfte zielorientiert das Leitbild der Einrichtung und die Unternehmensphilosophie hervorragend um.

Durch dieses Beispiel des Arbeits- und Integrationserfolges

wurde ein transnationaler Mehrwert beider Länder erreicht.
Martina Röder und Liliana Hrytsyshyn haben nun einen weiteren Schritt in der Zusammenarbeit der Pflege zwischen der Ukraine und Deutschland realisiert. So wurde unter ihrem Vorsitz im Januar 2016 ein Deutsch-Ukrainischer Pflegeverband e.V. gegründet. Vorgestellt wurde der neue Verband in der Residenz des Botschafters der Ukraine in der Bundesrepublik Deutschland in Berlin und der Botschafter Dr. Andrij Melnyk freute sich in seiner Rede sehr darüber. Dieser Verband mit Sitz in Thüringen soll nun an gemeinsamen Standards arbeiten und als Ratgeber dienen und eine Plattform des länderübergreifenden Austausches im Bereich der Pflege werden. Geplant sind in Zukunft auch wechselseitige Hospitationen und Praktika. Auch eine fachliche Begleitung und das Angebot von Bildungsveranstaltungen, Kongressen und Weiterbildungen sind zwischen beiden Ländern geplant.

Die gute Pflege


"Die gute Pflege unserer Senioren muss mit zukunftsorientierten Modellen geplant werden, dafür bringe ich gern unsere deutsch-ukrainischen Erfahrungen ein“, so bringt es Martina Röder auf den Punkt. Unterstützt wurden alle Projekte vom ehemaligen Botschafter und jetzigem Außenminister der Ukraine, Herrn Pavlo Klimkin und der Leiterin des Ausschusses des Parlaments der Ukraine für die EU- Assoziierung Frau Dr. Oksana Yurynets.
Michael Neander dessen herausragende Pädagogik schon von Melanchthon geschätzt wurde und dessen Denkmal vor dem ehemaligen Kloster und heutigem Seniorenheim steht, hätte seine Freude an so viel aufgeklärter und fürsorglicher Innovation.
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