Symposium in der Neanderklinik Harzwald unter dem Motto : „Der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff kommt“

Martina Röder, Sozialministerin Heike Werner und Rolf Höfert im Gespräch (Foto: ©hristian Meyer)
 
Sozialministerin Heike Werner (Foto: ©hristian Meyer)
Seit einigen Jahren ist deutlich, dass der Pflegebedürftigkeitsbegriff dringend einer Reform bedarf. Auch die Politik hat parteiübergreifend eine Überarbeitung gefordert, um kognitiv-psychisch eingeschränkten Menschen in gleicher Weise wie den somatisch eingeschränkten Menschen den Zugang zu allen Leistungen der Pflegeversicherung zu ermöglichen. Die Bundesregierung hatte daher in ihrem Koalitionsvertrag im Dezember 2013 Veränderungen angekündigt.

Martina Röder, Vorsitzende des Deutschen Pflegeverbandes e.V. und Geschäftsführerin der Neanderklinik GmbH, Harztor OT Ilfeld und Rolf Höfert, Geschäftsführer des Deutschen Pflegeverbandes (DPV) e.V. und Experte für Pflegerecht hatten gemeinsam mehr als 70 Pflegefachkräfte aus verschiedenen Bundesländern zu einer Veranstaltung mit dem Schwerpunkt „Der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff“ eingeladen, um einen ganzen Tag lang dieses Thema aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten und zu diskutieren.

Die Thüringer Ministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie, Heike Werner (DIE LINKE) eröffnete das 11. Thüringer Pflegesymposium mit einem Grußwort. Die Veranstaltung stand ganz unter dem Motto: „Der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff kommt“. Für Heike Werner, die zugleich Schirmherrin des Symposiums war, bietet der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff wichtige Fortschritte.

In Kürze zusammengefasst: Mit dem neuen Pflegestärkungsgesetz II, ab 01.01.2017, ändert sich vor allem das Begutachtungsverfahren wesentlich im Sinne der Pflegebedürftigen und fordert die Fachkräfte in ambulanten und stationären Pflegeeinrichtungen heraus. Statt bisheriger Pflegestufen mit Minutenwerten geht es jetzt um individuelle Einschätzung nach Bedarfsgraden.

Pflegebedürftige sollen nicht mehr danach eingeteilt werden, wie viele Minuten Hilfe sie pro Tag brauchen. Stattdessen soll künftig gemessen werden, was die Menschen noch können. Und zwar in acht Bereichen, darunter Mobilität, kognitive und kommunikative Fähigkeiten, Verhaltensweisen und psychischen Problemlagen, Selbstversorgung, Umgang mit Krankheits- und therapiebedingten Anforderungen, und Gestaltung des Alltagslebens und soziale Kontakte. Mit den künftigen fünf Pflegegraden will man dem individuellen Pflegebedarf aller Pflegebedürftigen in Zukunft besser gerecht werden.

Sozialministerin Heike Werner sagte deshalb vorab: „Bisher hat man danach gefragt, welche Pflegeleistung ein Mensch nötig hat. Künftig steht die Frage im Mittelpunkt, wie die Selbstständigkeit erhalten und gestärkt werden kann. Das ist ein wichtiger Unterschied. Statt bloßer Versorgung geht es jetzt darum, den Menschen - so lange wie es geht - den Verbleib in der vertrauten häuslichen und familiären Umgebung zu ermöglichen. Damit stärken wir das Recht auf ein selbst bestimmtes Leben pflegebedürftiger Menschen.“

Nach der Eröffnungsrede von Sozialministerin Heike Werner folgten Fachvorträge verschiedener eigens eingeladener Referenten.

Zunächst vermittelte Dr. Peter Pick, Geschäftsführer des Medizinischen Dienstes des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen aus Essen, einen Überblick zu dem neuen Begutachtungsverfahren und zu den Überleitungen bisheriger Leistungen auf das neue System. Weiterhin gab Manuela Ahmann, Dipl. Medizinpädagogin aus Dortmund, Tipps für die praktische Umsetzung des neuen Begutachtungssystems.

Bernd Kuhlmann, Geschäftsführer Pflege der AOK Plus zeigte die Komponenten der Umsetzung des PSG II für Pflegende und die Kostenträger auf.

Wichtige juristische und auch strafrechtliche Aspekte zur Pflegedokumentation beleuchtete Stephan Kreuels aus Münster, Rechtsanwalt und Fachanwalt für Strafrecht.

Einen weiteren Teil des Symposions bildeten Vorträge und Diskussionen über die stetige Herausforderung für viele Träger der stationären und ambulanten Pflegeeinrichtungen: die Fachkräftesituation. Die Neanderklinik Harzwald GmbH hatte im Rahmen eines Pilot- und Modellprojektes die Möglichkeit ukrainische Pflegefachkräfte im Gesundheitswirtschaftsmarkt erfolgreich zu integrieren.
Um den Wissenstransfer zwischen beiden Ländern und der Profession Pflege zu ermöglichen, wurde ein Deutsch Ukrainischer Pflegeverband e.V. mit Sitz in Harztor/ Thüringen gegründet und die Kooperation mit dem Deutschen Pflegeverband e.V. bietet eine erfolgreiche Umsetzung dieser Ziele.
Martina Röder und Rolf Höfert informierten die außerordentlich interessierten Tagungsteilnehmer. Die sich anschließenden Diskussionen wurden auch von beiden moderiert.

Sozialministerin Heike Werner äußerte sich auch zur Reform der Pflegeberufe insgesamt. Da sich die Aufgabenbereiche der Altenpflege, der Pflege im Krankenhaus und der Kinderkrankenpflege immer mehr überschneiden, sei eine getrennte Ausbildung nicht mehr zeitgemäß. Offen zeigte sich die Ministerin für Kritik am Pflegeberufegesetz. „Richtig ist, dass - neben dem generalistischen Teil der Ausbildung -, auch den Besonderheiten der Altenpflege, der Krankenpflege und der Kinderkrankenpflege Rechnung getragen werden muss. Das muss sich in der Ausbildungsverordnung niederschlagen“. Sie verwies auch darauf, dass sie dies bereits bei den Beratungen des Gesetzes im Bundesrat deutlich gemacht habe.
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