Transparenz statt Siegerkür: Vier Entwürfe für ein neues Bauhaus-Museum

Stiftungspräsident Hellmut Seemann erläutert einen der Entwürfe für das neue Bauhaus-Museum.
Weimar: Weimarplatz | Warum sollte es diesmal auch einfach werden? Die Klassik Stiftung Weimar wollte bekannt geben, wer den Architekturwettbewerb für das Neue Bauhaus-Museum gewonnen hat. Nachdem sich schier unendliche Diskussionen mit der Standortfrage beschäftigten, war wohl die Hoffnung auf ein kategorisches „Ja-So-Wird-Es“ zu viel erhofft.

„Wir haben keinen eindeutigen Sieger“, fasst Jörg Friedrich als Vorsitzender des Preisgerichts das Ergebnis zusammen. Zur Präsentation waren auch Stiftungspräsident Hellmut Seemann, Kulturminister Christoph Matschie und Professor Jörg Friedrich bemüht, die Vorteile zu betonen, die sich aus der nicht eindeutigen Benennung eines Siegerentwurfes ergeben. 536 Entwürfe sind im ersten Durchgang des internationalen Wettbewerbs eingegangen. 27 schaffen den Einzug in Runde zwei. In deren Ergebnis wurden nun zwei 2. Plätze und zwei 3. Plätze gekürt sowie drei Anerkennungen für interessante Detail­lösungen ausgesprochen. Die zweit- und drittplatzierten Wettbewerbsteilnehmer sind nun ausgerufen, sich einem sogenannten VOF-Verfahren (VOF = Vergabeordnung für freiberufliche Leistungen) zu stellen. Dabei sollen die Architekturbüros beweisen, dass sie ein solches umfassendes Projekt auch realisieren können. Zudem sind Detailfragen und deren Vereinbarkeit mit dem eingereichten Entwurf zu klären, so etwa zur Fassadengestaltung oder zu Lichtverhältnissen.

Das Verfahren soll bis zum Juni abgeschlossen sein, so die Zielsetzung von Stiftungspräsident Seemann. Im Herbst will man die Bauaufträge ausschreiben. Die Eröffnung des neuen Museums ist für 2015 geplant. Die große Frage wird sein: Wie positioniert sich der Neubau zu seiner Umgebung, die Professor Friedrich als „Schnittstelle zwischen allem Schrecklichen und allem Schönen, was Weimar zu bieten hat“ bezeichnet?

Die zu bebauende Fläche grenzt an den Weimarhallenpark und bietet einen Ausblick auf die moderne Architektur der Weimarhalle sowie auf Bauten nationalsozialistischen Städtebaus. Der Untergrund gilt als vermüllt und verbleibt. Ein Wohngebiet grenzt an. Abgrenzung und Rücknahme aus dem Gelände oder Akzentuierung? Beides könnte mit den verbliebenen Entwürfen umgesetzt werden.

Sowohl Matschie als auch Seemann sehen im eingeschlagenen Weg die Chance größter Transparenz. Der Stiftungspräsident ruft denn auch gerade die Weimarer Bürger auf, diese Möglichkeit zu nutzen. „Die öffentliche Debatte ist eröffnet.“

WETTBEWERBSERGEBNIS
• Zweite Preise: Johann Bierkandt (Landau), Architekten Klaus Krauss und Rolf Kursawe, Köln – 40 000 Euro
• Dritte Preise: Prof. Heike ­Hanada mit Benedikt Tonnon (Berlin),Bube/ Daniela Bergmann (Rotterdam) – 30 000 Euro
• Anerkennungen: Karl Hufnagel Architekten (Berlin), Hestermann Rommel Architek­ten & Gesamtplaner (Erfurt), menomenopiu architectures / A. Balducci (Rom) – 9666 Euro

HINTERGRUND
Die Klassik Stiftung Weimar präsentiert die Entwürfe der 27 Finalisten bis zum 9. April im Neuen Museum Weimar. Der Eintritt ist frei. Kolloquien und Gesprächsrunden unter Bürgerbeteiligung sind geplant. Ausgangspunkt und Alleinstellungsmerkmal des Neuen Bauhaus-Museums sind die historischen Sammlungen der Klassik Stiftung Weimar zur Vorgeschichte, Geschichte und Nachwirkung des Staatlichen Bauhauses, das 1919 in Weimar gegründet wurde. Für das Museum ist eine Nutzfläche von 3716 m² vorgesehen. Das gesamte Investitionsvolumen beträgt rund 22 Millionen Euro.
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