Vom Wahlschein bis zum Toilettenpapier

Ronald Schünzel mit druckfrischem Stimmzettel.
Weimar: Schwanseestraße | Am 22. September wird ein neuer Bundestag gewählt. Ronald Schünzel sorgt als Leiter des Wahlbüros dafür, dass in Weimar alles reibungslos klappt. AA-Redakteurin Simone Schulter sprach mit ihm über seine Arbeit.

Können Sie skizzieren, was zu Ihren Aufgaben gehört?
Ich kümmere mich mit meinem Team um alle organisatorischen Belange von der Werbung um Wahlhelfer bis hin zu deren Verpflegung am Wahltag. Ich schule die Wahlvorstände, suche die Wahllokale aus. Also das ganze Kleinklein bis hin zum Toilettenpapier.

Seit 2008 sind Sie Leiter des Wahlbüros. Können Sie sich an Kurioses oder Pannen erinnern?
Pannen sind an dieser Stelle nicht wirklich witzig. Schließlich sind wir bemüht, die Ergebnisse korrekt zu ermitteln. Da gibt es kein Ermessen. Beim genaueren Überlegen fällt mir ein Problem ein, dass wir einmal mit einem Wahllokal in der Carl-August-Allee hatten. In direkter Umgebung eines Wahllokales ist Wahlwerbung verboten. Dort aber hing in einer Bushaltestelle ein Wahlplakat – unter einer Glasscheibe. Uns blieb nichts anderes übrig, als dieses zu überkleben. In einem anderen Wahllokal, das wir ganz neu angemietet hatten, mussten wir einen Tag vor der Wahl feststellen, dass in diesem Gebäude noch gar kein Strom floss. Kurzfristig sorgten wir deshalb für ausreichend Licht sorgen.

Wie viele Wahllokale öffnen am 22. September?
Es sind 62 Wahllokale für 51 288 Wahlberechtigte. Hinzukommen acht Briefwahllokale. Wir haben etwas mehr Wahllokale als zur OB-Wahl 2012, weil wir von einer höheren Wahlbeteiligung ausgeben. Das ist bei einer Bundestagswahl immer so, weil wir von einer höheren Wahlbeteiligung ausgehen und das Auszählverfahren komplizierter ist.

Sind die Wahllokale barrierefrei?
Ein großer Teil ja. Wir sind bemüht, dass es immer mehr werden. Ob das zugewiesene Wahllokal barrierefrei ist, wird auf der Wahlbenachrichtigung vermerkt. Wählern mit Beeinträchtigungen empfehle ich die Briefwahl. Da muss man theoretisch gar nicht aus dem Haus.

Ab wann ist die Briefwahl möglich?
Die Briefwahl vor Ort in der Schwanseestraße ist ab dem 2. September möglich. Ab dem Zeitpunkt haben wir dort die Wahlscheinausgabe und das Briefwahllokal geöffnet. Vorher kann der Wähler bereits mittels Wahlberechtigungskarte einen Wahlschein beantragen und erhält diesen dann per Post. Das heißt, kann, wenn alles schnell geht, bereits vor dem 2. September gewählt haben. Wir betreiben einen hohen Aufwand, damit jeder sein Wahlrecht wahrnehmen kann. In diesem Jahr versenden wir Wahlunterlagen bis nach Hongkong, Irland und Mallorca.

Wie viele Wahlhelfer werden benötigt?
Idealerweise rechnen wir mit acht Wahlhelfern pro Wahllokal. Wir benötigen also 560 Helfer. Über 400 haben sich schon gemeldet. Aber noch sind Plätze frei.

Wie lange ist man als Wahlhelfer im Einsatz?
Die Wahlhelfer treffen sich gegen 7 Uhr im Wahllokal und bereiten alles vor. Geöffnet ist dann von 8 bis 18 Uhr. Meistens sichert man die Öffnung in zwei Schichten ab, so dass man nicht den ganzen Tag im Wahlbüro ist.

Gibt es eine Aufwandsentschädigung?
Ja, zwischen 15 und 50 Euro. Das ist abhängig davon, ob der Wahlvorstand beispielsweise sein eigenes Handy nutzt oder der Wahlhelfer Mitarbeiter der Stadtverwaltung ist. Im letzteren Fall gibt es weniger.

Das ist nicht besonders viel.
Nein, aber ich bin der Meinung, dass man eine solche Aufgabe eher aus Enthusiasmus übernimmt. Wir haben hier 1989 um das hohe Gut der freien und geheimen Wahlen gekämpft. Diese Freiheit sollten wir nun auch nutzen, im Allgemeinen durch eine hohe Wahlbeteiligung und im Speziellen z.B. durch die Mitarbeit als Wahlhelfer.

Kann man in diesem Jahr wieder die Auszählung der Wahlergebnisse im Rathaus verfolgen?
Nein, so eine Veranstaltung wie zur OB-Wahl 2012 wird es diesmal nicht geben. Aber wer möchte, kann natürlich in den einzelnen Wahlbüros an der Stimmenauszählung teilnehmen. Nächstes Jahr zur Kommunalwahl wird das wieder anders sein.
Wann ist mit den ersten Ergebnissen zu rechnen?
Das wird in den kleinen Wahllokalen kurz nach 18 Uhr sein. Wobei wir den Fokus auf korrektes Zählen legen, nicht auf Schnelligkeit. Sehr früh ist erfahrungsgemäß Possendorf fertig. Dort ist unser kleinstes Wahllokal mit 168 Wahlberechtigten. Das größte befindet sich im Schillergymnasium mit 1392 Wahlberechtigten. Ich gehe davon aus, dass wir gegen 22 Uhr mit allem fertig sind.

Wie kommen die Wahlergebnisse ins Fernsehen?
Der Wahlvorstand meldet per Telefon die Ergebnisse aus dem Wahllokal ins Rathaus. Hier sind rund 50 Personen im Einsatz. Der jeweilige Mitarbeiter trägt das Ergebnis in ein Computerformblatt ein, das direkt weitergeleitet wird an den Kreiswahlleiter in Erfurt, dann zum Landeswahlleiter und von dort nach Berlin. Dann gehen die Ergebnisse zu den TV-Sendern. Unter den ersten Fernsehergebnissen können also auch schon die Possendorfer berücksichtigt sein.

Wahlhelfer werden
Wer sich als Wahlhelfer engagieren möchte, kann sich derzeit noch unter der 03643/762395 oder 03643/762431 melden.
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige
Anzeige