Vortragsreihe MIGRATION UND FLUCHT. GESCHICHTEN UND ERFAHRUNGEN AUS DEM EXTREMEN 20. JAHRHUNDERT

Wann? 21.10.2016 19:30 Uhr

Wo? Tourist-Information , Markt 10, 99423 Weimar DE
Weimar: Tourist-Information | Die Geschichte des extremen 20. Jahrhunderts ist geprägt durch Migration und Flucht: bereits in der Zeit des Ersten Weltkrieges wurden ganze Bevölkerungsgruppen vertrieben, die Armenier aus der Türkei etwa, aus anderen Ländern wanderten Hunderttausende aus; das nationalsozialistische Deutschland mussten seit 1933 rund eine halbe Million Menschen verlassen; fast ebenso viele Republikaner gingen in Folge des vor 80 Jahren beginnenden Spanischen Bürgerkrieges ins Exil; am Ende des Zweiten Weltkrieges zählten die Alliierten bis zu 12 Millionen „Displaced Persons“ – Geflüchtete, Vertriebene, Deportierte oder aus anderen Gründen Entwurzelte. Unmittelbar darauf lösten die Errichtung kommunistischer Diktaturen in Osteuropa und der Kalte Krieg neue Migrations- und Fluchtbewegungen aus. Die DDR etwa verließen allein bis zum Mauerbau 1961 dreieinhalb Millionen Menschen. Nach 1989/90 setzten insbesondere die Kriege im ehemaligen Jugoslawien erneut eine große Flucht- und Migrationsdynamik in Gang. Seit einigen Jahren versuchen nun immer mehr Menschen aus Afrika und Asien vor blutigen Konflikten, etwa in Nigeria, Mali, Syrien oder Afghanistan, in Europa Schutz zu finden.
Angesichts der sich im vergangenen Jahr zuspitzenden humanitären Katastrophe nahmen insbesondere Deutschland, Schweden und Dänemark weit über eine Million geflüchtete Menschen auf. Dass sich im Gegensatz dazu osteuropäische Länder, aber auch Großbritannien, dem bislang verweigerten und EU-weit nach Abschottung gerufen wird, verweist nicht zuletzt auf die begrenzte Anerkennung der vor 65 Jahren in Genf verabschiedeten UN-Flüchtlingskonvention. Vor welchem Erfahrungshintergrund ist diese entstanden und welche Wirkung konnte sie dennoch entfalten? Welche Rechte hatten und haben Geflüchtete? Und wovon hängt ab, wie sich einzelne Länder ihnen gegenüber verhalten?
Diesen und weiteren Fragen gehen sechs Expertinnen und Experten zwischen dem 14. Oktober und dem 25. November 2016 in ihren Vorträgen in der Tourist-Information Weimar nach. Nach einem ersten Überblick reicht das Themenspektrum von den dramatischen Folgen des Spanischen Bürgerkrieges und der Flucht- und Auswanderungsbewegung aus dem nationalsozialistischen Deutschland über die Geschichte der UN-Flüchtlingskonvention und die Problematik der Ausreisen aus der DDR bis hin zu gegenwärtigen Herausforderungen

Vortragsreihe der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora
und der Landeszentrale für politische Bildung Thüringen
in Verbindung mit dem Förderverein Buchenwald e. V.
und der Stadt Weimar

Vortrag PROF. DR. WALTHER L. BERNECKER
Die dramatischen Folgen des Spanischen Bürgerkrieges: Massenflucht und Exil von Hunderttausenden
Die Folgen des Spanischen Bürgerkrieges (1936 bis 1939) waren für das Land und die Bevölkerung verheerend. Zu ihnen gehört auch das Exil, das Hunderttausende erleiden mussten – ein besonderer Aspekt der Repressionspolitik, die viele Jahre lang von den Siegern unter General Franco praktiziert wurde. Die meisten Flüchtlinge gingen nach Frankreich, wo sie in schnell errichteten Auffanglagern eher das kümmerliche Schicksal von Gefangenen als das von politischen Asylanten fristeten. Bis April 1939 hatten ca. 450.000 Menschen die Pyrenäengrenze überquert. Viele von ihnen kehrten bald wieder zurück, schätzungsweise 160.000 bis 300.000 blieben im Exil. Eine beträchtliche Zahl spanischer Republikaner konnte noch vor dem deutschen Überfall auf Frankreich 1940 nach Lateinamerika – vor allem nach Mexiko – evakuiert werden. Viele der Zurückgebliebenen wurden von der Vichy-Regierung an
Franco ausgeliefert, Zehntausende überlebten deutsche Konzentra-
tionslager, vor allem in Mauthausen, nicht. Der Vortrag beschäftigt sich mit den konkreten Ursachen und Umständen der Massenflucht aus Spanien sowie damit, wie die Geflüchteten in ihren Zielländern aufgenommen wurden und welche Form von Integration sie erlebten.
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