Vortragsreihe MIGRATION UND FLUCHT. GESCHICHTEN UND ERFAHRUNGEN AUS DEM EXTREMEN 20. JAHRHUNDERT

Wann? 28.10.2016 19:30 Uhr

Wo? Tourist-Information , Markt 10, 99423 Weimar DE
Weimar: Tourist-Information | Die Geschichte des extremen 20. Jahrhunderts ist geprägt durch Migration und Flucht: bereits in der Zeit des Ersten Weltkrieges wurden ganze Bevölkerungsgruppen vertrieben, die Armenier aus der Türkei etwa, aus anderen Ländern wanderten Hunderttausende aus; das nationalsozialistische Deutschland mussten seit 1933 rund eine halbe Million Menschen verlassen; fast ebenso viele Republikaner gingen in Folge des vor 80 Jahren beginnenden Spanischen Bürgerkrieges ins Exil; am Ende des Zweiten Weltkrieges zählten die Alliierten bis zu 12 Millionen „Displaced Persons“ – Geflüchtete, Vertriebene, Deportierte oder aus anderen Gründen Entwurzelte. Unmittelbar darauf lösten die Errichtung kommunistischer Diktaturen in Osteuropa und der Kalte Krieg neue Migrations- und Fluchtbewegungen aus. Die DDR etwa verließen allein bis zum Mauerbau 1961 dreieinhalb Millionen Menschen. Nach 1989/90 setzten insbesondere die Kriege im ehemaligen Jugoslawien erneut eine große Flucht- und Migrationsdynamik in Gang. Seit einigen Jahren versuchen nun immer mehr Menschen aus Afrika und Asien vor blutigen Konflikten, etwa in Nigeria, Mali, Syrien oder Afghanistan, in Europa Schutz zu finden.
Angesichts der sich im vergangenen Jahr zuspitzenden humanitären Katastrophe nahmen insbesondere Deutschland, Schweden und Dänemark weit über eine Million geflüchtete Menschen auf. Dass sich im Gegensatz dazu osteuropäische Länder, aber auch Großbritannien, dem bislang verweigerten und EU-weit nach Abschottung gerufen wird, verweist nicht zuletzt auf die begrenzte Anerkennung der vor 65 Jahren in Genf verabschiedeten UN-Flüchtlingskonvention. Vor welchem Erfahrungshintergrund ist diese entstanden und welche Wirkung konnte sie dennoch entfalten? Welche Rechte hatten und haben Geflüchtete? Und wovon hängt ab, wie sich einzelne Länder ihnen gegenüber verhalten?
Diesen und weiteren Fragen gehen sechs Expertinnen und Experten zwischen dem 14. Oktober und dem 25. November 2016 in ihren Vorträgen in der Tourist-Information Weimar nach. Nach einem ersten Überblick reicht das Themenspektrum von den dramatischen Folgen des Spanischen Bürgerkrieges und der Flucht- und Auswanderungsbewegung aus dem nationalsozialistischen Deutschland über die Geschichte der UN-Flüchtlingskonvention und die Problematik der Ausreisen aus der DDR bis hin zu gegenwärtigen Herausforderungen.

Vortragsreihe der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora
und der Landeszentrale für politische Bildung Thüringen
in Verbindung mit dem Förderverein Buchenwald e. V.
und der Stadt Weimar

Vortrag von PROF. DR. CLAUS-DIETER KROHN
Deutsche Flüchtlinge aus NS-Deutschland nach 1933 insbesondere in den USA
Zwischen 1933 und 1945 flohen etwa 500.000 Menschen aus dem
nationalsozialistischen Herrschaftsbereich oder wurden vertrieben – darunter die kulturellen Eliten der Weimarer Republik und die soziale Mitte der Gesellschaft. Ungeachtet dessen wurden sie – von wenigen Ausnahmen abgesehen – nirgendwo mit offenen Armen empfangen. Oft waren sie gezwungen, fernab der Heimat ein schwieriges Dasein unter oft auch wirtschaftlich prekären Verhältnissen zu fristen. Dennoch versuchten Schriftsteller und Dichter wie Thomas und Heinrich Mann, Bertolt Brecht, Lion Feuchtwanger oder Anna Seghers, Politiker wie Rudolf Breitscheid, Willi Münzenberg oder Willy Brandt, dem Nationalsozialismus auch aus dem Exil Widerstand entgegenzusetzen. Nicht wenige bezahlten das mit ihrem Leben, andere – unter ihnen Kurt Tucholsky, Stefan Zweig oder Ernst Toller – begingen aus Verzweiflung Selbstmord. Etwa ein Viertel der deutschen Emigranten fand in den USA Zuflucht, dem damals wichtigsten Einwanderungsland mit beispielhaften und transparenten Immigrationsbestimmungen. Sie stehen im Mittelpunkt des Vortrages.
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