Vortragsreihe MIGRATION UND FLUCHT. GESCHICHTEN UND ERFAHRUNGEN AUS DEM EXTREMEN 20. JAHRHUNDERT

Wann? 18.11.2016 19:30 Uhr

Wo? Tourist-Information , Markt 10, 99423 Weimar DE
Weimar: Tourist-Information | Die Geschichte des extremen 20. Jahrhunderts ist geprägt durch Migration und Flucht: bereits in der Zeit des Ersten Weltkrieges wurden ganze Bevölkerungsgruppen vertrieben, die Armenier aus der Türkei etwa, aus anderen Ländern wanderten Hunderttausende aus; das nationalsozialistische Deutschland mussten seit 1933 rund eine halbe Million Menschen verlassen; fast ebenso viele Republikaner gingen in Folge des vor 80 Jahren beginnenden Spanischen Bürgerkrieges ins Exil; am Ende des Zweiten Weltkrieges zählten die Alliierten bis zu 12 Millionen „Displaced Persons“ – Geflüchtete, Vertriebene, Deportierte oder aus anderen Gründen Entwurzelte. Unmittelbar darauf lösten die Errichtung kommunistischer Diktaturen in Osteuropa und der Kalte Krieg neue Migrations- und Fluchtbewegungen aus. Die DDR etwa verließen allein bis zum Mauerbau 1961 dreieinhalb Millionen Menschen. Nach 1989/90 setzten insbesondere die Kriege im ehemaligen Jugoslawien erneut eine große Flucht- und Migrationsdynamik in Gang. Seit einigen Jahren versuchen nun immer mehr Menschen aus Afrika und Asien vor blutigen Konflikten, etwa in Nigeria, Mali, Syrien oder Afghanistan, in Europa Schutz zu finden.
Angesichts der sich im vergangenen Jahr zuspitzenden humanitären Katastrophe nahmen insbesondere Deutschland, Schweden und Dänemark weit über eine Million geflüchtete Menschen auf. Dass sich im Gegensatz dazu osteuropäische Länder, aber auch Großbritannien, dem bislang verweigerten und EU-weit nach Abschottung gerufen wird, verweist nicht zuletzt auf die begrenzte Anerkennung der vor 65 Jahren in Genf verabschiedeten UN-Flüchtlingskonvention. Vor welchem Erfahrungshintergrund ist diese entstanden und welche Wirkung konnte sie dennoch entfalten? Welche Rechte hatten und haben Geflüchtete? Und wovon hängt ab, wie sich einzelne Länder ihnen gegenüber verhalten?
Diesen und weiteren Fragen gehen sechs Expertinnen und Experten zwischen dem 14. Oktober und dem 25. November 2016 in ihren Vorträgen in der Tourist-Information Weimar nach. Nach einem ersten Überblick reicht das Themenspektrum von den dramatischen Folgen des Spanischen Bürgerkrieges und der Flucht- und Auswanderungsbewegung aus dem nationalsozialistischen Deutschland über die Geschichte der UN-Flüchtlingskonvention und die Problematik der Ausreisen aus der DDR bis hin zu gegenwärtigen Herausforderungen.

Vortragsreihe der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora
und der Landeszentrale für politische Bildung Thüringen
in Verbindung mit dem Förderverein Buchenwald e. V.
und der Stadt Weimar

Vortrag von THOMAS GEBAUER
Globale Freizügigkeit?! – Die große Herausforderung heute
Flüchtlingen beizustehen und der wachsenden Ausländerfeindlichkeit zu begegnen, ist ohne Frage ein Gebot der Stunde, eines, das angesichts der besorgniserregenden Entwicklungen in Europa gar nicht ernst genug genommen werden kann. Dennoch gilt es – über die Hilfsbereitschaft hinaus – sich auch Klarheit darüber zu verschaffen, wie denn die globalen Verhältnisse politisch zu gestalten sind, damit Menschen gar nicht erst verzweifelt umherziehen müssen und Hass und Gewalt keine Chance haben. Um den bestehenden Herausforderungen begegnen zu können, ist zunächst eine genaue Analyse der Ursachen von Flucht und Gewalt notwendig. Denn die Zerstörung von Lebensbedingungen, der Hass und die Gewalt fallen nicht vom Himmel, sie sind das Ergebnis einer Politik, die wirtschaftliche Interessen über die der Menschen gestellt hat. Nachhaltige Lösungen erfordern mehr als ein sicherheitspolitisch motiviertes Krisenmanagement. Notwendig ist ein radikales Umdenken …
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