Werden Goethe und Schiller vor dem DNT auch vom Sockel springen?

Über Viertausend haben die Kampagne „weimar-freiheit-lieben“ schon unterzeichnet. Da wird wohl kein Platz mehr frei sein, dachte ich, in dem kleinen Seminargebäude an der Weimarhalle, wo es zur Sache gehen sollte.

Falsch gedacht, eigenartig, viele Plätze waren frei. Auf dem Podium hat Landtags-abgeordneter Steffen Dittes, Partei DIE LINKE, als Einziger tapfer für die Verwaltungs-, Funktional- und Gebietsreform Argument vorgebracht.

Der ehemalige Innenminister Richard Dewes (SPD), Landrat Hans-Helmut Münchberg, Oberbürgermeister Stefan Wolf (SPD) und Klassik-Präsident Hellmut Seemann argumentierten dagegen und prophezeien Weimar den Verlust seines Marken- und Lebenswerts.

Zu dieser Einschätzung habe sich die Mehrheit der Zuhörer angeschlossen, resümiert TLZ-Redaktionsleiter und Moderator der Runde, Thorsten Büker.

Ach ja Goethe und Schiller werben ja derzeit auch für „weimar-freiheit-lieben“, werden sie vom Sockel springen, wenn es anders kommen sollte?

Keine Angst, sie sind dort 1991 auch geblieben, als Erfurt Landeshauptstadt wurde und nicht Weimar.

Leider geht uns das Vorhandene Weimar aber auch verloren, wenn wir uns nicht bewegen! Fakten sprechen eine andere Sprache: Die Steuereinnahmen liegen im Osten nach 25 Jahren Einheit nur bei rund 57 Prozent des Bundesdurchschnitts! Nach der Wende haben fast eine halbe Million arbeitsfähige Menschen Thüringen „Go West“ verlassen. Die Bevölkerung wird immer älter und dadurch fehlen auch Einnahmen und Steuern. Und bitte nicht vergessen, der „Solidaritätszuschlag“ wird 2019 das Letzte mal fließen.

Von den 107 kreisfreien Städten im Bundesgebiet seien 50 Prozent kleiner als Weimar, sagte man in der Diskussion. Wie ist das nur möglich? Ganz einfach, diese Städte haben bedeutend größere Einnahmen als Weimar.

Das Horrorszenario vom OB Stefan Wolf von den 15 Millionen Euro, die dann Weimar nach der Gebietsreform fehlen würden musste er bereits auf 5 Millionen korrigieren und er verschweigt immer noch, dass auch die Aufgaben anders verteilt werden. Diese und weitere Fakten, wie Weimar künftig überleben will und was wir selbst dazu tun wollen, habe ich vermisst.

Seit Jahren fehlt uns Geld im Stadtsäckel! Wenn sich die Stadtratskoalition von CDU + Weimarwerk + Bündnisgrünen weiterhin sperrt, die Hebesätze von Gewerbe- und Grundsteuern auf Thüringer Durchschnittsniveau anzupassen, aber andererseits demonstrativ dafür eintritt, dass alles so bleibt wie es ist, dann sind das für mich Scheindemokraten.

Der OB Stefan Wolf, die Verwaltung und der gesamte Stadtrat müssen jetzt ihren Job gut machen und die Entwicklung nicht verpassen. Weimar muss sich durch Eingemeindungen vergrößern. Fakten müssen her, damit die BürgerInnen in den Verwaltungsgemeinschaften um Weimar überzeugt werden können, dass ihnen die Zugehörigkeit zur kreisfreien Stadt Weimar mehr Vorteile bringt als im Großkreis von Weimar, Weimarer Land und Sömmerda.

Der Anfang ist gemacht. Ich bedanke mich herzlich bei der TLZ und dem Redaktionsleiter Thorsten Büker für diese Veranstaltung, welche ein wichtiger Anstoß in der Diskussion zur Reform in Thüringen war und ich hoffe es bleibt nicht die Letzte, um alles sachlich, kritisch und optimistisch auszudiskutieren.
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