Wir wollen nie mehr Opfer sein!

Das sind die Worte des Oberrichters Prof. Englard bei der Diskussion mit den Teilnehmern der ND -Bildungsreise durch Israel und die Palästinensischen Autonomie-Gebiete. Denn Israel ist die Antwort der Juden auf den Hass der Europäer. Leider wird dieser Konflikt auf den Rücken der Palästinenser ausgetragen. Aber die Zeit arbeitet gegen Israel! Israel war Nutznießer des kalten Krieges. Die Weltmacht Sowjetunion existiert nicht mehr und der jetzige Konkurrent für die USA ist China. Und für China ist der nahe Osten ohne Bedeutung, sondern Chinas Schwerpunkt ist Afrika. Auf die amerikanischen Juden kann sich Israel nicht mehr verlassen, sie sind zuerst USA-Bürger und sehen sich als amerikanische Juden. Israel hat nur eine Möglichkeit um zu bestehen. Das sind die Zusammenarbeit und der Frieden mit den Arabern. Israel ist Weltspitze bei der Wasserwirtschaft. Es nutzt 80% Abwasser als Brauchwasser. Israel hat Jordanien diese Technologie verkauft und heute kann Jordanien Lebensmittel selbst exportieren. Die Gründung des Staates Palästina ist ein weiterer Schritt. Die Diskussionen mit Vertretern vom Ministerium für Strategische Angelegenheiten, bei Soldaten an der libanesischen Grenze oder mit dem Sprecher der Israelischen Armee an der Grenze zum Gaza-Streifen haben mir gezeigt, dass Israel Kämpfe an allen Fronten in Zukunft nicht mehr gewährleisten kann. Der Gegner wird immer besser bewaffnet und die junge Generation ist nicht mehr bereit, ihr Leben für Israels Führung zu opfern. Es gibt nicht mehr den Schwur der israelischen Soldaten auf Massada, wo über 900 Juden lieber den Selbstmord gewählt hatten, als sich als Sklaven bei den Römern erniedrigen zu lassen. Das Leben steht heute in Israel an erster Stelle. Im israelischen Fernsehen habe ich die Begeisterung von Studenten gesehen, als Obama über den Frieden gesprochen hat. Es gibt in Israel auch engagierte Bürgerinnen und Bürger, welche konkrete Projekte für die Zusammenarbeit mit den Palästinensern unternehmen. Beim Besuch im Kibbutz ,,Lochamei Hagetaot“ oder in der Kunstgalerie ,,Um El Fahem“ haben wir uns davon überzeugt, leider werden diese Bemühungen vom israelischen Staat nicht unterstützt. Auch die Gespräche mit Vertretern der PLO in Ramallah haben gezeigt, dass sie um einen Frieden mit Israel bemüht sind. Ein Besuch auf der Baustelle der neuen Stadt Rawabi ist ein weiterer Beweis dafür. Wer eine neue Stadt baut, will doch keinen Krieg, sondern Frieden. Von der Geburtskirche in Bethlehem habe ich auch die Demonstration der Hamas gegen Obama gesehen. Aber wir sollten nicht vergessen, dass Hamas einst durch den israelischen Geheimdienst Mossad als Gegengewicht gegen die Fatah-Bewegung gegründet wurde. Als die OCCUPY– Bewegung in Israel breite Schichten der Bevölkerung erreicht hatte, wurden die Ereignisse überschattet mit Raketen der Hamas aus dem Gaza. Und damit hat die Regierung die OCCUPY- Bewegung erstickt: "Ihr denkt nur an Euch, aber Israel ist in Gefahr und das hat wohl Priorität." Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Unverständlich war für mich, dass unsere hochmotivierten Reiseleiter, der Israeli Uriel und der Palästinenser Kamal, nicht die Möglichkeit hatten uns jeweils in das andere Gebiet begleiten zu können. Leider hatten die UNDOF- Truppen an den Golanhöhen wegen Überlastung keine Zeit für uns. Und auch ein Besuch und ein Gespräch in der Knesset, dem israelischen Parlament, war wegen des Obama-Besuchs nicht möglich. Aber wir haben nicht nur diskutiert, sondern auch die Grabeskirche in Jerusalem und die Geburtskirche in Bethlehem besucht und im Totem Meer gebadet sowie Qumran und Massada besichtigt. Nach dieser erlebnis- und erkenntnisreichen Reise verstehe ich die Worte von Claude J. G. Montefiore (1858–1938) erst richtig: "Schalom - der Friede, der allein versöhnt und stärkt, der uns beruhigt und unser Gesichtsbild aufhellt, uns von Unrast und von der Knechtung durch unbefriedigte Gelüste frei macht, uns das Bewusstsein des Erreichten gibt, das Bewusstsein der Dauer, inmitten unserer eigenen Vergänglichkeit und der aller Äußerlichkeiten."
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
1 Kommentar
3.050
Antje Hellmann aus Jena | 01.04.2013 | 11:21  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige
Anzeige