Betreuungsverein feiert 20-Jähriges

Brigitte Bergmann, Vorstandsvorsitzende des Betreuungsvereins, und Martin Kristen, Geschäftsführer des Betreuungsvereins.
WE: Soporoner Straße | Der Betreuungsverein Weimar „Menschen für Menschen“ begeht im Marie-Seebach-Stift mit einer Festveranstaltung sein 20-jähriges Bestehen. Rund 800 Menschen sind derzeit in Weimar auf die Hilfe des Vereins angewiesen, weil sie wegen einer psychischen Erkrankung, einer Behinderung oder wegen ihres hohen ­Alters nicht mehr eigenständig handeln können. Finanziert wird seine Arbeit vor allem durch die Stadt Weimar. Auch das Land Thüringen beteiligt sich.

20 Jahre Betreuungsverein – ein Grund zur Freude? Auch Vereins-Geschäftsführer Martin Kristen sieht die Daseinsberechtigung des Vereins zwiespältig. „Es sind leider immer mehr Menschen, die auf unsere Unterstützung angewiesen sind“, erzählt der diplomierte Sozialwirt. Vor allem der Anteil Jüngerer nehme zu. Doch unverkennbar ist auch seine Achtung vor all den Vereinsmitgliedern, die sich als Betreuer für die Hilfsbedürftigen engagieren.

Acht hauptamtliche und über 70 ehrenamtliche Betreuer sind für den ­Verein tätig. Sie organisieren alltäg­liche Hilfe, in dem sie Behördenwege übernehmen, sich um Geldangelegenheiten kümmern oder die gesundheitliche Pflege organisieren. Kristen stellt klar: „Betreuer sind dabei sowohl Manager als auch Beistand der hilfsbedürftigen Menschen.“ Dabei stehe die persönliche Betreuung und nicht die anonyme Verwaltung im Vordergrund.

Hauptamtliche kümmern sich vornehmlich um „komplexe Problemfälle“, wie sie Kristen nennt. Dazu zählen psychisch Kranke und Obdachlose. Für die Mehrzahl der zu Betreuenden sind ­Ehrenamtliche zuständig. Diese kommen in vielen Fällen aus der eigenen Familie. Die anderen ehrenamtliche Betreuer werden durch den Verein vermittelt. Bei den Betreuten handelt es sich zumeist um Pflegebedürftige, die in einem Heim leben und deren finanziellen Verhältnisse geordnet sind. Die persönliche Beziehung sei hier sehr wichtig. Im Verein schaue man deshalb genau, wer zueinander passe.

Der Verein sorgt ebenso für die fachliche Kompetenz. Er übernimmt die Einführungsseminare, bietet regelmäßige Schulungen an und organisiert Möglichkeiten, damit ehrenamtliche Betreuer sich untereinander austauschen können. Dazu werden diese zu Stammtischen sowie Sommer-und Weihnachtsfeiern eingeladen. Auch ein Betreuerfrühstück wird regelmäßig durchgeführt. Diese Unterstützung sei sehr wichtig, so Kristen. „Die Betreuer übernehmen eine hohe Verantwortung.“

In diversen Fernseh­sendungen wurde schon von rücksichtlosen Betreuern berichtet, die alte Menschen in Heime einweisen lassen, Häuser einfach verkaufen. „Das sind schwarze Schafe“, stellt Martin Kristen dar. „So etwas dürfte eigentlich nicht vorkommen. Da haben alle Schutzmechanismen versagt.“ Eine Betreuung komme nur mit Genehmigung des Betreuungsgerichtes zustande. Und diesem müsse man als Betreuer regelmäßig einen Vermögensbericht vorlegen.

In der Regel kümmert sich ein ehrenamtlicher Betreuer um einen Klienten. „Es können aber auch mehrere sein“, sagt Kristen. Für Aufwendungen wie Fahrtkosten, Telefon und Porto erhält der Ehrenamtliche 323 Euro im Jahr. „Das Geld sei aber keine Motivation für diese Aufgabe“, ist er sich sicher. Die Pauschale sorge nur lediglich dafür, dass der Betreuer „nichts drauflege“. Oftmals sind es ältere Menschen, die dieses Ehrenamt wählen, die nach dem Berufsausstieg eine sinnvolle Aufgabe suchen.

Wer in den eigenen Angelegenheiten rechtzeitig vorsorgen möchte, dem rät Martin Kristen zur Vorsorgevollmacht. Sie sei eine Alternative zur gerichtlich bestimmten Betreuung. Man könne frühzeitig Vorkehrungen für jene Zeiten treffen, in denen man nicht mehr selbstständig handeln kann. Allerdings setzte diese Alternative ein hohes Maß an Vertrauen in den ausgewählten Betreuer voraus. Seit vier Jahren berät der Verein „Menschen für Menschen“ auch auf diesem Gebiet alle Interessierten umfangreich und kostenlos.

KONTAKT
Betreuungsverein e. V. Weimar „Menschen für Menschen“,
Soporoner Straße 1 b, Weimar, Beratungs- und Geschäfts­termine nach Vereinbarung ­unter  0 36 43 - 7 40 23 31. Mehr unter www.betreuungsverein-weimar.de.
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