Dem Trend entgegen - Junge Frau aus Günstedt bekommt Stipendium für Fotokunst

Gern mit alten Gerätschaften unterwegs.
Weimar: Bauhaus Uni | Das „Schneller, Höher, Weiter“ bahnt sich in der Fotografie unaufhörlich einen Weg. Immer mehr Pixel auf den Kamerachips müssen es sein, immer mehr Fotos auf eine Speicherkarte passen. 4 Gigabyte, 16 Gigabyte, 32 Gigabyte. 2000, 3000, 5000 Aufnahmen. Kaum vorstellbar, dass man mit einem analogen Film mit 36 oder gar nur 24 Aufnahmen zurecht kommen musste. Zumal man sich das Ergebnis nicht sofort ansehen kann.

Aber gerade das fasziniert eine junge Frau aus Günstedt (bei Weißensee), die in Weimar an der Bauhausuniversität studiert. Marie Hauschild vergräbt sich liebend gern in der Dunkelkammer, um Filme zu entwickeln. „Ich mag gerade, dass man vorher nie genau weiß, wie der Ergebnis geworden ist. Entweder ich versaue es, oder ich bekomme es hin“, sagt sie schmunzelnd. Fusseln auf dem Belichter oder dem Negativ, kleine Flecken von der Fotochemie auf den Rändern. „Gerade, dass es nicht so perfekt ist, wie in der digitalen Fotografie, verleiht den Bildern eine besondere Note.“

Eines ihrer Lieblingsmotive ist ihre Zwillingsschwester Anna. „Sie hat das perfekte Fotolächeln“ findet Marie. Außerdem stehen Tiere und Landschaften ganz oben auf ihrem fotografischen Speisezettel. Den neuen Medien verschließt sich die 19-Jährige jedoch nicht. „Ich habe auch schon mit 3D-Fotos experimentiert, also Bilder, die man mit einer speziellen Brille betrachten muss, um einen räumlichen Effekt zu bekommen.“ Ihr Portfolio ist bunt: „Für eine Bewerbung zum Thema Fantasie habe ich experimentelle Fotos geschossen. Ich weiß nur nicht genau, ob das jemand verstanden hat“, huscht ihr wieder ein Lächeln über die Lippen. Immerhin die Sparkassenstiftung war von ihren Arbeiten so begeistert, dass sie ein Stipendium für dieses Jahr erhält. „Ich darf das Geld aber nur zweckgebunden ausgeben“, erklärt Marie. „Für Technik oder Kurse.“ Derzeit ist sie wieder mit einer alten Praktika unterwegs, bekommt ab und zu Unterstützung von einem Onkel, der noch analoge Gerätschaften und Material für die Dunkelkammer besitzt. Die Möglichkeiten zum Experimentieren sind auch in der analogen Fotografie groß.

Das neue Studium nimmt sie aber vorerst so in Anspruch, dass nicht allzu viel Zeit für ihr liebstes Hobby bleibt. „Außerdem war der Unikurs mit Arbeit in der Dunkelkammer bereits ausgebucht, dort gibt es nur zehn Plätze. Aber immerhin mache ich einen Vorbereitungskurs mit, das ist doch gar nicht so schlecht.“ An Ideen für Projekte mangelt es Marie Hauschild nicht. Da will die junge Frau, die an der Walter Gropius-Schule in Erfurt ihr Abitur machte und dort einen Fotografiekurs belegt hat, noch einige gute Ideen umsetzten. Was sie später beruflich machen will, weiß sie noch nicht. „Da habe ich noch viele Möglichkeiten, mal sehen, wo es mich hintreibt.“
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige
Anzeige