Ehrlicher als angenommen

Chris Herrmann arbeitet im Fundbüro der Stadtverwaltung. In seinem Büro hängt ein überdimensionales Schlüsselbrett mit allen Schlüsseln, die seit Jahresanfang als Fundsachen abgegeben, aber nicht abgeholt wurden.
Weimar: Schwanseestraße 17 | Wer etwas verliert, sollte unbedingt in einem Fundbüro nachfragen. „Die Menschen sind viel ehrlicher als viele denken“, weiß Chris Herrmann aus seiner alltäg­lichen Arbeit. Er ist im Fundbüro der Weimarer Stadtverwaltung beschäftigt. Es sei keine Seltenheit, dass Geldbörsen mit allen Barschaften abgegeben werden. Selbst 1000 Euro, die jemand aus dem Geldautomaten nicht mitgenommen hatte, fanden den Weg ins Fundbüro.

Hier wie in vielen anderen Fällen auch recherchieren die Mitarbeiter des Fund­büros nach dem Eigentümer. Schnell konnte ermittelt werden, wer den Geldbetrag abgehoben hatte. Viel Glück hatte unlängst auch eine englische Touristin. Sie vergaß ihr E-Book in Weimar. Durch die Registrierung im Gerät konnte sie ermittelt werden. Nach dem Begleichen einer Bearbeitungsgebühr wird das Gerät an die rechtmäßige Besitzerin versendet.

Zwischen 700 und 800 Fundsachen werden im Jahr im Fundbüro in der Schwanseestraße abgegeben. Vor allem sind es Schlüssel und Fahrräder, Handys und Brillen. Einige der Fund­sachen werden durch die Polizei gebracht. „Ein herrenloser Gegenstand wird zur Fundsache, wenn sich niemand meldet“, erklärt dazu Chris Herrmann. Vor allem Fahr­räder betrifft das.
Zu den ungewöhnlichen Dingen, die archiviert wurden, zählten 20 nagelneue Nintendo-DS-Spielkonsolen. Sie waren in einem Straßengraben gefunden worden. „Das könnte auch Diebesgut gewesen sein.“

Ein halbes Jahr müssen die Fundsachen aufbewahrt werden. Schlüssel werden danach eingestampft. Fahr­räder, Handys, Brillen werden dann versteigert. Zwei Mal im Jahr lädt das Fundbüro zu einer solchen Auktion ein. Im Frühjahr kommen die Fahrräder unter den Hammer, im November die anderen Fundsachen. Bekleidung, so weit sie noch tragbar ist, wird an karitative Einrichtungen gespendet. „Bis jetzt haben wir noch alles losbekommen“, freut sich Herrmann darüber, dass der Verlust des einen später vielleicht Freude bei einem Dritten stiften kann.

SCHON GEWUSST?

Gibt jemand ein Fundstück im Fundbüro ab und dieses wird nicht in der vorgeschriebenen Frist von sechs Monaten vom Eigentümer abgeholt, kann der Finder das Fundstück gegen Zahlung einer Verwaltungsgebühr für sich beanspruchen.

INFO + ÖFFNUNGSZEITEN
Das Fundbüro in der Schwanseestraße 17 hat geöffnet: Montag: 7 bis 13 Uhr, Dienstag und Donnerstag: 8 bis 18 Uhr, Mittwoch und Freitag: 8 bis 13 Uhr, erster Samstag im Monat: 9 bis 12 Uhr.
 0 36 43 - 7 62 89 91 oder
E-Mail: Buergerbuero@stadtweimar.de
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