Fitness Trainer in der Zwickmühle

Es gibt ein paar Dinge die Dir Dein Trainer im traditionellen Fitnessstudio nie erzählen wird.

Wahrheiten die Dir Dein Trainer in einem „modernen“ Fitnessstudio nie erzählen wird, passt noch besser. Warum modernes Studio und warum Wahrheiten?

Die Unterschiede aufzulisten wie ein Studio vor 100 Jahren aussah im Vergleich zu heute würde alleine einen ganzen Artikel benötigen. Ich versuche es mal kürzer.

Hier die zwei größten Unterschiede. Vor 100 Jahren konntest Du Dich in einem Studio bewegen. Darum ging es vor 100 Jahren. Bewegung. Heute geht das nicht mehr, weil alles mit Ergometern und Trainingsmaschinen zugestellt ist. Bewegung ist nicht mehr das Ziel. Verkauf ist es. Und, vor 100 Jahren wurdest Du ausgebildet. Du wusstest genau warum, wie und was für Übungen Du machst. Heute wirst Du absichtlich mental kurz gehalten und da ist für die alten Wahrheiten kein Platz mehr.

Es ist nicht die Schuld Deines Trainers!

Selbst wenn er die Wahrheiten kennt, kann und darf er sie Dir nicht sagen. Du würdest sofort Deine Mitgliedschaft kündigen. Das wiederum hätte Folgen für Deinen Trainer, denn neben den ganzen Geräten, der Sauna und dem Platz den ein modernes Studio benötigt, zahlt Dein Mitgliedsbeitrag auch seinen Monatslohn.

Er wird also immer genau das tun was das Studio von ihm verlangt. Hier ist ein cooles Beispiel. Planet Fitness, eine Studiokette in Amerika, hat die freien Kniebeugeständer abgeschafft, weil sich ein Studiomitglied davon eingeschüchtert gefühlt hat. Ich denke das Mitglied meinte eher denjenigen der die Kniebeugen darin ausgeführt hat. Na egal. Auf jeden Fall hat genau die gleiche Fitnesskette jetzt vor kostenlos Pizza und Bagels anzubieten.

Tja, da guckst Du traurig! Am Freitag noch Kraft und Konditionstrainer und nach dem Wochenende findest Du Dich als Bagelverkäufer wieder.

Das oben genannte Beispiel ist EIN Grund warum die moderne Fitnessindustrie scheitern wird oder längst gescheitert ist. Es geht nicht mehr darum sich besser zu bewegen und fitter zu werden. Es geht nur noch darum das sich der Kunde wohl fühlt, optimal bespaßt wird und fleißig zahlt.

Kommen wir zu den drei Wahrheiten.

#1: Einheiten müssen intensiv sein

Damit Muskeln wachsen und stärker werden, müssen sie einem optimalen Reiz ausgesetzt werden. Die Intensität im Training sollte in der Regel bei 80% Deines Maximums liegen. Das stellt sicher, dass Du nicht im Muskelversagen landest und trotzdem einen Reiz gesetzt hast auf den sich der Körper anpasst.

Das Problem bei intensiven Trainingseinheiten ist, dass sie unbequem sind. Dafür musst Du Dich aus Deiner Komfortzone bewegen. Das wiederum passt nicht ins Konzept der meisten Fitnesscenter denn der Kunde soll sich ja in erster Linie nur wohlfühlen.

Bitte richtig verstehen. Intensives Training macht Spaß, hast Du Dich erst einmal daran gewöhnt und Blut geleckt. Die empfohlene Intensität in vielen Fitnessstudios ist dagegen meist viel zu gering. Ungefähr auf dem Level welches wir aktive Regeneration nennen und an unseren Ruhetagen ausführen.

#2: Einheiten müssen kurz sein

Ist Deine Einheit intensiv, wird sie auch kurz sein. Intensiv beanspruchte Muskulatur wird schneller müde. Erfahrene Sportler können in der Regel etwas länger intensiv trainieren jedoch wird auch bei ihnen nach 60 Minuten die Luft raus sein.

Bitte mach jetzt nicht den Denkfehler, weil Du nie länger als 30 Minuten trainierst, dass Deine Einheiten auch gleich intensiv waren. Die Formel funktioniert leider nur anders herum.

In meinen 10 Jahren als Fitnessstudiomitglied, waren meine Einheiten immer mindestens eine Stunde lang. Rückblickend war ich meilenweit davon entfernt, intensiv trainiert zu haben. Heute weiß ich es besser.

Es gab allerdings einmal eine sehr kurze Einheit. Ich hatte ein Probetraining in einem Studio und der Trainer lies mich, nachdem er erfahren hatte wie viele Jahre ich schon trainiere, vier Sätze mit je fünf Wiederholungen freie Kniebeugen mit guten 80-90% meines Maximalgewichts ausführen. Danach einen Satz Bankdrücken mit sechs Wiederholungen. Weiter bin ich nicht gekommen, weil ich danach mein Mittagessen aus meinen Magen in seinen Mülleimer gepackt habe.

Meine Erkenntnisse nach diesem Probetraining:

- Intensives Training macht keinen Spaß denn ich war weit außerhalb meiner gewohnten Komfortzone.
- Es waren nur fünf Sätze und keine 30 Wiederholungen und davon hatte ich sechs Tage lang Muskelkater (zu der Zeit machte ich locker das fünffache an Sätzen und Wiederholung ohne danach Muskelkater zu haben).
- Ich war nicht ansatzweise so fit wie ich dachte und mein Ego war schwer angeschlagen.

Hab ich in dem Studio angefangen? Natürlich nicht! Die hatten ja nicht einmal eine Sauna (was für eine willkommene Ausrede das doch für mich war).

Du siehst, der Trainer hatte Ahnung und mit seiner Hilfe hätte ich garantiert mehr geschafft als in den sechs Jahren Training davor. Egal, ich hab noch vier weitere Jahre gebraucht um es zu erkennen.

Für den Fall Du hast Dich schon einmal gefragt warum in vielen CrossFit Boxen in jeder Ecke Mülleimer stehen. Die Jungs wissen wie in kurzen Einheiten intensiv trainiert wird. Manchmal vielleicht etwas zu intensiv und dann leidet Wahrheit Nummer Drei.

#3: Bei allen Übungen ist technische Kompetenz gefragt

Wie oben schon einmal erwähnt, zahlst Du für viele Dinge in einem Fitnessstudio. Betreuung gehört leider oft nicht dazu. Ist doch auch logisch oder? Wie könnten die Studios ihr Training sonst so günstig anbieten.

Klar wirst Du auf jeden Fall beim ersten Training einen eigenen Trainingsplan bekommen und darin eingewiesen. Hier kommen dann die oben angesprochenen Ergometer und Maschinen ins Spiel.

Was Du verstehen darfst, ist, dass Deine Geräte-Einweisung in Wahrheit eine Überweisung ist.

Deinen Trainer siehst Du nach der Überweisung wahrscheinlich nicht wieder. Macht ja auch Sinn, denn er hat Dich ja gerade an die Maschinen überwiesen. Ab sofort übernehmen sie die Betreuung für Dich. Sie sagen Dir wann Du arbeiten sollst und wann Pause und ob das eingestellte Gewicht zu leicht oder zu schwer für Dich ist. Selber denken ist hier nicht gefragt und auch nicht sinnvoll. Dafür müsstest Du Dich ja konzentrieren und dann bekommst Du das Entertainment Programm überhaupt nicht mit, fühlst Dich unwohl und fällst aus Deiner Komfortzone.

Was hat das alles jetzt mit Punkt Drei zu tun? Nichts. Technische Kompetenz ist bei den Übungen an Maschinen nicht gefragt.

Sollte Dich Dein Trainer entgegen dem Trend tatsächlich in den Freihantelbereich führen, und ich meine hier nicht die lilafarbenen 2kg Gewichte neben dem Wackelboard, sondern Langhanteln, Kurzhanteln, eventuell sogar Kettlebells, dann wird Punkt Drei interessant.

Willst Du langfristig trainieren ohne in einer Verletzung oder einem Trainingsplateau zu landen, ist perfekte Bewegungsqualität und einwandfreie Übungsausführung Pflicht. Der Nachteil für viele Fitnessstudios? Hier ist es nicht mit einer Einweisung getan. Das Lernen der freien Übungen mit Gewichten braucht Zeit und Betreuung. Ein- bis zwei Stunden Trainingsplaneinweisung reicht da nicht. Vielleicht ein- bis zwei Stunden pro Übung. Das schon eher.

So, nun kennst Du die drei Wahrheiten. Was solltest Du jetzt tun?

Hier sind zwei Fragen für Dich, die Dir helfen werden eine Entscheidung zu treffen. Hat Dir nie jemand in Deinem Studio freie Kniebeugen beigebracht oder noch besser Kreuzheben und stattdessen an eine Maschine gesetzt? Und verkaufen beziehungsweise verschenken sie in Deinem Studio Süßigkeiten oder Fastfood?

Wenn Du eine der beiden Fragen mit „Ja“ beantworten musst, lauf so schnell Du kannst. Bei zweimal „Ja“ steckst Du in großen Schwierigkeiten und hast sehr wahrscheinlich noch kein einziges Deiner gesteckten Fitnessziele erreicht.

Hier sind die einzigen zwei Möglichkeiten die Du hast.


1. Du kündigst Deine Mitgliedschaft und meldest Dich bei Pilates an, um über alles in Ruhe nachdenken zu können. Sollte Dir Pilates ausreichen und nach ein paar Stunden immer noch Spaß machen, Glückwunsch. Du trainierst an keiner Maschine mehr und Deine rumpfstabilisierende Muskulatur kommt beim Training endlich auch einmal zum Einsatz. Wenn dann der Punkt erreicht ist und Dir Pilates zu langweilig wird, und dieser Punkt wird kommen denn Du kennst die drei Wahrheiten, suche Dir jemanden der Dir freie Kniebeugen, Kreuzheben und weitere freie Übungen nur mit dem Körpergewicht oder freien Gewichten zeigt und fang endlich an richtig zu trainieren.

2. Spare Dir die Pilatesnummer und such Dir gleich jemanden der Dir freie Kniebeugen, Kreuzheben und weitere Übungen nur mit dem Körpergewicht oder freien Gewichten zeigt und fang endlich an richtig zu trainieren.

Erste kleine Hilfestellung, gib „Kettlebell“, „Kraftdreikampf“, „Calisthenics“, „Strongman“ „CrossFit“, „Turnverein“, „Chuck Norris“ in die Google Suche ein.
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige
Anzeige