Grippezeit naht - Piks kann helfen

Dr. Andreas Machnik arbeitet als Oberarzt am Sophien- und Hufeland-Klinikum in Weimar.

Grippe ist nicht gleich Grippe, sagt Dr. Andreas Machnik. Er ist Oberarzt ist der Abteilung Pneumologie am Sophien- und Hufeland-Klinikum Weimar. Ihn befragte AA-Redakteurin Simone Schulter, wie man die Formen unterscheidet und ob man sich vor beiden schützen kann.


Winterzeit ist Grippezeit. Welche Formen gibt es?
Man muss grundsätzlich unterscheiden zwischen einem grippalen Infekt als klassischer Herbsterkältung und derInfluenza. Nicht jede Erkältung ist eine Influenza. Grippale Infekte kommen sehr häufig vor und der Krankheitsverlauf ist weniger dramatisch als bei der Influenza.

Welche Symptome weisen auf eine Influenza hin?
Sie zeigt sich an einem sehr plötzlichen Krankheitsbeginn mit hohem Fieber, Mattigkeit, trockenem Husten, Gliederschmerz und durchaus auch Durchfall.

Das könnte auch ein grippaler Infekt sein.
Ja, aber der kommt nicht wie ein Nackenschlag. Die Influenza kann eine zum Tode führende Erkrankung sein. Bei einer Erkältung ist alles weniger dramatisch.

Was empfehlen Sie als Vorsorge gegen eine Influenza?
Hier hilft eine Grippeschutzimpfung.

Wann sollte man sich impfen lassen?
Jetzt wäre der beste Zeitpunkt. In ein bis zwei Wochen kann der Körper einen Schutz gegen die aktuellen Grippeviren entwickeln und ist dann geschützt, wenn eine Grippewelle kommt. Am besten bespricht man sich mit seinem Hausarzt. Er ist der Impfexperte vor Ort. Man kann sich auch bei der Krankenkasse informieren.

Wieso sprechen Sie von aktuellen Grippeviren?
Jedes Jahr verändert sich die genetische Struktur der Influenza-Viren. Deshalb sollte man sich jährlich neu impfen lassen. Die Impfung aus dem Vorjahr ist nur noch bedingt hilfreich.

Woher weiß man von der Struktur der Viren?
Weltweit forschen Wissenschaftler dazu. Sie sammeln Daten und tauschen sie untereinander aus. Am Ende wird ein Impfstoff entwickelt, der den aktuellen Bedürfnissen angepasst ist. In Deutschland werden seit 2012 sowohl trivalente als auch quadrivalente Impfstoffe verwendet, die je nach Vorgabe der jeweiligen Krankenkasse eingesetzt werden. Sie helfen gegen drei beziehungsweise vier Virentypen gleichzeitig.

Wer sollte ich unbedingt impfen lassen?
Die Ständige Impfkommission STIKO empfiehlt die Grippeschutzimpfung Menschen ab dem 60. Lebensjahr, um die eigene Immunabwehr zu unterstützten. Das beugt auch der gefährlichen Lungenentzündung vor, die bei Grippe dazu kommen kann. Impfen lassen sollten sich auch jene, die ständigem Publikumsverkehr ausgesetzt sind, beispielsweise in Geschäften, Schulen, Kindergärten, auch die klassischen Schalterberufe und natürlich medizinisches Personal. Wir hier am Klinikum motivieren unsere Mitarbeiter immer wieder, die Impfung in Anspruch zu nehmen. Eine Impfung schützt nicht nur uns selbst, sondern auch unsere Patienten. Man ist ja nicht nur Empfänger, sondern auch Überträger von Viren.

Entstehen Kosten für die Impfung?

Die Impfung von Patienten ab 60 Jahre wird von allen Krankenkassen übernommen. In der Regel bezahlen die Krankenkassen auch die Kosten für die Impfung bei allen anderen Altersgruppen. Am besten fragt man den Hausarzt nach eventuell anfallenden Kosten.

Wie funktioniert die Impfung?
Gespritzt wird ein Tot-Impfstoff. Der Körper entwickelt gegen diesen Stoff ein eigenes Abwehrverhalten. Bei Kindern unter 7 Jahren ist auch eine Impfung mit einem Nasenspray mit einem Lebendimpfstoff möglich.

Mit welchen Nebenwirkungen ist zu rechnen?
Es gibt lokale Reaktionen wie Schwellungen und Rötungen auf der Haut, die für 1-3 Tage anhalten können. Gelegentlich finden sich auch für mehrere Stunden leichte Allgemeinbeschwerden wie Abgeschlagenheit, Gliederschmerzen oder erhöhte Temperaturen als harmlose Impfreaktion.

Kann man noch reagieren, wenn die Influenza ausgebrochen ist?
Wenn nach einem Schnelltest die Influenza nachgewiesen ist, gibt ein kleines Zeitfenster, in dem man eine Behandlung mit speziellen Medikamenten einleiten kann.

Kann man auch anderweitig vorbeugen?
Ja natürlich. Es gelten die üblichen Vorsichtsmaßnahmen. Sie helfen gegen Influenza und grippalen Infekt gleichermaßen. Wichtig zu wissen ist, dass man sich nicht allein durch eine Tröpfcheninfektion anstecken kann. Körperflüssigkeiten können auch getrocknet eine Gefahr sein. Es empfiehlt sich also dringend häufiges Händewaschen. Während einer Grippewelle sollte man auch mal ein Handschlag ablehnen und größere Menschenansammlungen meiden. Zum Schutz der anderen ist das Husten und Niesen in ein Taschentuch ratsam. Ansonsten hilft eine gesunde Lebensweise mit vitaminreicher Ernährung, reichlich Flüssigkeit, kein Nikotin, wenig Alkohol, Bewegung an der frischen Luft. Ich sage immer: Einmal am Tag rote Wangen hält das Immunsystem auf Tab.
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