Gurr, gurr: "Auch Tauben gehen fremd" - Tannrodaer Züchter verkuppelt sein Gefieder

Gurr, gurr... hab' dich lieb.
 
"Er lebt für seine Tauben", sagt Peter Hähnert, 1. Vorsitzender vom Kleintierzuchtverein Tannroda über Mario Eberhardt. Der Taubenzüchter dagegen sieht es pragmatischer: "Entweder man hat es oder man hat es nicht."
Bad Berka: Kleintierzuchtverein |

Mario Eberhardt aus Tannroda hat Erfolg mit Gefieder: Das erfordert Geduld, Wissen und ein glückliches Händchen bei der Partnerwahl im Taubenschlag




Wer da glaubt, dass es an einem Taubenschlagständig wie sprichwörtlich gemeint zugeht, der irrt. Denn die Kraft schöpft ein passionierter Züchter aus der Ruhe. Er überlässt nichts dem Zufall. Selbst beim Liebesleben seiner gefiederten Freunde erweist er sich als gewiefter Kuppler.

Mario Eberhardt strahlt diese Ruhe aus. Menschliche Hektik im Taubenschlag oder in der Voliere wäre auch fehl am Platz. Das scheint auch die Begründung zu sein, dass der 36-Jährige seine Leidenschaft für seine Amerikanischen Schaubrieftauben eher innerlich zeigt. "Entweder man hat es oder nicht", ist sein nüchternes Fazit für sein Hobby. "Ich schaff‘ mir jetzt mal Tauben an, funktioniert nicht", bringt es der Tannrodaer nochmals auf den Punkt.


Die Verkuppler

Taubenzüchter müssen aber auch Strategen sein, gut beobachten können und ein gutes Händchen bei der Partnerwahl für die Täubin haben. Dennoch kann es passieren, dass Eberhardt Paarungsverweigerer ausmacht. Die Oberhand dürfen diese nicht bekommen, sonst würde es um die Zucht schlecht bestellt sein. Das dies nicht passiert, muss der Züchter wachsam sein und diese störrische Geduld haben.

Das Pärchen setzt Mario Eberhardt im Taubenschlag in eine Nistzelle - auch Zuchtzelle genannt. Und Klappe zu. Verkuppeln steht im Frühjahr auf der Tagesordnung der Taubenzüchter. "Zirka eine Stunde danach lasse ich das Taubenpaar in der Voliere frei. Fliegen sie wieder gemeinsam in ihre Zelle, ist das ein gutes Zeichen", sagt Eberhardt. Das geht dann weiter so, mit den anderen Pärchen - Zelle für Zelle. "Bis ich merke, dass alle Paare zusammen bleiben und ihre Brutstätten wieder finden", sagt der gelernte Landwirt. Diese Prozedur kann bis zu fünf Tagen dauern. "Da geht auch schon mal Urlaub drauf." In dieser Zeit kann der Züchter ebenso feststellen: "Auch Tauben gehen fremd".

Mario Eberhardt betreibt seine Zucht professionell. Und diese muss sich stetig weiterentwickeln wie jede einzelne Taube. "Ich will bestimmte Rassemerkmale herauszüchten", sagt er.


Die Tauben-Ästhetik

Um diesen Zuchterfolg zu erreichen, bringt er die Paare ab August wieder auseinander. "Wenn nicht 50 Prozent der Zuchttiere durch Nachzucht ersetzt werden, besteht Gefahr des Stillstands", sagt Eberhardt. "Das muss eine Tauben-Familie sein - ein geschlossenes System. Wenn ein bis zwei Fremdtauben pro Jahr hinzukommen wäre es ideal", fügt er an. Inzucht wäre ein Gräuel für Mario Eberhardt. Das würde seiner Tauben-Ästhetik widersprechen. Aber auch Krankheiten und Auswirkungen auf die Vitalität der Tauben wären die Folgen. "Ich dagegen weiß, was in meinen Tauben steckt."

Mittlerweile gurren 70 Amerikanische Schaubrieftauben in Schlägen und Volieren. Insgesamt leben rund 150 Tauben in acht Gehegen auf dem Eberhardtschen Anwesen. Tauben haben hier Tradition. Damit ist Mario aufgewachsen, der im Alter von zehn Jahren mit sechs Nutztauben - neben Vater und Großvater - seine eigenen Zuchtergebnisse verfolgte. So hat Mario Eberhardt bereits früh gelernt, dass ein Züchterleben strukturiert sein muss. "Wenn es morgens sechs Uhr hell ist, gehe ich sechs Uhr zu meinen Tauben. Füttern bei Licht ist wichtig. Ich will die Tiere sehen, studieren, analysieren." Da werden insgeheim bereits die Grundlagen für neue Paarungen gelegt. Doch Eberhardt ist nicht Zuchtbesessen. Für ihn sind Tauben auch "Ausgleich und Ruhe", wie er sagt.


Der Tauben-Flüsterer

"Dennoch kann es passieren, dass ich zwei Stunden vor dem Taubenschlag sitze." Da verwundert es auch nicht, dass der Tannrodaer alle seine Tauben voneinander unterscheiden kann. "Die Tiere sind auf mich eingestellt. Ich komme näher an sie heran, als andere. Die Tiere machen schon einen Unterschied, wer da kommt oder wer sie fängt", sagt der Züchter.

Und fangen muss er jetzt einige seiner Tauben, denn Herbst- und Winterzeit ist Showtime. Da ist deutschlandweites Kräftemessen der Züchter angesagt, auf Rassetauben-, Geflügel- und Sonderschauen, aber auch auf kleineren regionalen Ausstellungen. Mario Eberhardt ist dort gut vertreten. Als Europameister (2012) und Europa-Champion, als dreimaliger Deutscher Meister und Klub-Champion ist er kein ruhiges unbeschriebenes Blatt. Er schmückt sich stets mit eigenen Federn. So auch kommendes Wochenende auf gleich zwei Veranstaltungen.


Zitat


Ich kenne meine Tauben genau, weil ich sie vom Schlüpfen an täglich begleite.'
Mario Eberhardt, Taubenzüchter


Zur Sache

• Amerikanische Schaubrieftauben - Show Racer - zählen zur Rassegruppe der Formtauben. Sie sind kraftvoll in der Statur, haben einen athletischen Körperbau und sind im Wesen eher ruhig. Sie posieren gern.

• Show Racer sind Kurzstreckenflieger. Das Wegfliegen wurde ihnen abgezüchtet. Ihr Orientierungsvermögen ist über weite Strecken vermindert. In den USA entstand der Show Racer um 1950 als Nationalrasse.


Termine

° Kleintierschau in Tannroda, 5. und 6. Dezember, Agrarunternehmen, Rittersdorfer Weg 2, ab 9 Uhr; 125 Aussteller, 470 Kaninchen, 200 Geflügeltiere; Samstag ab 11 Uhr, sportliche Kaninchen "Kaninhop", Schaukalender

° 64. Deutsche Rassetaubenschau in Leipzig, 4. bis 6. Dezember, Neue Messe


Inform@tionen

Rassegeflügelzüchter Thüringen

Show-Racer-Klub

Schaukalender Thüringen



Amerikanische Schaubrieftauben
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