In Weimar hilft AWO Migraten bei der Eingliederung

Harun Koyuncu berät Migranten.
Weimar: Prager Straße 5 |

Wer verlässt schon gern seine Heimat? Es müssen triftige Gründe sein, sich aus seinem privaten, kulturellen und gesellschaftlichen Umfeld herauszulösen, um fernab der Familie einen Neustart zu wagen. Sich in einem fremden Land zurechtzufinden, sich einzugewöhnen ist eine große Lebensaufgabe. Die meistert niemand problemlos.


Umso schwieriger ist die Eingewöhnung, wenn Betroffene ein Handicap haben. Sei es eine Behinderung, eine psychische Erkrankung oder eine Abhängigkeit. Das musste auch Harun Koyuncu erkennen. Er arbeitet für den Fachdienst Migration und Integration im AWO-Kreisverbandes Jena-Weimar. Die AWO übernimmt im Auftrag der Stadt Weimar dieses Beratungsangebot, das als kommunale Pflichtaufgabe gilt.


Kulturelle Brücken bauen


„Wir beraten kostenlos“, erklärt Koyuncu. „Und wer zu uns kommt, tut das freiwillig.“ Es seien ganz unterschiedliche Probleme, mit denen die Menschen mit Migrationshintergrund zu kämpfen haben. Nicht nur Fragen zum Arbeitslosengeld oder Unterstützung bei der Arbeitssuche. „Manchmal muss ich auch erklären, was eine Klassenfahrt ist, weil es die Menschen aus ihrem Heimatland nicht kennen.“ So hilft Harun Koyuncu, kulturelle Brücken zu bauen. Doch manchmal brauchen die Menschen viel mehr Unterstützung.

Beratung in der Muttersprache


Aus dieser Erkenntnis heraus hat er ein erweitertes Beratungskonzept entwickelt. Migranten mit Handicap sollen künftig nicht nur die Sprechzeiten des Fachdienstes nutzen, sondern eine ambulante Hilfe in Anspruch nehmen können. Dazu gehört die Begleitung zu Ämtern und Ärzten. Zudem wir gemeinsam erarbeitet, was der Klient erreichen möchte. „Unser Vorteil ist, dass wir unsere Klienten in ihrer Muttersprache betreuen können und kultursensibel arbeiten“, erläutert Koyuncu. Es sei für die Betroffenen oft schwierig, diese Hilfe anzunehmen. „Aus ihren Heimatländern kennen sie so etwas nicht. Es kommt Scham auf, wenn sie fremde Hilfe in Anspruch nehmen.“ Aber allein können sie den Weg in die neue Gesellschaft kaum schaffen.

Baran ist ein solcher Klient. Der Kurde kam aus der Türkei nach Deutschland, wir hier aus humanitären Gründen geduldet. Baran, so sagt er, möchte hier in Frieden leben, eine familie gründen und in einem Döner-Imbiss Arbeit finden. Damit er seine Ziele erreichen kann, arbeitet Harun Koyuncu intensiv mit dem jungen Mann. Eine Wohnung für ihn wurde bereits gefunden. Jetzt soll erreicht werden, dass er sich Stück für Stück wohlfühlt, Selbstbewusstsein aufbaut, die deutsche Sprache lernt. Vor allem will Harun Koyuncu ihn dabei unterstützen, soziale Kontakte aufzubauen, denn derzeit lebt der zurückhaltende junge Mann sehr isoliert ohne soziale Kontakte.

Mit der ambulanten Hilfe kann es gelingen, dass die Migranten trotz ihrer Beeinträchtigungen eine selbstständige Leben führen können und sich in der Gesellschaft integrieren. Harun Koyuncu ist hoffnungsvoll, dass das mit ambulanter Hilfe gelingen kann. Es wäre ein weitreichender Schritt, denn diese Art der Betreuung ist laut derzeit einzigartig in Thüringen.

Kontakt
AWO-Fachdienst für Migration und Integration,
Mehrgenerationenhaus, Prager Straße 5 in Weimar-West
Tel. 03643/7402345
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