Praxisluft schnuppern für eine fundierte Berufswahl

Weimar: Arbeitsagentur | Die letzten zwei Schulwochen nutzen die Schülerinnen und Schüler der 9. Klasse des Weimarer Goethegymnasiums für ein Praktikum und erkunden den Berufsalltag. Unterstützung erhalten sie dabei vom Projekt SKATING-Berufsorientierung an Gymnasien, einem Pilotprojekt der Agentur für Arbeit.

Ja, Medizin ist vielschichtig. Da gibt es Ausbildungsberufe in der Pflege und Krankenbetreuung, im Labor sowie vielfältige Studienmöglichkeiten. Das erfuhren fünf Schülerinnen der 9. Klasse des Goethegymnasiums während ihres zweiwöchigen Schulpraktikums im Sophien- und Hufelandklinikum gGmbH in Weimar. „Berufsorientierung und berufliche Beratung sind wesentliche Bestandteile unseres Schulkonzepts“, sagt Elsbeth Herbst, Beratungslehrerin am Goethegymnasium. „Es ist wichtig, dass wir berufliche Orientierung mit allen Partnern und der Wirtschaft gemeinsam angehen, Dazu gehören Praktika und Betriebsbesuche sowie Aktionstage wie der Tag der Berufe oder der Girls Day.“

In den zwei Wochen arbeitete jede Schülerin auf einer anderen Station. Sandra Märtin schnupperte Praxisluft in der Geburtshilfe. Sie kannte das Klinikum schon vom Tag der Berufe 2010, an dem sie sich für einen Ausbildungsberuf im Labor interessierte. „Die Arbeit hat mir Spaß gemacht. Als ich am ersten Tag auf die Station kam, war es toll, die Neugeborenen zu sehen. Ich würde gern im medizinischen Bereich mit kleinen Kindern oder jungen Menschen arbeiten. Für ein weiteres Praktikum würde ich auch einige Ferienwochen opfern.“ Während die medizinische Richtung bei Sandra Märtin klar ist, ist sich Luise Fischer ihres beruflichen Weges noch nicht sicher. „Irgendwo musste ich ja anfangen und Berufe entdecken. Ich habe hier viel Gutes erlebt, doch vielleicht ist der soziale Bereich eher etwas für mich. Mir hat das Praktikum geholfen zu unterscheiden, welche Türen mit einer Ausbildung und welche mit einem Studium offen stehen.“

Das ist eines der Ziele des SKATING-Projektes: Den Gymnasiasten alle Möglichkeiten aufzuzeigen. „Es ist die große Herausforderung, den Abiturienten akademische Tätigkeiten erlebbar zu machen, zu sehen, was macht ein Geschäftsführer, Produktionsleiter oder Arzt. Das Besondere an Abiturienten ist, dass ihnen neben der dualen Ausbildung auch unzählige Studiengänge möglich sind. Dadurch ist die individuelle berufliche Orientierung sehr wichtig, um nicht frustriert und aus Unkenntnis ein Studium oder eine Ausbildung abzubrechen“, sagt Mandy Schüffler, Teamleiterin Berufsberatung der Agentur für Arbeit Weimar.

Das Sophien- und Hufelandklinikum hat auf allen 22 Stationen zeitgleich ca. 20-25 Praktikanten. „Für uns ist die berufliche Orientierung enorm wichtig, auch wenn es natürlich mit organisatorischem Aufwand verbunden ist. In einem Praktikum erhalten Jugendliche ein realistisches Bild vom späteren Arbeitsalltag und sie sehen gleich, ob ihnen die Tätigkeit liegt. Schließlich ist es etwas anderes Arztserien im Fernsehen zu sehen oder selber mit anzupacken“, sagt Dieter Erler, Vorsitzender der Mitarbeitervertretung des Klinikums. Frühzeitig sollten sich Jugendliche mit allen Möglichkeiten auseinandersetzen.

Das Projekt beginnt bereits in der 8. Klasse mit ersten Interessenstests und Berufsvorstellungen. „Skating bündelt die verschiedenen berufsorientierenden Aktivitäten. Ich bin dankbar, dass uns Skating unterstützt“, sagt die Beratungslehrerin am Goethegymnasium. In diesem Schuljahr stand die Vorbereitung und Durchführung des Praktikums im Fokus. Bewerbungsunterlagen wurden erstellt, Vorstellungsgespräche trainiert und die Praktikumsstellen akquiriert. Bei all diesen organisatorischen Abläufen steht Jana Bonnard, Projektleiterin beim beauftragten Bildungszentrum Handel und Dienstleistungen Thüringen gGmbH, den Schülern zur Seite: „Wir haben in den letzten beiden Jahren viel mit den jungen Menschen unternommen: Betriebsbesuche, Exkursionen und das Praktikum. Nächstes Jahr steht das Thema Studieren auf dem Plan. Da geht es um Studienbedingungen, -inhalte und -voraussetzungen. Wir werden zu Hochschulen fahren und mit Studienberatern und Professoren ins Gespräch kommen. Da wird auch die Medizin wieder ein Thema sein“, sagt Bonnard.
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