Titus auf drei Beinen

Renata Hübscher mit ihrem Kater Titus. Jetzt geht es ihm wieder gut. Er hat gelernt, mit seinem Handicap umzugehen.
Weimar: Lindaustraße | So sollte kein geselliger Abend enden. Renata Hübscher hatte am 24. November Gäste im Haus. Ein netter Abend mit Freunden – bis Titus nach Hause kam.
Titus , ein großer, schwarzer Kater. Er gehört seit 14 Jahren zur Familie. Mit vier Monaten hat ihn Renata Hübscher aus dem Tierheim geholt. Seitdem ist er in der Lindaustraße in Oberweimar zu Hause.

Der Kater konnte sich an jenem Abend nur noch mit Mühe ins Haus schleppen. „Die linke hintere Tatze war richtig weggerissen“, erinnert sich Renata Hübscher. „Ich habe vor Schreck geschriehen. Es sah ganz schlimm aus.“ Zwei Stunden vor Mitternacht musste die Familie einen Tierarzt suchen. Gunter Zeise hatte in dieser Nacht Bereitschaft. Er nahm sich des Tieres an und machte dessen Frauchen Mut. „Der läuft wieder!“ An diesen prompten Kommentar denkt Renata Hübscher noch heute oft zurück.

Das Bein des Katers war nicht mehr zu retten: die Knochen kaputt, die Sehnen gerissen. Der Tierarzt musste amputieren. Vier Tage blieb Titus noch in der Praxis zur Beobachtung. Eine kostspielige Angelegenheit. Rund 800 Euro hat die Familie für Titus’ Genesung bezahlt. Das Tier hat alles gut überstanden. Auch wenn noch deutlich zu sehen ist, wie viel Fell der Arzt für die Operation scheren musste. „Titus hat gelernt, mit seinem Handicap zu leben“, freut sich Renata Hübscher. Seit Weihnachten darf er wieder ins Freie, vorerst aber nur an der Leine. Er hat gelernt, auf drei Beinen zu laufen. Über die Katzenklappe entschwindet er jetzt wieder gern in den Garten. Doch sein Bewegungsradius ist eingeengt. Auch auf seinen einstigen Lieblingsplatz hoch oben auf dem Schrank schafft er es nicht mehr. „Aber auf den Stuhl kommt er noch!“

Ein Heimkind sei er geworden, bescheinigt ihm sein Frauchen. Zudem hat seine Kondition gelitten. „Schnell wird er müde und dann setzt er sich auf die Stelle, wo früher sein viertes Bein war.“ In den Abend- und Nachtstunden darf Titus nicht mehr aus dem Haus. „Da habe ich zu große Angst. Ich will so etwas nicht noch einmal erleben“, erklärt Renata Hübscher.
Wie konnte es zu dieser Verletzung kommen? Renata Hübscher hat nur eine Erklärung: „Das muss eine Falle gewesen sein. Vielleicht gegen Marder.“ Es kann nur in ihrer Siedlung passiert sein, da ist sie sich sicher. Denn gleich hinter den Häusern liegen die Bahngleise. „Da ging er nicht drüber.“

Die Katzenfreundin will niemanden verdächtigen. Sie will aber deutlich machen, was beim Aufstellen von Tierfallen passieren kann. „Erlaubt sind doch nur Lebendfallen, in denen den Tieren nichts Derartiges passieren kann“, appelliert sie an das Mitgefühl anderer.

NACHGEFRAGT BEIM FACHMANN:

Jan Klüßendorf, Leiter des Forstamtes in Bad Berka, bestätigt gegenüber dem Allgemeinen Anzeiger, dass sogenannte Abzugseisen durchaus erlaubt sind. Eine solche Falle hat vermutlich die Verletzung von Kater Titus verursacht.

Diese Art Fallen werden fast ausschließlich gegen Marder eingesetzt und sollen diese Tiere gleich töten, nicht verletzten.Die Abzugseisen sollten, so Klüßendorfs Rat, so aufgestellt werden, dass keine anderen Tiere oder gar kleine Kinderhände in diese Falle geraten können. Die Zugangsöffnungen in das Abzugseisen müssen deshalb relativ klein gehalten sein.
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4 Kommentare
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Antje Hellmann aus Jena | 15.02.2012 | 02:50  
Simone Schulter aus Weimar | 15.02.2012 | 10:23  
7.498
Johannes Leichsenring aus Hermsdorf | 16.02.2012 | 10:53  
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Waltraud Seemann aus Weimar | 20.02.2012 | 01:32  
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