Verrücktes Deutsch

Noch mehr Wissenswertes zur deutschen Sprache finden Interessierte in „Unnützes Sprachwissen“ aus dem Dudenverlag. (Foto: Dudenverlag)
Deutsche Sprache, schwere Sprache. Nicht nur Ausländer stöhnen über unsere Muttersprache. Verben sind wahre Verwandlungskünstler. Satzglieder halten sich an keine Reihenfolge. Vier Fälle, drei Geschlechter, zwei Numeri. Schnell kann man da durcheinander kommen. Und doch besticht das Deutsche zugleich durch tausend kuriose Fakten. Wir haben zehn aufgelistet.

Scheinanglizismen
Zu viel Englisch im Deutschen: Small Talk, Deadline, Meeting. Wir setzen noch eins oben drauf und zaubern uns aus Bausteinen der englischen Sprache neue Wörter, die es in ihrer Bedeutung nur im Deutschen gibt: Handy (engl. Mobile phone oder cell phone), Whirlpool (engl. jacuzzi), Smoking (engl. dinner jacket). Das beliebte Public Viewing bedeutet im amerikanischen Englisch die öffentliche Aufbewahrung eines Toten.

Gegenteil vom Gegenteil

Der Duden zählt vier Wörter, deren Bedeutung zugleich das Gegenteil davon ist. Die Sanktion ist eine Billigung, kann aber auch eine Strafmaßnahme sein. Seichte Stelle oder große Tiefe – beides wird als Untiefe bezeichnet. Weitere Beispiele: der Preise im Sinne von Verlust oder Gewinn; etwas übersehen in der Bedeutung von etwas überblicken und etwas nicht sehen.

Ohne Gegenteil
Sechs Adjektiven hingegen fehlt das Gegenteil: allein, ewig, müde, schlimm, durstig, technisch

Substantive auf Platz 1
Die größte Gruppe der Stichwörter im Duden sind mit 74,3 Prozent die Substantive. Auf Platz 2 folgen die Adjektive (13,8 Prozent) und Platz 3 die Verben (10,1 Prozent). 1,3 Prozent belegen Adverbien. Für die restlichen Wortarten wie Präpositionen, Konjunktionen, Pronomen, Numeralien und Interjektionen bleiben 0,5 Prozent.

Artikel und Bedeutung
Haben Sie ein oder einen Laster? Erst der Artikel macht den Unterschied. Das Laster bezeichnet eine Untugend, der Laster eine Lastwagen. Genauso verhält es sich bei das Pony (Kleinpferd) und der Pony (Frisur); das Titan (Metalle) und der Titan (Riese); das Steuer (Lenkrad) und die Steuer (Abgabe).

Ständig in Bewegung
Sprache ist nicht starr. Sie verändert sich – von Generation zu Generation. Und damit wandelt sich oft auch die: Galt geil (gleich sexuell erregt) noch vor rund zwanzig Jahren als anzügliches Wort, hat es heute den Sprung in die Alltagssprache geschafft. Das Verb einbinden bedeutete ehedem Einschärfen, ist heute ein Synonym für einwickeln; der Wandel war ein Fehler und steht heute für Veränderung.

Anfang ohne Ende
Um den Brotanschnitt wird in vielen Familien gestritten. Wer bekommt den Gnust? Oder Aamündli, Chnüssli, Gnuscht, Gombel, Knabbel, Knörzje, Zipfeli? Es sollen 350 regionale Ausdrücke registriert sein. Eine hochdeutsche Bezeichnung fehlt hingegen.

Lang, länger, am längsten
Das Rindfleischetikettierungsüberwachungsaufgabenübertragungsgesetz wurde in Mecklenburg-Vorpommern gerade außer Kraft gesetzt. Es galt als längstes deutsches Wort. Zu Unrecht: Gern verweisen wir hier auf die
Grundstücksverkehrsgenehmigungszuständigkeitsübertragungsverordnung.

Neun mal fünf
Das deutsche hat fünf Vokale und zählt zehn Wörter, die alle miteinander vereint: Bioeier, Batterieeier, Donauauen, dreieiig, Niveauausgleich, Milieuaufklärer, Teeeier, Treueeid, zweieiig

Aber gerne doch
Widerspruch, Einspruch, Sturheit, Verweigerung – mit dem Wörtchen "doch" ist alles gesagt. Es kann jede noch so komplizierte Argumentationskette beenden. Und Engländer beneiden uns wahrscheinlich darum. Denn ihnen fehlt der sprachliche Kunstgriff, ein „aber“ freundlich zu verpacken.

Kurz und knapp
Abkürzungen sind beliebt; verzwickt ist ihre Aussprache. Es funktioniert Buchstabe für Buchstabe (ADAC), Buchstabe für Buchstabe oder als Wort (FAZ), als Wort (Pin, Aida), immer in Langform (Dr., z.T.) oder in Kombination als Buchstabe und Wort (WLAN).

Eins plus vier
Das Wort Band kann drei Geschlechter und vier Pluralformen haben: das Band – die Bänder, das Band – die Bande, die Band – die Bands, der Band – die Bände.

Kurz und knapp

Für große Gefühle brauchen die Deutschen nur ein bis zwei Silben, denn ihre beliebtesten Kosenamen sind Schatz und Schatzi; Hase, Liebling, Schnuckel/Schnuckli, Maus und Bär/Bärchen/Bärli.
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1 Kommentar
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Hannelore Grünler aus Artern | 02.07.2013 | 06:02  
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