Virtuelle Selbstverteidigung: Crypto-Party in Weimar

Wann? 20.09.2013 17:30 Uhr bis 20.09.2013 20:00 Uhr

Wo? Goetheplatz, Goetheplatz, 99423 Weimar DE
Professor Dr. Stefan Lucks lädt zur Crypto-Party ein.
Weimar: Goetheplatz | Das machen die vielen Meldungen über Datenklau und Ausspähungen deutlich. AA-Redakteurin Simone Schulter fragte bei Professor Stefan Lucks nach, wie man sich im Netzt besser schützen kann.

Sind Sie verwundert, dass die NSA-Affäre nicht für mehr Aufregung sorgt?
Ja, ich hätte eine stärkere Reaktion erwartet, nachdem man jetzt weiß, wie viele persönliche Daten ausspioniert werden. Ich kann es mir nur psychologisch erklären als ein Gefühl der Hilflosigkeit. Die Leute resignieren. Für uns als Medieninformatiker ist das ein Grund, mehr aufzuklären. Man kann die Geheimdienste nicht umdrehen, aber man kann es ihnen schwer machen.

Sind Sie selbst bei Facebook?
Nein, aus zwei Gründen. Zum einen habe ich so viel im Internet zu erledigen, dass ich privat keinen Spaß daran hätte. Zum anderen aus prinzipiellen Überlegungen heraus. Ich möchte nicht, dass Facebook noch mehr über mich erfährt.

Wie erklären Sie sich diese Vormachtstellung von Facebook?
Es ist die Angst, die viele umtreibt, etwas zu verpassen. Unternehmen glauben, ohne Facebook seien bestimmte Gruppen für sie nicht erreichbar. Ein Netzwerkeffekt. Ein Medium erlangt eine so große Bedeutung, dass andere glauben, dort agieren zu müssen. Aber selbst wenn ich Facebook nicht nutze, wäre ich natürlich verstimmt, wenn die Bauhaus-Uni keinen Facebook-Auftritt hätte. Man braucht ihn. Es ist leider so.

Nutzen Sie persönlich die Daten-Wolken im Internet, die so genannten Clouds?
Nein. Ich habe einen Kalender, auf den ich von überall zugreifen kann. Das ist sehr hilfreich. Ich sehe aber nicht den geringsten Grund, etwas in eine Cloud zu stellen. Natürlich ist die Versuchung groß, über eine Cloud auf seine Daten zugreifen zu können, vor allem wenn man unterschiedliche Geräte parallel benutzt und die Cloud kostenlos ist. Doch wenn man nichts zahlt, ist man die Ware. Das sollte man bedenken. Wer Fotos in eine Cloud stellt, solle sich die Geschäftsbedingungen ansehen. Bei manchen Anbietern tritt man die Rechte an den eigenen Bildern ab. Die Folgen kann man heute noch nicht absehen.

Wie viel geben Sie von sich persönlich im Internet preis?
Beruflich sehr viel. Alle Folien und Arbeitspapiere, auch Aufsätze sind online zugänglich. Es gibt auch Fotos von mir. Privat stelle ich nichts ins Netz.

Was muss ich als Mindest-Standard für virtuelle Sicherheit beachten?
Zwei Dinge sind besonders wichtig. Zum einen der weitgehende Verzicht auf Google. Google ist gierig nach persönlichen Daten. Deshalb sollte man alternative Suchmaschinen nutzen, so etwa Startpage oder Quick. Wenn man auf Google zugreift, dann anonym über das „Tor“-Netzwerk. Die Suchanfrage wird über mehrere Rechner in unterschiedlichen Ländern weitergeleitet. So kann man im Netz untertauchen und ist für Google ist nicht identifizierbar. Empfehlenswert ist das bei sensiblen Themen wie Krankheiten. Man weiß nie, wer sich für das Surfverhalten interessiert.

Sie sprachen von zwei Dingen?
Aus meiner Sicht ist ein verschlüsselter E-Mail-Verkehr die zweite wichtige Vorkehrung. Die Verschlüsselung funktioniert aber nur, wenn die Mail direkt auf meinem Rechner ankommen und von dort abgesendet werden. Web-Mailer wie web.de sind nicht geeignet.

Wie viel technisches Verständnis ist dafür notwendig?
Wenig, eigentlich gar keins. „Tor“ installiert sich wie jedes andere Programm. Beim sicheren E-Mail-Verkehr muss man die Oberfläche seines Mailprogramms erlernen und eine Schlüsselnummer eingeben. Das ist zeitaufwändiger.

Ihr Fachbereich lädt zu einer Crypto-Party ein, um virtuelle Selbstverteidigung zu trainieren. Widmen sie sich diesen beiden Themen?
Ja, wir zeigen, wie man anonym im Netz surfen kann und wie man E-Mails verschlüsselt. Es gibt einen Vortrag und Workshops. Hier wird gezeigt, wie man seinen Rechner optimal einstellen kann, um virtuell weniger angreifbar zu sein. Deshalb ist es hilfreich, wenn unsere Gäste ihre eigenen Laptop, PC oder Mac mitzubringen.

Was bedeutet Crypto? Ist die Party eine Weimarer Erfindung?
Crypto steht für Kryptographie. Das ist die Wissenschaft, die sich unter anderem mit der sicheren Verschlüsselung beschäftigt. Solche Partys gab es erstmals 2012 in den USA. Sie haben schnell Nachahmer gefunden.

ZUR PERSON
Professor Dr. Stefan Lucks (48) studierte in Dortmund Informatik, promovierte in Göttingen, war in Mannheim als Privatdozent tätig und ist seit 2007 Professor für Mediensicherheit der Bauhaus-Universität Weimar.

TERMIN
Crypto-Party der Professur für Mediensicherheit an der Buahaus-Uni am Freitag, den 20. September, von 17.30 bis 20 in „mon ami“ am Goetheplatz in Weimar
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