Wenn es im Schädel hämmert: Infos zum Kopfschmerztag am 5. September

Dr. med. Peter Storch, Leiter des Mitteldeutschen Kopfschmerzzentrums, während der Untersuchung eines Kopfschmerzpatienten. (Foto: Michael Szabó/UKJ)
Es pocht, es zieht, es drückt – Schmerzen im Kopf können die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Gut informiert kann man einem der häufigsten Leiden besser entgegenwirken. Anlässlich des Kopfschmerztages am 5. September klärt Dr. Peter Storch vom Mitteldeutschen Kopfschmerzzentrum über Ursachen, Symptome und Therapiemöglichkeiten auf.

Dr. Storch, rund 200 Kopfschmerzarten soll es geben. So jedenfalls heißt es in der Werbung eines bekannten Pharmakonzerns. Ist das übertrieben?
Nein. Es gibt eine internationale Kopfschmerz-Klassifikation, die jede Sonderform auflistet und tatsächlich mehr als 200 verschiedene Arten auflistet. Prinzipiell unterscheiden wir zwischen primären und sekundären Kopfschmerzen.

Worin besteht der Unterschied?

Beim primären Kopfschmerz ist der Kopfschmerz selbst die Krankheit. Das sind beispielsweise Migräne, Cluster-Kopfschmerzen oder Spannungskopfschmerzen. Diese Schmerzformen sind zwar nicht heilbar, aber in der Regel gut zu behandeln. Beim sekundären Kopfschmerz ist der Schmerz das Symptom der Erkrankung. Hier muss man gründlich nach der Ursache forschen. Ein Beispiel für eine solche Kopfschmerzform wäre der Kopfschmerz bei einer Infektion, zum Beispiel einer Nasenebenhöhlenentzündung. Behandelt man die Grunderkrankung bildet sich das Symptom Kopfschmerz in aller Regel vollständig zurück.

Wenn Kopfschmerzen auftreten: Sollte man gleich zur Tablette greifen?
Das kommt auf die Kopfschmerzart an. Bei der Migräne wäre ein solches Vorgehen zu empfehlen. Man muss aber auf die Dosierung achten. Und zwar aus zweierlei Gründen. Zum einen sollte die Dosis des eingenommenen Scherzmittels hoch genug sein, um wirken zu können. Häufig werden Schmerzmittel unterdosiert und können dann nicht wirken. Zum anderen muss man die Häufigkeit der Einnahme beachten.

Inwiefern?
Wenn man regelmäßig an mehr als zehn Tagen im Monat Schmerzmittel einnimmt, kann es zu Kopfschmerzen infolge eines Medikamentenübergebrauchs kommen. Das heißt, die Kopfschmerzen treten immer häufiger auf, weil man zu oft Schmerzmittel einnimmt. Das klingt zwar paradox, aber um diese Nebenwirkung muss man wissen.

Was ist die Ursache von Kopfschmerzen?
Wir müssen zwischen Ursache und Auslöser unterscheiden. Die Ursachen der primären Kopfschmerzarten sind zum Teil genetisch bedingt oder die Schmerzverarbeitung im Gehirn ist gestört. Die Auslöser der einzelnen Kopfschmerzattacken können ganz unterschiedlicher Art sein. Häufig ist es starker Stress oder der Übergang zwischen Stress- und Erholungsphasen.

Welchen Einfluss haben Wetter, Alkohol und Sex?
Dass Wetter Kopfschmerz verursacht, ist wissenschaftlich nicht nachgewiesen, auch wenn Patienten das subjektiv anders empfinden. Selbiges gilt für Alkohol. Bestimmte alkoholische Getränke, so etwa Rotwein, können aber bei einem Teil der Migränepatienten Kopfschmerzattacken auslösen. Sex kann durchaus Kopfschmerzen auslösen. Das kommt allerdings sehr selten vor. Man spricht dann von Orgasmus-Kopfschmerz. Auch hierfür gibt es eine spezielle Therapie.

Kann man Kopfschmerzen vorbeugen?

Wenn primäre Kopfschmerzen häufiger auftreten, ist eine effektive vorbeugende Therapie erforderlich. Für Patienten ist eine interdisziplinäre Therapie am erfolgreichsten. Hierbei werden physiotherapeutische, sporttherapeutische, entspannungstherapeutische und verhaltenstherapeutische Behandlungen kombiniert. Dies kann dann durch den Einsatz vorbeugend wirkender Medikamente ergänzt werden. Wichtig ist ein speziell auf den einzelnen Patienten und seine Kopfschmerzart abgestimmtes Therapiekonzept. Eine solche Therapie wird bei uns im Mitteldeutschen Kopfschmerzzentrum im Rahmen der sogenannten „Integrierten Gesundheitsversorgung“ in Kooperation mit den beteiligten Krankenkassen durchgeführt. Die langfristigen Therapieerfolge sind enorm. Die Anzahl der Kopfschmerztage, die Häufigkeit der Einnahme von Schmerzmitteln und die kopfschmerzbedingten Fehltage am Arbeitsplatz gehen deutlich zurück und die Lebensqualität steigt.

Wann werden Kopfschmerzen chronisch?
Wenn Kopfschmerzen an über 15 Tagen im Monat auftreten, spricht man von chronischen Kopfschmerzen. Etwa drei Prozent aller Kopfschmerzpatienten sind davon betroffen. Diese Menschen sollten nicht resignieren und sich bei einem Neurologen oder Schmerztherapeuten vorstellen. Auch für chronische Kopfschmerzen gibt es gute Behandlungsmöglichkeiten.

Leiden eher Männer oder Frauen an Kopfschmerzen?
Frauen sind etwa doppelt so häufig von Migräne betroffen als Männer. Männer hingegen leiden sieben Mal häufiger am Cluster-Kopfschmerz als Frauen.

Was raten Sie, wenn Kinder über Kopfschmerzen klagen?

Das ist in der Tat ein zunehmendes Problem. Wenn Kinder häufiger unter Kopfschmerzen leiden sollten Spezialisten aufgesucht werden. Die Kopfschmerztherapie bei Kindern unterscheidet sich von der bei Erwachsenen. An der Kinderklinik des Universitätsklinikums Jena gibt es daher eine spezielles Diagnostik- und Therapieangebot für Kinder.

Zur Sache

• häufige Kopfschmerzarten:
Spannungskopfschmerz beidseitiger Schmerz im Nacken und hinter der Stirn, mittlere Intensität, keine Schmerzzunahme bei körperlicher Aktivität, keine Begleitsymptome
Cluster-Kopfschmerz
streng halbseitiger Schmerz, maximaler Intensität
Migräne: halbseitig, mittlere bis starker Intensität, Schmerzzunahme bei körperlicher Aktivität, Begleiterscheinungen wie Lichtempfindlichkeit und Erbrechen
• Das Mitteldeutsche Kopfschmerzzentrum wurde 2008 am Universitätsklinikum Jena gegründet. Es befindet sich in Lobeda-Ost.
• Das Kopfschmerzzentrum verfolgt einen interdisziplinären Therapie-Ansatz. Hier arbeiten Neurologen, Psychologen, Physiotherapeuten, Entspannungstherapeuten und Ergotherapeuten Hand in Hand.
• Rund 2500 Patienten werden hier pro Jahr behandelt.
• Die Wartezeit auf Termine
beträgt etwa zwei Wochen.
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