Auch Kaninchen treiben Sport - In Jena sogar im Verein

Sara Zürch mit dem Vereinsnachwuchs Lady Million (links) und Only.
 
Mitglieder des Kaninchensportvereins Jena von links: Mitglieder des Vereins; Sara Zürch, Michael Zürch, Katrin Fuchs, Sandra Seidel, Luise Niels, Kira Seidel und Kilian Gebhardt mit Baby Edda.
Ein Osterhase hat in diesen Tagen viel zu tun. Eier färben, Nester basteln und dann alles auch noch verstecken. Dafür klettert er auf Bäume, kriecht in Hohlräume oder schlängelt sich durch Beete. So bleibt Meister Lampe fit.

Von so viel Auslauf kann sein Verwandter, das Hauskaninchen, nur träumen. Zumeist sitzt es in seinem Stall. Kaum Bewegung. Nur ab und an ein paar Streicheleinheiten vom Menschenfreund. Doch es geht auch anders. Sara Zürch aus Jena hat ihren Vierbeinern weitaus mehr zu bieten. Sie treibt mit ihnen regelmäßig Sport.

„Das ist aber nichts Albernes, was wir hier machen“, stellt die Vorsitzende des 1. Thüringer Kaninchensport Jena e.V. klar. Kaninchensport tue Mensch und Tier gleichermaßen gut. „Kaninchen haben ein natürliches Bedürfnis zu springen.“ Und schon lässt sie die schwarz-weiße Finess über die Hürdenbahn hoppeln. Dabei kommt auch „Frauchen“ in Bewegung. Denn Kaninchen kommen ziemlich flott über die Hindernisse. Aber nur, wenn sie es ihnen passt. „Das ist ja das Gute an unserem Sport“, wirft Michael Zürch ein. „Man kann sie zu nichts zwingen. Wenn Kaninchen nicht wollen, wollen sie nicht.“

Finess will definitiv. Kurzer Anlauf und los geht’s. Bis zu zwölf Hindernisse sind auf einer Bahn zu überwinden. Danach wartet die Belohnung - ein kleines Leckerli. Das Training hat sich bereits ausgezahlt. Die Kaninchendame wurde im Januar in der Schweiz auf der geraden Bahn Europameister in der Eliteklasse. Sara Zürch hofft, noch mehr Titel mit ihr zu gewinnen. Denn Sportkaninchen erreichen ihre optimale Form mit etwa drei Jahren. Da bleibt der Zweijährigen noch etwas Zeit.

Mit etwa vier Monaten, wenn der Körperbau ausgereift ist, beginnen die Kaninchen mit dem Sport. Langsam werden sie an die Hindernisse herangeführt. Ebenso an ihr Geschirr, das sie tragen müssen. „Das wird bei Wettkämpfen vorgeschrieben“, erklärt Michael Zürch. Eine reine Sicherheitsmaßnahme. Damit soll verhindert werden, dass die schreckhaften Tiere bei Turnieren weglaufen. Die Leine darf sowieso nur ganz locker gehalten werden. „Die Schiedsrichter“, so Zürch, „schauen sehr genau darauf. Wenn man sich nicht daran hält, gibt es Punktabzüge. Wer zu fest zieht, wird sogar disqualifiziert.“ Das Tier soll ohne Einflussnahme über die Hindernisse springen.

In der Trainingshalle in Remedroda geht es oft auch ohne Leine über den Parcours. Hier können die Kaninchen viel Freiheit genießen. Ihr Wohlergehen ist oberste Prinzip. Deshalb werden die Tiere mit Ausnahme der Rammler auch in Gruppen gehalten. In großen Ställen tummeln sich im ehemaligen Stall Kaninchen in unterschiedlichsten Farben. „Wir legen keinen Wert auf das Aussehen. Das sind alles Promenadenmischungen“, erklärt Sara Zürch. Ein großer Unterschied zu den Rassekaninchenzüchtern. Wichtig sei allein die Sprungkraft. Danach werden die Eltern ausgewählt. Deshalb kann es schon einmal vorkommen, dass Kaninchenzüchter über 1000 Kilometer für die Verpaarung fahren. Denn auf den Stammbaum wird großer Wert gelegt. Damit vermeidet man Inzucht. „Ein bisschen kann man das schon mit Rennpferden vergleichen.“ – Nur eben nicht ganz so verbissen.


Zur Sache

- Kaninhop hat sich vor etwa 40 Jahren als Sport für Mensch und Kaninchen in Schweden entwickelt. Mittlerweile gibt es Anhänger in der ganzen Welt.
- Seit 2007 wird Kaninhop auch in Deutschland betrieben. Rund 700 Kaninchenfreunde widmen sich hier diesem Sport.
- Kaninchensport gibt es in vier Wettbewerbsformen: gerade Bahn, Hindernisparcours, Hochsprung/Weitspring und Agility. Die Startklassen unterscheiden sich in der Hindernishöhe und den Abständen in leichte Klasse, mittelschwere Klasse, schwierige Klasse und Eliteklasse.
- Der 1. Thüringer Kaninchensport Jena e.V. ist der einzige eingetragene Verein in Thüringen, der sich ausschließlich dem Kaninchensport widmet. Er hat seinen Sitz in Jena-Remederoda.
- Der Verein wurde 2009 gegründet und hat derzeit zwölf Mitglieder. Sie trainieren mit rund 50 Kaninchen.
- Um Mitglied im Verein zu sein, muss man kein eigenes Kaninchen besitzen. Trainieren kann man auch mit „Vereinskaninchen“.
- Der Verein ist nicht nur sportlich aktiv. Er besucht mit seinen Tieren auch soziale Einrichtungen, um Kontakt zwischen Mensch und Tier zu fördern.


TERMIN & KONTAKT

Die Kaninchensportler trainieren sonntags, 10 Uhr auf ihrem Vereinsgelände in Jena-Remderoda. Neuzugänge sind immer herzlich willkommen. Es empfiehlt sich eine vorherige Kontaktaufnahme, da wegen Wettkämpfen Trainingseinheiten ausfallen können.
Kontakt:
Tel. 0160/96660643
kaninchensport-jena@web.de
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