Beim Darts kann man kräftig abräumen – oder im Bescheidenen spielen: GDM in Jena, Training in Bad Sulz

André Trompke gehört zum Erdnuckel-Club aus Bad Sulza. Im Gegensatz zu den Dartssprofis zielt man dort auf einen elektronisch gesteuerten Dartautomaten. Er behauptet von sich: „Ein 9-Darter bin ich auf jeden Fall nicht.“
 
Der Mittelpunkt der Dartscheibe wird Bullseye genannt. Wer es trifft, erzielt 50 Punkte. 60 Punkte sind das beste Ergebnis, das man mit einem Wurf auf die Dartscheibe erreichen kann. Dafür muss die Tripple-20 getroffen werden.
Bad Sulza: Am Sportplatz |

Die Scheibe ist das Ziel – für jeden Darter. Ob sie nun aus Sisal gefertigt ist oder elektronisch betrieben wird, hängt vom Anspruch ab. Die Großen der Szene spielen Steel-Dart, die Erdnuckel aus Bad Sulza zielen auf den Dartautomaten. Beide haben aber gleichermaßen Freude am Spiel.


„Wir sind immer noch die komischen Leute“, urteilt André Trompke über sich und die anderen Darts-Sportler im Club „Erdnuckel“ aus Bad Sulza. Doch so ganz kann man es ihm nicht glauben.

Alles andere als ein Kneipensport

Immer mehr Sportinteressierte sitzen gespannt vorm Fernseher, wenn Michael van Gerwen, Phil Taylor und die anderen Großen des Dartssport sich duellieren, um Legs und Sets kämpfen, in guten Momenten die 180 reißen oder gar einen 9-Darter landen.

Mit wenigen Pfeilen von 501 auf 0

Mann gegen Mann: Ein bisschen archaisch mutet es an. Fast schon schleudern die die Profis ihre Pfeile auf die runde Scheibe. 45 Zentimeter misst diese im Durchmesser, ist in 20 Segmente gegliedert. Wo landet der Pfeil? Wie viele Punkte bringt er ein? Wer findet den optimalen Weg, die am Anfang gesetzten 501 Punkte auf Null zu setzen? Jeder Wurf birgt eine neue Chance.

Auch Trompke erlebt diesen Reiz immer wieder neu. „Man ist auf sich allein gestellt. Entweder trifft man oder nicht. Im Gegensatz zu Mannschaftssportarten kann man die Schuld nicht beim Mitspieler suchen“, erklärt er für sich die besondere Faszination seines Sports.

„Im Training sind alle Weltmeister.“
André Trompke, Dartssportler aus Bad Sulza


Seit fast 17 Jahren trainiert Trompkes Truppe. Sieben Erdnuckel zählt das Team derzeit. Zwei Frauen gehören dazu. In einem kleinen Raum im Kegelbahngebäude am Bad Sulzaer Sportplatz werfen sie ihre Pfeile, um in den Wettkämpfen der „1. Offenen Dartliga Mittelthüringen“ bestehen zu können. Zwischendurch gönnen sie sich auch mal ein Bierchen.

Ein Bierchen zum Training

Für die Profis der Szene ist das mittlerweile ein Unding. Vorbei die Zeiten, als Darts vor allem in verräucherten Kneipen zelebriert wurde. Heute erobern Berufsspieler die großen Hallen, fahren hohe Preisgelder ein. Wenn in Jena zu Ostern die German Darts Masters (GDM) ausgetragen werden, könnte der Sieger rund 28000 Euro für den Turniersieg kassieren. Da reibt sich ein deutscher Olympiasieger mit seiner 20000-Euro-Siegprämie schon kräftig sie Augen.

Ein wenig geht es auch bei den Erdnuckels ums Geld. Schließlich muss jede Mannschaft der Dartsliga ein Startgeld von 160 Euro bezahlen. Später wird dieses erfolgsorientiert wieder ausgezahlt – nicht nur an Sieger und Platzierte: „Auch der letzte bekommt etwas ab“, erklärt Trompke. Alles bleibt im bescheidenen Rahmen.

Profils spielen Steel-Dart

Nicht allein die Prämien trennen die Amateure von den Profis. In Bad Sulza wird E-Darts gespielt. Die vergleichsweise leichteren Pfeile landen auf einem Automaten. „Das hat einen klaren Vorteil“, erklärt Trompke. „Beim E-Darts braucht man nicht nachzudenken.“ Der Automat rechnet die geworfenen Punkte zusammen, gibt die folgenden Spielzüge vor. Zudem müsse nicht ständige die Dartsscheibe ausgetauscht werden. Das sei auch eine Preisfrage. Profis hingegen spielen Steel-Darts, zielen auf aus Sisalfasern gefertigte Scheiben. Je öfter Dartspfeile das Naturmaterial durchbohren, um so schneller müssen sie ersetzt werden.

Van Gerwen und Co. sorgen für Nachwuchs

André Trompke hat den Hype um seine Sportart verfolgt. Ab und an schaue er die Spiele im Fernsehen an. „Den Wecker stelle ich mir dafür aber nicht“, stellt der Schichtarbeiter klar. Seine Zeit verbringt er lieber mit dem eigenen Training. Zudem kümmert er sich um die Internetseite seiner Liga. Doch wenn van Gerwen, Taylor und Co. mit ihren Auftritten die Lust am Dartssport schüren, soll es ihm nur recht sein. „Vielleicht findet der eine oder andere Zuschauer dann den Weg zu uns“, würde sich Trompke über neue Erdnuckel freuen.

Sie haben nicht alles verstanden?

Diese Begriffe sollten Sie (mindestens) kennen, wenn Sie bei Darts mitreden wollen:

Leg:
Leg ist ein Spiel. Vom Ausgangswert 501 wird rückwärts gezählt. Wer zuerst die Null erreicht, hat das Leg gewonnen. Ziel ist es, mit so wenig Würfen wie möglich, das Leg zu beenden.

Set (Satz):
Drei Legs ergeben ein Set. Wie viele Sets für den Sieg notwendig sind, ist von den Turnierregeln abhängig.

180:
Zwei Spieler wechseln sich mit jeweils drei Pfeilwürfen ab. Die höchstmögliche Punktzahl, die man mit drei Pfeilen erreichen kann, ist 180. Dafür muss man drei Mal ins Tripple-20-Feld treffen.

9-Darter:
Wer nur neue Würfe braucht, um von 501 auf 0 zu kommen, hat das perfekte Spiel hingelegt. Um einen 9-Darter zu erreichen, gibt es 71 Möglichkeiten.

Double out:
Um ein Spiel beenden zu können, muss der letzte Pfeil zwingend auf einem Doppelfeld – im äußeren Ring der Scheibe – landen.
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige
Anzeige