Mehr als ein Museum: Heimatstube Berlstedt

Über viele Besucher in der Heimatstube freuen sich Monika Bechmann (von links), Hans Gniech und Heidi Bube, die in einem Wohnzimmer aus den 1950er-Jahren Platz ­genommen haben.
  Berlstedt: alte Molkerei | Hans Gniech ist ein höflicher Mensch. Niemanden will er vergessen. Allein 14 Mitstreiter nennt er, die das Werden und Wachsen der Berlstedter Heimatstuben erst möglich machten. Sie mögen bitte alle genannt werden. Doch der Platz in der Zeitung ist begrenzt. Deshalb wird hier vor allem über die umfangreichen Sammlungen zu lesen sein, die die Berl­stedter Heimatfreunde in der ehemaligen Molkerei zusammengetragen haben.

Alles begann im Jahr 2006. Damals feierte der Ort seine 1130-Jahr-Feier. Auch mit einer Ausstellung, die über die Berlstedter Geschichte berichten sollte. So wurden Dachböden und Keller durchstöbert. Von der Wärmflasche bis zum Schulbuch, von der Chorchronik bis zu historischen Fotos, Ata- und Fay-Päckchen: Eine Fülle an Material wurde zur Verfügung gestellt. Wohin damit, fragten sich die Heimatfreunde nach dem Jubiläumsjahr, denn viele Exponate waren Sachspenden, die für nachfolgende Generationen bewahrt werden sollten. So entstand die Idee einer Heimatstube. Am 19. April 2008 konnte sie eröffnet werden – in einer leerstehenden Wohnung in der ehemaligen Molkerei.

Fünf Jahre ist das her. Seither trägt die Gemeinde Miete und Nebenkosten. Die Berlstedter Heimatfreunde danken es auf vielfältige Weise. So entstanden Ausstellungsräume, die sich unterschiedlichen Lebensbereichen widmen und durch viele Alltagsgegenstände an das Leben in früheren Zeiten erinnern. So strahlt das Wohnzimmer mit Polstersofa, Stickbildern und Nierentischchen den Charme der 1950er-Jahre aus. Eine Kaffeekannensammlung und ein alter Kohleofen sind Zierde in der Küche. Auch alte Schulbänke und Unterrichtsmaterialien sind zu sehen. Als Schlaf- und Badezimmer wurden weitere Räume eingerichtet. Hinzu kommen Sonderausstellungen. Die aktuelle widmet sich Ideen, die Erfurter Studenten für Berlstedt entwickelt haben. In den Heimtatstuben ist zudem eine ständige Ausstellung untergebracht, die alle wichtigen Dokumente zusammenfasst, die zur 1130-Jahr-Feier entstanden oder gesammelt wurden.

Doch nicht allein als Museum dienen die Räume in der alten Molkerei. In einer kleinen Bibliothek warten über 2000 Bücher auf ihre Leser. „Obwohl das Angebot kostenlos ist, wird es leider nicht so gut angenommen“, bedauert Hans Gniech. Regelmäßige Veranstaltungen bereichern das kulturelle Angebot in Berlstedt. Große Resonanz erlebten beispielsweise die Vorträge, in denen Berlstedter Weltenbummler über ihre Urlaubserlebnisse erzählen. Beliebt sind außerdem die geführten Wanderungen zu Sehenswürdigkeiten in der Umgebung.

Doch die Räume werden auf Wunsch auch für Klassentreffen und Seniorenbegegnungen geöffnet. Aus den benachbarten Schulen kommen die Kinder zum anschaulichen Unterricht. „Wir wollen“, so erklärt Hans Gniech, „die Geschichte lebendig halten und vermitteln“.

Rund 3000 Besucher konnten in den vergangenen fünf Jahren in der alten Molkerei begrüßt werden. Auch nach dem fünften Geburtstag wollen die Berlstedter mit viel Elan ihre Heimatstuben weiter ausbauen. Doch vorher sind alle zur gemeinsamen Geburtstagsfeier eingeladen.

TERMIN
Am 20. April feiern die Berlstedter Heimatstuben ­ihren 5. Geburtstag und laden von 14 bis 17 Uhr zu Kaffee und selbst gebackenen Kuchen ein. Dazu werden Filme über die Geschichte des Ortes und historische Dokumentationen gezeigt.
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