Siedlersfreud: Ein kleines Dorf in der Stadt

Sie fühlen sich wohl in „Siedlersfreud“: Max Schenk, Barbara Wimmel, Hans Joachim Müller und Klaus Rogge. Alle vier sind seit vielen Jjahren aktive Mitglieder im Siedlerverein. Foto: Simone Schulter
Weimar: Martin-Anderesen-Nexö-Straße | Das wird es wohl so nicht wieder geben: In Rekordzeit wurde 1932 die Siedlung „Siedlersfreud“ vor den Toren Weimars errichtet. Den ersten Aushang, mit dem nach Interessenten gesucht wurde, hing im Dezember 1931 im Rathaus aus. Schon ein Jahr später konnten die ersten Häuser am Stadtrand Richtung Taubach bezogen werden.

Siedlerprogramme wie in Weimar gab es zur damaligen Zeit in ganz Deutschland. Mit ihrer Hilfe erhielten arme, kinderreiche Familien Wohnraum und ausreichend Land, um sich selbst zu versorgen. Zum kleinen, bescheidenen Häuschen gehörte ein großer Garten und ein Stück Feld auf den der Siedlung gegenüberliegenden Ilmwiesen.

Mit dem Einzug ins eigene Haus ging für viele Familien ein Traum in Erfüllung. „Siedlersfreud“ entstand damals in Regie der Stadt Weimar. Erst später konnten die Bewohner ihre Häuser und Grundstücke kaufen.
Insgesamt 75 Doppelhäuser zählt die Siedlung. Nur noch einzelne sind im Originalzustand erhalten geblieben. Um- und Anbauten wurden notwendig, weil oftmals die Kinder mit ihren eigenen Familien im Elternhaus wohnen blieben.
Noch heute leben in der Siedlung viele Familien, deren Urgroßväter einst zu den Erbauern zählten. Sie tragen dazu bei, dass der Gemeinschaftsgedanke aus den Anfangsjahren noch heute lebendig ist.

Traf man sich früher an der gemeinsam angeschafften Dreschmaschine, so ist heute das Siedlerheim in der Martin-Andersen-Nexö-Straße Mittelpunkt des Siedlervereins „Siedlersfreud“, der die Jahre überdauerte und zu DDR-Zeiten Teil des Verbandes der Kleingärtner, Siedler und Kleintierzüchter war. „Wir sind ein kleines Dorf in der Stadt“, beschreibt Vereinsvorsitzender Hans Joachim Müller das Lebensgefühl. Etwa Dreiviertel der Familien in Siedlersfreud sind heute Mitglied im Verein. „Das sind nicht nur die Alteingesessenen“, freut sich Barbara Wimmel. Auch Familien, die erst in den letzten Jahren eine neue Heimat in der Siedlung fanden, beteiligen sich rege am Gemeinschaftsleben, zu dem die freitägliche Treffen im Siedlerheim ebenso gehören wie die Weihnachtsfeiern für Kinder und Senioren, das jährliche Gründungsfest im August, regelmäßige Skatturniere und Arbeitseinsätze.

Erst kürzlich konnte man einen neuen Bolzplatz in betrieb nehmen. Derzeit wird gemeinsam an der Ausgestaltung des Spielplatzes gearbeitet. Mit einem eigenen Bierwagen zum Weimarer Zwiebelmarkt soll das noch fehlende Geld für neue Spielgeräte eingenommen werden. Bei allem Frohsinn ist Max Schenk und Klaus Rogge aber eines ganz besonders wichtig: „Hier gab es nie einen wirklich krassen Nachbarschaftsstreit.“
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