Beschildert, aber mit Lücken

Matthias Unbehaun, Landesradwegewart (LEG Thüringen), befährt seit 2010 das radtouristische Landesnetz in Thüringen mit einem Pedelec. (Foto: Matthias Unbehaun)
 
Am Unstrut-Radweg, Foto: Matthias Unbehaun (Foto: Matthias Unbehaun)
Radwegewart prüft radtouristisches Landesnetz Thüringen per Pedelec. Das Elektrofahrrad kam vom Tannaer Verein ExtraEnergy. Ein Hintergrund- und Erlebnisbericht.

Zur Qualitätskontrolle befuhr Landesradwegewart Matthias Unbehaun Teile des radtouristischen Landesnetzes Thüringen.

Zu den Aufgaben von Radwegewart Matthias Unbehaun (Projektleiter im Landesradwegewart- Projekt der Landesentwicklungsgesellschaft (LEG) Thüringen) zählt seit Oktober 2008 die Qualitätskontrolle des radtouristischen Landesnetzes Thüringen. ExtraEnergy e.V. erleichterte ihm seit 2010 die Arbeit und stellte ein Pedelec der Marke Flyer zur Verfügung.

Das radtouristische Landesnetz Thüringen
Insgesamt hat Thüringen über 13.000 km mit dem Rad für Alltags- oder Erholungszwecke befahrbare Wege. Das radtouristische Landesnetz, das durch den Landesradwegewart überprüft wird, setzt sich aus einem Teil dieser Wege zusammen und hat insgesamt 13 Radfernwege und 66 Radhauptwege. Diese sind im Radverkehrskonzept für den Freistaat Thüringen seit 2008 definiert.

Die Radfernwege entsprechen touristischen Themenrouten wie zum Beispiel dem Ilmtal-Radweg. Die Radhauptwege sind ergänzende und netzverdichtende Verbindungen, die nicht zwangsläufig eine touristische Themenroute darstellen müssen.

Qualitätssicherung durch Befahrung und Kommunikation
Zu den Aufgaben des Landesradwegewarts gehört einerseits die Befahrung zur Qualitätssicherung. Aber auch die Sicherstellung der Kommunikation zwischen lokalen Radverkehrsverantwortlichen und Akteuren auf Landesebene ist ein Thema. Hier werden zum Beispiel die Befahrungsprotokolle gemeinsam ausgewertet. Ergänzt wird das Spektrum durch die Unterstützung eines Datenmanagements. Zu diesem gehört unter anderem die Aufbereitung und Präsentation von radtouristischen Daten im Radroutenplaner Thüringen:

>> www.radroutenplaner.thueringen.de

Die Befahrungen wurden teilweise unter Teilnahme und Mitwirkung der lokalen oder regionalen Radverkehrsverantwortlichen durchgeführt und protokolliert. Die Protokolle wurden den Radverkehrsverantwortlichen auf Kreisebene zugesandt und anschließend diskutiert. Aktuell wird erhoben, inwieweit in den letzten Jahren Änderungen aufgrund dieser Mängelanzeigen erfolgten.

Beschildert, aber mit Lücken
"In der Regel sind alle Radfernwege beschildert", stellt Unbehaun fest, "jedoch nur insgesamt drei davon durchgehend, wie es die aktuelle Richtlinie zur Radverkehrs- Wegweisung im Freistaat Thüringen vorsieht." Bei den übrigen Wegen wurden teils erhebliche Lücken bei der Ausschilderung aufgefunden. Zudem gibt es Unterschiede in der Art und Weise sowie Intensität der Radverkehrs- Wegweisung. Mit Hilfe der Befahrungsprotokolle könnte dies nun behoben werden.

Mit dem von ExtraEnergy zur Verfügung gestellten Pedelec der Marke Flyer konnte Matthias Unbehaun eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 6 - 9 km/h erreichen, wobei zusätzlich zu den verkehrsbedingten Stopps rund 100 zusätzliche Stopps und Anfahrten pro Tour wegen der Aufnahme von Mängeln oder Besonderheiten zu berücksichtigen waren.
Im Vergleich dazu konnte er mit seinem "normalen" Dienstrad ohne Elektroantrieb eine Durchschnittsgeschwindigkeit von lediglich 4 - 6 km/h erreichen.

Wie ein Traktor durch brusthohe Brennnesseln
Matthias Unbehaun berichtet: "Mit dem ‚Flyer‘ habe ich eine Symbiose aufgebaut – ich weiß, was ich ihm zumuten kann. Wie ein Traktor zog mich das Teil 800 Meter durch brusthohe Brennnesseln auf sehr unebenem Untergrund, aber auch durch tiefe, zwanzig Meter lange Waldweg-Pfützen oder 50 m lange Weichschlammstrecken. Dabei hat mich das Pedelec oft vor nassen Füßen gerettet. Das hätte ich mit Muskelkraft nie geschafft."

Zuverlässigkeit und hoher Fahrkomfort
Unbehaun schildert weiter: "Auch auf sehr unebenen Wegen waren hohe Geschwindigkeiten möglich, Stöße wurden gut abgefedert. An Steilstrecken ist die Tretkraftunterstützung jedoch geringer als bei anderen mir bekannten Modellen – das schont wohl den Akku. Gut gefällt mir die bequeme Hand- und Nabenschaltung, die schnelles und leichtes Schalten bei kurzen Stopps ermöglicht und auch im Dickicht und Unterholz problemlos funktioniert. Intelligent finde ich, dass für Wegfahr- und Akkuverriegelung ein und derselbe Schlüssel verwendet werden kann, der immer griffbereit befestigt ist und während der Fahrt nicht verloren geht."

Immer wieder amüsant fand der Landesradwegewart vorurteilsbehaftete Kommentare wie „sowas fährt ja mein Opa!“, die die vielen besonderen Erlebnisse auf seinen Touren jedoch nicht überschatten konnten.
Unbehaun blickt in die Zukunft: "Ich freue mich schon auf meine Arbeit in diesem Jahr und danke ExtraEnergy e.V. sehr herzlich für das tolle Pedelec."

>> Fotostrecke

Text: Angela Budde
Fotos: Matthias Unbehaun
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